von Patrizia Barbera, 11.08.2015

Fantastische Alternative

Fantastische Alternative
Sieben Stunden nach der Dernière des Seeburgtheaters startete das "kultling" in den ersten Festival-Tag. | © Patrizia Barbera

Barocker Synthie-Pop und neue Leichtigkeit für alle, die auf der Suche nach alternativem Same-procedure-as-every-year-Feuerwerkkragebumme waren: Das Festival "kultling" feierte parallel zum Seenachtsfest "Fantastical" seine Premiere.

Patrizia Barbera

"Und jetzt alle, aber gaaaanz langsam!" Hubi Hofmanns Gesichtsmuskeln sind bis zu den Grübchen gespannt. Wie ein Dirigent lässt er seine Hände über sein lernhungriges Publikum segeln. "Da macht ihr euch sofort sympathisch, wenn ihr sagt: "I-FINDA-UUUUUUHUEREGUET!". Der rund 20-köpfige Stimmenchor stimmt mit ein und lacht vergnügt.


Immer schön die Zunge flach halten. Und ganz wichtig: "Aus K wird CH! (wie Halskrankheit)". (Bilder: Patrizia Barbera)


Es ist Samstagnachmittag und der zweite Tag des kultling-Festivals startet mit einem "Mundartkurs für Deutsche". Ein bisschen Zungelockern, nachdem gestern, am ersten Festivalabend von 18:30 bis 1:30 Uhr, bereits lokale und internationale Bands die umfunktionierte Seebühne gerockt haben.

"'I' gang sicher uf Konstanz. Aber 'Ich' sicher nöd!"

Valentin Huber, der gerade noch mit den anderen Mundartkursteilnehmern verinnerlicht hat, was "abähuure", "abhase" und "bodesuri" bedeutet, lässt den Auftakt seines neu ins Leben gerufenen Festivals Revue passieren. "Am meisten bin ich von den Helfern und dem Spirit hier beeindruckt - wir haben nach der letzten Vorstellung von 'Romeo und Julia' genau 7 Stunden gehabt, um alles umzubauen und wie wir hier alle gemeinsam angepackt haben ist wirklich der Wahnsinn."

80 Helfer haben sich im Vorfeld des dreitägigen Festivals engagiert. Während der Festivaltage helfen 61 fleissige ehrenamtliche Hände, Bar, Bühne und "Balari" zu managen. Rund 400 Festivalgäste kamen allein am ersten Abend. "Wir wollen kein Zuckerwatte-Autoscooter-Publikum abwerben vom Fantastical. Es soll vielmehr ein kleines, mit dem Herzen geplantes Festival für Liebhaber alternativer Musik sein."

Gleich am ersten Tag kamen rund 400 Gäste. Als "Johnannes Sebastian Bass" am Samstagabend die Bühne mit ihrem "Elektrokoko" eroberten, musste man sich vor der Bühne den Tanzplatz fast schon erkämpfen. 


Doch wie kam es überhaupt zu der Idee, die Infrastruktur der Seebühne zu nutzen für ein Festival? "Wir sassen bei einem Bier zusammen und dachten: Eigentlich müsste man den Aufbau der Bühne gleich noch nutzen nach der letzten Vorstellung", sagt Huber, der für seine Idee natürlich Rückenwind von seinem Vater und langjährigem Bespieler und Intendant der Seebühne Leopold Huber bekam.

Gesagt, getan: Valentin Huber und Adrian Langenegger gründeten den Verein "kultling" und fanden schnell viele freiwillige Helfer- die auch Ideen zum Programm beisteuerten. Herausgekommen ist ein dreitägiges Festvial mit Schweizer Bandgrössen wie "Europa: Neue Leichtigkeit", den Wienern "Johann Sebastian Bass" und vielen kleinen, lokal bekannten Bands.

"Männer, die über Gefühle reden": Europa: Neue Leichtigkeit.

Von "Freakrockreggeapunkpolka" über grenzübergreifendes Irisch-Folk-Tarantelle-Klezmer-Gerocke von "A little Green" inklusive Kuhimitationen bis hin zu Alternative Rock und Bodensee-Brit-Rock ist für (fast) jeden Musikgeschmack etwas mitdazugeplant worden.

Der Sonntag war gefüllt mit Alternativ-Alternativ-Programm: Yoga, Brunch, Lindy Hop und die Fotoausstellung "Hidden World: Die Faszination der Reflexion" des Fotografs Nicola Ielardi und seiner Partnerin und Hobbyfotografin Deana Petroccia.

Yoga- und Lindy-Hop-Crashkurs sowie ein Fotoausstellung machen das Ganze zu einer gelungenen und abwechslungsreichen Alternative zum "Fantastical" und Same-procedure-as-every-year-Feuerwerkkragebumme. Und Zuckerwatte gab es auf dem Heimweg durch den Seepark dann trotzdem noch.

 

Das Team & Die Idee

Valentin Huber und Adrian Langenegger hatten die Idee zum Festival im Dezember. Danach ging es an die Sponsoren- und Bandsuche. Insgesamt 80 ehrenamtliche Helfer fanden sich, die mitmachen wollten. Für die Konzerte wurde jeweils nach dem Konzert auf freiwilliger Basis "Eintrittsgeld" gesammelt, den Rest finanzierte sich das kultling-Team über Sponsoren.

 

Auch nächstes Jahr soll das kultling wieder stattfinden.

Link zur offiziellen Website: http://kultling.ch/

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