von Brigitta Hochuli, 03.09.2016

Shed: auf Hallenmitte achten

Shed: auf Hallenmitte achten
Der Eingang zum Shed im Eisenwerk Frauenfeld | © Video Samantha Zaugg

Vom 19. November bis 11. Dezember findet die zweite Werkschau Thurgau statt. In einer Serie stellen wir die sieben Kunsträume vor. Hier mit Kuratorin Katja Baumhoff im Shed im Eisenwerk Frauenfeld.

Brigitta Hochuli: Interview; Samantha Zaugg: Video

Katja Baumhoff, Sie waren in der Jury der Werkschau Thurgau 16 mit dabei und zeigen Teile davon ab November im Shed im Eisenwerk. Ist es Ihnen schwer gefallen, aus den 154 Bewerbungen 71 Positionen auszuwählen? Wie waren Niveau, Innovativität und Vielfalt insgesamt?

Katja Baumhoff: In relativ kurzer Zeit aus über 150 Dossiers eine Auswahl treffen zu müssen, ist eine grosse Herausforderung, insbesondere wenn man jede eingereichte Position sorgfältig begutachten will. Doch insgesamt ist die Auswahl recht leicht gefallen. Auffällig bei der Jurierung war, dass sich die Jurymitglieder in den meisten Fällen sehr schnell einig waren. Es gab selbstverständlich auch einzelne Positionen, die diskutiert wurden, Argumente und Gegenargumente hervorriefen und dann zur Abstimmung kamen. Erfreulicherweise war die Auswahl der eingereichten Werke sehr heterogen, viele Medien waren vertreten, auch handelte es sich um eine gute Altersdurchmischung der Bewerbenden. Das Niveau und die Innovativität der eingereichten Werke spiegelt die extreme Heterogenität der zeitgenössichen Kunstszene im Thurgau wieder.

 



Hatten Sie bei der Jurierung Ihren eigenen Ausstellungsort im Kopf? Was zeichnet ihn aus? Was ist möglich? Was nicht?

Nein, bei der Jurierung selbst hatte ich nicht unseren Ausstellungsort, den Shed, im Kopf. Da ging es erst mal darum, die beste Auswahl zu treffen, unabhängig von unserer Raumsituation. Bei der Aufteilung der einzelnenen Kunstschaffenden an die jeweiligen Räume hatte ich selbstverständlich bereits die Möglichkeiten des Sheds vor Augen und habe auch auf eine gute Durchmischung der einzelnen Medien geachtet. Damit wir hinterher nicht mit acht grossformatigen Wandbildern im Shed stehen, aber keine Installationen oder Werke für die Hallenmitte haben. Natürlich gab es auch eingereichte Werke, die förmlich danach riefen, im Shed gezeigt zu werden, während sich andere zum Beispiel eher für die Galerieräume von Widmer & Theoridis eignen.

Wie macht man eigentlich eine Ausstellung? Passt man sie den vorhandenen Räumen an oder versucht man, eine Geschichte zu erzählen?

Die Werkschau Thurgau ist keine thematische Ausstellung. Das bedeutet, dass anstelle einer bestimmten Thematik - oder einer Geschichte - bei der Werkschau ein möglichst umfassender Überblick über das zeitgenössische Kunstgeschehen im Thurgau beziehungsweise von Thurgauern im Vordergrund steht. Einzelne Geschichten, narrative Stränge, Dialoge zwischen den Werken werden sich beim Hängen und Platzieren herauskristallisieren. Es ist die Aufgabe der Kuratorin, die eingegebenen Arbeiten nicht bloss untereinander, sondern auch mit den besonderen räumlichen Gegebenheiten des Ausstellungsraums, in Beziehung zu setzen und somit Dialoge zu schaffen. Die so entstehende Konstellation muss nicht immer eine sanfte und komfortable Unterhaltung sein, sondern kann auch Bruchstellen und Reibungspunkte aufweisen.

 

***
Werkschau Thurgau 16
Shed im Eisenwerk Frauenfeld

Katja Baumhoff

Studium der Kunstgeschichte und Anglistik in Düsseldorf, Neapel und Reading, UK. Dissertation an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf über die Kunst der frühen Moderne in Amerika. Visiting Scholar an der Yale University, New Haven.

 

Seit 2004 freischaffende Kuratorin und Kunsthistorikerin in Winterthur, Schweiz. Seit 2009 Mitarbeit im Shed im Eisenwerk, seit 2012 dessen kuratorische Leitung. Als Kunsthistorikerin, u.a. tätig für das Kunstmuseum Winterthur sowie die Sammlung Oskar Reinhart, liegt der wissenschaftliche Schwerpunkt von Katja Bauhmhoff auf der Malerei des 19. bis 21. Jahrhunderts, während als Ausstellungsmacherin ihr Fokus auf zeitgenössischen Themen und Medien liegt. Programmatische Schwerpunkte bilden einerseits aktuelle sozial- und gesellschaftspolitische Themen, andererseits materialästhetische Gesichtspunkte.
www.artspeaks.ch

 

Bisher in der Werkschau 16-Serie erschienen:
Kunstmuseum: starker Charakter (3)
KVA Weinfelden: wuchtiger Koloss (2)
Arbon: Lagerhalle fordert heraus (1)

 

 

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