von Zora Debrunner, 03.02.2017

Hoffnungsschimmer für Festival

Hoffnungsschimmer für Festival
Der Kulturbeauftragte Christof Stillhard (links) und Stadtpräsident Anders Stokholm vertreten die Stadt Frauenfeld. | © Sascha Erni

Das vorläufige Aus für das Out in the Green Garden in Frauenfeld hat für intensive Debatten gesorgt. Im Netz und auch im echten Leben. Am Donnerstagabend trafen jetzt Veranstalter und Stadtspitze beim KAFF aufeinander. Vor rund 100 Zuschauern suchten sie vor allem eines - eine Zukunftsperspektive für die beliebte Veranstaltung

Von Zora Debrunner (Text) und Sascha Erni (Fotos)

Kaum zwei Wochen, nachdem das Organisationskomitee (OK) das Out in the Green Garden 2017 absagen musste, fanden sich Stadtpräsident Anders Stokholm, der städtische Kulturbeauftragte Christof Stillhard und das OK zu einer Aussprache ein. Die Aussprache war auch bitter nötig, denn die Emotionen gingen bereits vor der Absage der Freiluftveranstaltung hoch. Das KAFF (Kulturarbeit für Frauenfeld) sah in den neuen Leitplanken für Veranstaltungen im Murg-Auen-Park einen bewussten, politischen Angriff aufs Festival, was besonders im Internet zu heftigen Wortgefechten führte. Der Stadtrat hingegen beschwichtigte und schlug eine offene Gesprächsrunde vor. Diese fand nun am Donnerstagabend statt. Rund hundert Gäste jeglichen Alters füllten das KAFF-Lokal bis zum hintersten Meter. Die Stimmung war engagiert, phasenweise sehr leidenschaftlich und emotional.

«Wir müssen langfristig planen können», sagen die Veranstalter

Die Moderatorin Karin Gubler betonte zu Anfang, es sei ein guter Dialog zwischen dem OK und den Vertretern der Stadt Frauenfeld entstanden. Die Gespräche seien zwar schwierig, aber Stadtpräsident Anders Stokholm hätte ein klares Zeichen gesetzt, dass das Out In The Green Garden Festival weiter gehen könne und auch soll. David Nägeli, KAFF-Präsident und OK-Mitglied, schilderte, wie erschrocken er aufgrund der Reaktion der Stadt Frauenfeld gewesen sei. Die neuen Leitlinien für den Murg-Auen-Park hätten seiner Ansicht nach eine weitere Durchführung des Out In The Green Garden Festival unmöglich gemacht.

Er betonte die Wichtigkeit der Planungssicherheit des Anlasses, da der Aufwand steige – ein verregneter Tag, und es werde finanziell eng, wenn die Stadt für die nächsten Tage Zugangslimiten erliesse. Sein Wunsch wäre es, das Festival für drei bis fünf Jahre fest planen zu können. Das OK verlieh seiner Sorge Ausdruck, dass der Entscheid des Stadtrats in Sachen Leitlinien Konsequenzen für das ganze Kulturleben in Frauenfeld haben könnte.

Die Diskutanten auf der Bühne des KAFF: Wie weiter mit dem Out in the Green Garden? Und anderen Freiluftanlässen in Frauenfeld? Bild: Sascha Erni

Stokholm schien sich wohlzufühlen in der «Höhle der Löwen», wie er es selber scherzhaft ausdrückte. Er betonte mehrfach, dass der gesamte Stadtrat von Frauenfeld hinter dem Out In The Green Garden-Festival stehe, erklärte aber auch, wie der Entscheid zur Setzung der Leitlinien zustande gekommen war: Man habe zuerst Erfahrungen machen müssen, um einen festeren Rahmen setzen zu können. Dabei sei es sowohl um das Bedürfnis und Recht der Anwohner nach Ruhe als auch auch um den Schutz der Natur gegangen. «Auch wir müssen uns an Gesetze halten», sagte Stokholm.

Politik bietet die Hand für Lösungen an

Stokholm gab zu bedenken, dass die besagten Leitlinien nur für den Murg-Auen-Park gelten und die Stadt sich einen Spielraum frei halten wolle, um von Fall zu Fall entscheiden zu können. Er stellte dem OK in Aussicht, dass sich die Stadt mit Manpower beteiligen wollte, um die Auf- und Abbauarbeiten schneller bewältigen zu können.

Dieser Vorschlag kam beim Publikum nicht gut an. Einige Zuschauer betonten, wie wichtig es für die Freiwilligen sei, das Festival gemeinsam aufzubauen. «Aktive Unterstützung durch die Stadt wäre entgegen dem Sinn des Festivals», gab eine Sprecherin zu bedenken. Ein wenig kam auch das Gefühl auf, dass sich die Helfer betüpft fühlten, wenn «Stadtleute» beim Aufbau helfen würden. Andere Stimmen befürchteten, es könnte nun in Frauenfeld eine Art «Beschwerdekultur» entstehen – und so jegliche Jugendkultur-Anlässe unmöglich werden.

David Nägeli (rechts), OK-Mitglied des Out in the green Garden und KAFF-Vereinspräsident, erläutert die Sicht des Organisationskomitees. Bild: Sascha Erni

Anders Stokholm widersprach dem entschieden. Aber die Stimmung im Saal wurde hitziger. Nach eineinhalb Stunden angeregter Diskussion schloss Gubler die Veranstaltung. Mit der Diskussionsrunde im KAFF ist ein erster Schritt getan. Lösungen wurden zwar keine präsentiert. Aber beide Seiten zeigten den klaren Willen, eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Kompromisse brauchen Zeit, und ohne Kompromiss wird es sowohl für Veranstalter als auch die Stadt eng werden, im Murg-Auen-Park.

Die Vorgeschichte:

Warum die Veranstalter das Festival absagten und wie die Politik darauf reagierte

So diskutierte das Netz über das Aus für das Festival

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