27.07.2020

Michael Basler erhält Forschungspreis

Michael Basler erhält Forschungspreis
Bekommt den Thurgauer Forschungspreis Walter Enggist 2020: Der Immunologe Michael Basler. | © zVg

Mit dem Forschungspreis Walter Enggist 2020 wird eine Arbeit ausgezeichnet, die einen neuen Weg zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen aufzeigt. Sie stammt von Michael Basler, der am Biotechnologie-Institut Thurgau forscht.

Zum Forschungspreis Walter Enggist 2020 sei erneut eine Reihe von qualitativ sehr guten Arbeiten eingereicht worden, heisst es in einer Medienmitteilung des Thurgauer Amt für Mittel- und Hochschulen. «Das zeigt, dass im Kanton Thurgau auf beeindruckendem Niveau geforscht wird», wird Sibylle Minder Hochreutener, Vorsitzende der Beurteilungskommission, in der Mitteilung zitiert. Die unabhängige Kommission habe die eingereichten Arbeiten beurteilt und über die Preisvergabe entschieden: Der diesjährige Forschungspreis Walter Enggist geht demnach an Michael Basler, Projektleiter am Biotechnologie-Institut Thurgau in Kreuzlingen.

Baslers Arbeit trägt den Titel «Immunoproteasome Inhibition Selectively Kills Human CD14+ Monocytes and as a Result Dampens IL-23 Secretion» und ist im September 2019 in «The Journal of Immunology» publiziert worden. Basler zeige darin auf, wie bestimmte Zellen, die eine Rolle bei der Auslösung von Autoimmunerkrankungen spielen, gezielt ausgeschaltet werden können. Basler konnte laut Medienmitteilung nachweisen, dass hauptsächlich die Monozyten – eine Art von Immunzellen im Blut – ein entzündungsförderndes Protein ausschütten. Ausserdem erkläre Baslers Forschungsarbeit, warum mit einer Hemmung des Immonoproteasoms – das eigentlich in der Immunabwehr eine wichtige Rolle spielt – die Monozyten gezielt zum Absterben gebracht werden können.

Auch im vergangenen Jahr hatte sich Basler um den Forschungspreis beworben. Damals war er noch seiner Mit-Bewerberin, der Biologin Meret Huber, unterlegen. Nun hat er sich den Preis geholt.

Bessere Behandlung von Autoimmun-Krankheiten möglich

Auf Grund dieser Forschungsergebnisse werde derzeit ein Immonoproteasom-Hemmer in klinischen Studien getestet. Für die Beurteilungskommission sei Baslers Arbeit von hoher Relevanz, weil sie neue Wege in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen aufzeigt, heisst es weiter.

Der Forschungspreis Walter Enggist ist mit 15'000 Franken dotiert und wird durch das Netzwerk Thurgau Wissenschaft vergeben. Das Preisgeld muss für die weitere wissenschaftliche Arbeit verwendet werden.

Die Kunstwissenschaftlerin Ute Christiane Hoefert erhält den Nachwuchsforschungspreis. Bild: zVg

Nachwuchsforschungspreis an Kunstwissenschaftlerin

Die Beurteilungskommission habe, so die Mitteilung weiter, ausserdem eine Nominierung für den Nachwuchsforschungspreis vorgenommen. Dieser wird durch die Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung vergeben. Der mit 3000 Franken dotierte Preis der Stiftung geht an die im Thurgau lebende Kunstwissenschaftlerin Ute Christiane Hoefert für ihre Arbeit «Rollenflexibilität und Demokratisierung in der Kunst: Der Konzeptkünstler, Mail Artist und Networker H. R. Fricker». Bei dieser Arbeit handelt es sich um Hoeferts Dissertation an der Universität Zürich.

Hoefert beschäftigt sich mit dem Frühwerk des 1947 geborenen Appenzeller Konzeptkünstlers Hans Ruedi Fricker. Im Rahmen dieser Arbeit ist auch ein wissenschaftlicher Film über Mail Art entstanden. Mail Art entsteht durch Interaktion in einem kreativen Netzwerk, in welchem Korrespondenz, Gegenstände oder Dokumentationen versendet werden. Nach Ansicht der Beurteilungskommission sei gerade die Kombination der Dissertation mit einem wissenschaftlichen Film ein innovativer Ansatz. Die gut strukturierte Arbeit erschliesse zudem das Werk des Künstlers.

Preisübergabe findet am 21. September 2020 statt

Sowohl der durch das Netzwerk Thurgau Wissenschaft vergebene Forschungspreis Walter Enggist als auch der Nachwuchsforschungspreis der Thurgauischen Stiftung für Wissenschaft und Forschung werden an einer öffentlichen Feier am 21. September 2020, 19 Uhr, an der Kantonsschule Frauenfeld vergeben. Die Preisträgerin und der Preisträger werden bei dieser Gelegenheit ihre Arbeiten vorstellen.

 

Wer war eigentlich Walter Enggist?

Der Mann, nach dem dieser neue Forschungspreis benannt ist, lebte von 1948 bis 2016 und stammte aus Frauenfeld. In seinem Testament bestimmte er, dass sechs Millionen Schweizer Franken je zur Hälfte an das Amt für Archäologie und die Kantonsbibliothek Thurgau vermacht werden sollen. „Ich würdige damit den Beitrag des Kantons Thurgau an der Grundsteinlegung meiner Karriere“, schrieb der ausgebildete Bauingenieur in seinem letzten Willen. Warum genau diese beiden Stellen mit so viel Geld bedacht wurden, begründete der Erblasser nicht. Und was genau damit finanziert werden soll, machte er ebenfalls nicht vor seinem Tod deutlich. Dr. Hansjörg Brem, Leiter des Amtes für Archäologie, sagte bei der ersten Preisverleihung 2019: „Wir müssen die Zweckbestimmung des Erbes selbst festsetzen.“ Die Entscheider gehen davon aus, dass Walter Enggist ein Forschungspreis unter seinem Namen gefallen hätte. Der Preis soll jährlich vergeben werden. Regierungsrätin Monika Knill sagte 2019: „Die künftige Verleihung ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Thurgauer Wissenschaft.“

Kompetenzbündel Thurgau Wissenschaft

Das Kompetenzbündel Thurgau Wissenschaft ist 2012 ins Leben gerufen worden. Das Netzwerk vereinigt inzwischen 18 wissenschaftlich arbeitende Institutionen im Kanton Thurgau. Es macht ihre Arbeit im Thurgau sichtbar, indem es zum Beispiel im monatlichen Newsletter darüber berichtet. Im Jahr 2019 vergab das Kompetenzbündel Thurgau Wissenschaft erstmals den Forschungspreis Walter Enggist. Der Preis wird mit Mitteln finanziert, die das Amt für Archäologie und die Kantonsbibliothek Thurgau – beides Mitglieder des Kompetenzbündels Thurgau Wissenschaft – aus der Erbschaft des im Jahr 2016 verstorbenen Frauenfelders Walter Enggist zur Verfügung stellen.

Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung

Die Thurgauische Stiftung für Wissenschaft und Forschung ist 1999 durch den Regierungsrat gegründet worden. Sie ist Trägerin der drei Thurgauer An-Institute an den Konstanzer Hochschulen. Seit 2019 vergibt sie einen Nachwuchsforschungspreis, mit welchem hervorragende Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses im Kanton Thurgau prämiert werden.

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