Wenig Lust aufs «Heimspiel»

Wenig Lust aufs «Heimspiel»
War beim Heimspiel 2018 zu sehen: Monica Ursina Jägers «Accumulations (observations on mineralized ideas and petrified words)», 2017 Tusche auf Papier, 250 x 660 cm | © Monica Ursina Jäger

Der Kanton Thurgau beteiligt sich finanziell am grenzüberschreitenden Kunstfestival „Heimspiel“. Zu sehen sind die Arbeiten aber hier nicht. Warum eigentlich nicht? (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Laut Selbstbeschreibung ist das Kunstfestival „Heimspiel“ „ein Länder verbindendes Ausstellungsformat, das Einblick in das aktuelle regionale Schaffen im Bereich der bildenden Kunst gibt und die Kunstschaffenden untereinander vernetzt. Teilnehmen können KünstlerInnen aus Vorarlberg und Liechtenstein sowie aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, St. Gallen, Thurgau und Glarus teilnehmen.

Der Kanton Thurgau unterstützt das Projekt finanziell - für die neue Ausgabe Ende des Jahres hat der Regierungsrat 28’200 Franken aus dem Lotteriefonds gewährt. Da wäre es doch schön, wenn man die Ausstellung auch im Thurgau sehen könnte. Kann man aber nicht.

Statt Werkschau, nun Heimspiel. Wäre doch logisch, oder?

Gezeigt werden die ausgewählten Arbeiten zwar in der Kunsthalle Appenzell, dem Kunstraum Dornbirn, dem Kunsthaus Glarus, dem Kunstmuseum St. Gallen sowie der Kunst Halle Sankt Gallen. Im Thurgau fand sich aber offenbar niemand, der dem Festival eine Heimat geben wollte.

Das ist umso erstaunlicher, als nach dem Wegfall der Werkschau Thurgau eigentlich Platz wäre für ein solches Format. Warum macht der Thurgau also nicht mit?

Unsere Anfrage an die beiden Kuratorinnen Nina Keel und Anna Vetsch landet schliesslich bei der Thurgauer Kulturamtsleiterin Martha Monstein. Sie schreibt: „Von meinen KollegInnen und mir her hätten wir sehr gerne das Kunstmuseum Thurgau als Ausstellungsort von Heimspiel dabei gehabt, aber Museumsdirektor Markus Landert war nicht zu erwärmen für eine Partizipation. Die Argumente gegen die Partizipation bei Heimspiel müssen Sie direkt bei ihm erfragen.“

«Wir hätten sehr gerne das Kunstmuseum Thurgau als Ausstellungsort von Heimspiel dabei gehabt, aber Museumsdirektor Markus Landert war nicht zu erwärmen für eine Partizipation.»

Martha Monstein, Leiterin des Kulturamt Thurgau (Bild: Mario Gaccioli/Archiv)

Woran hakt es also beim Kunstmuseum Thurgau? Direktor Markus Landert erklärt seine Absage vor allem mit strukturellen Gründen: Eine Ausweitung des Festivals sei zwar einerseits wünschenswert, weil sie grenzüberschreitende Kontakte fördere und die Kunstszenen verbinde.

Gleichzeitig, so Landert weiter, führe sie aber „zu einer geografischen Zersplitterung, die die Veranstaltung für Besucherinnen und Besucher höchst unhandlich werden lässt.“

„Nicht zielführend“, schreibt der Museumsdirektor

Das Interesse beim Publikum müsse schon sehr gross sein, wenn jemand von Glarus nach Dornbirn und weiter nach St. Gallen und Appenzell fährt, so Landert. Ein Interesse, das er für den Thurgau offenbar nicht vermutet.

„Den geografischen Rahmen noch weiter auszudehnen, schien, als eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Thurgau vor einigen Monaten zur Diskussion stand, nicht zielführend zu sein“, erklärt der Museumsdirektor.  

Auf die Frage, an welches Ziel er dabei denke, erläutert Landert: „Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe von Ausstellungsprojekten, dass möglichst viele Menschen, möglichst viele der ausgestellten Werke sehen. Je grösser eine Ausstellung ist oder je weiter die Austragungsorte auseinanderliegen, desto schwieriger wird es dieses Ziel zu erreichen.“

«Aufgabe von Ausstellungsprojekten ist es, dass möglichst viele Menschen, möglichst viele der ausgestellten Werke sehen. Je grösser eine Ausstellung ist oder je weiter die Austragungsorte auseinanderliegen, desto schwieriger wird es dieses Ziel zu erreichen.»

Markus Landert, Direktor Kunstmuseum Thurgau (Bild: Archiv)

Auch als Ersatz für die abgeschaffte Werkschau Thurgau sieht Landert das Heimspiel nicht zwingend: Es gebe bereits andere Kräfte, „die an Ersatzveranstaltungen für die Werkschau herumdenken.“  

Und so muss vorerst weiterhin jeder, der sich für das regionale zeitgenössische Kunstschaffen in der Ostschweiz, Vorarlberg und Liechtenstein interessiert, nach St. Gallen, Appenzell, Glarus oder Dornbirn reisen. Das „Heimspiel“ findet im Thurgau nur als Auswärtsspiel statt.

Unter anderem diese Arbeiten waren vertreten beim Heimspiel 2018

Video: arttv.ch über das Heimspiel 2018

 

 

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