von Claudia Koch, 06.02.2020

Eigene Werke neu kombiniert

Eigene Werke neu kombiniert
Der Zürcher Künstler Peter Schneebeli im Raum der Farbe, wie er ihn selber nennt. | © Claudia Koch

Der freischaffende Zürcher Künstler Peter Schneebeli präsentiert in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Frauenfeld eine Übersichtsausstellung seiner Werke.

Malerische, zeichnerische und plastische Werke der vergangenen 25 Jahre sind ab dem 9. Februar bis zum 8. März 2020 im Bernerhaus am Bankplatz, in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Frauenfeld zu besichtigen.

Der Zürcher Künstler Peter Schneebeli war, seit der Anfrage von Hans Bissegger im vergangenen Sommer, bei der Zusammenstellung seiner zum Teil lange nicht mehr gesehenen Werke positiv wie negativ überrascht, was ihm aus seinem Fundus begegnete. «Gewisse Sachen finde ich wirklich toll, andere hingegen eher unzulänglich, da sie von einer schwierigen Phase zeugen», sagt Schneebeli.

Mit verschiedenen Phasen kennt er sich aus. Jede Phase sei durch einen Prozess definiert, der ihn reize und den er so lange ausreize, bis dieser erlahmt, so Schneebeli. Als Beispiel nennt er eine Aquarell-Phase, in die er sich so lange hineinbegab, bis ihm fast der Pinsel aus der Hand gefallen ist. Nur durch ein schmerzvolles Loslassen gelingt es ihm jeweils, heraus zu kommen.

Doch birgt dieser Prozess auch eine positive Komponente. Schneebeli sagt dazu: «Es ist wie ein Erwachen, wie ein Geschenk. Plötzlich ist man an einem Ort, an dem man zuvor noch nie war. Diese Erfahrung ist wie ein Schatz».

Dreierlei Flüsse

Die Ausstellung «Dritter Fluss» ist eine Übersichtsausstellung, die Schneebelis Werke aus verschiedenen Zeiten, Prozessen und Lebensabschnitten ausgewählt hat. Als «Ersten Fluss» bezeichnet er den Lebensfluss, das Leben an sich, das ihn zum Beobachten anhielt.

Als «Zweiter Fluss» versteht er den inneren Antrieb zum Bildschaffen, die konkrete Tat. Die aktuelle Ausstellung ist ein Zusammenzug der Werke von 1993 bis 2019 aus den ersten beiden Flüssen.

Eigentlich hätte sich Schneebeli die Ausstellung noch um einen weiteren Raum grösser gewünscht. In der Shedhalle im Eisenwerk hätte er drei grosse Installationen zeigen wollen, doch leider kam diese Zusammenarbeit nicht zustande. Trotzdem schätzt er sich glücklich, die nun etwas redimensionierte Zusammenstellung präsentieren zu dürfen. «In Zürich gibt es keinen Ort mit sechs bespielbaren Räumen», so Schneebeli.

Spannende, unbekannte Momente

Auch wenn der Künstler die Räume gedanklich schon lange eingerichtet hat, kann es passieren, dass er spontan vor Ort die Planung kippt. Denn auch die Beschaffenheit der Räumlichkeiten wie Grösse, Material oder Lichteinfall spielen beim Einrichten eine Rolle.

Auch weil die Werke in dieser Kombination so noch nie ausgestellt waren, ergeben sich für Schneebeli spannende, unbekannte Momente. Wie etwa in Raum 1, den Raum der Farbe, wie Schneebeli ihn nennt, in dem sich horizontale wie vertikale Farbschichtungen den Betrachterinnen und Betrachtern, einem Kaleidoskop ähnlich, erschliessen sollen.

Der Raum der Farbe, wie der Künstler Peter Schneebeli ihn nennt, mit vertikalen und horizontalen Farbschichtungen. Bild: Claudia Koch

 

Bei der Fertigstellung dieses Werks begleitete ihn der Text «Herr Palomar, beim Versuch eine Welle zu lesen» des italienischen Schriftstellers Italo Calvino, weshalb er das Gesamtwerk PALOMAR nennt.

Als Herzstück der Ausstellung bezeichnet Schneebeli den Raum 5, in dem ein Konvolut von 115 Zeichnungen mit dem Namen «Querungen» und das Objekt QUASIBARCA zusammen mit dem Objekt «Skylla und Charybdis» ausgestellt sind.

 

Der Zürcher Künstler Peter Schneebeli gibt dem Raum 5 mit den115 Zeichnungen «Querungen», dem Objekt QUASIBARCA und dem Objekt «Skylla und Charybdis» den letzten Schliff vor der Vernissage. Bild: Claudia Koch

 

Erinnerungen zum Thurgau

In weiteren Räumen sind verschiedene Ausführungen mit Elefanten zu entdecken. Als Junge war er von diesem Tier fasziniert und ein Dokumentarfilm in späteren Jahren stiess den Prozess an, sich künstlerisch intensiv mit dem Elefanten und dessen Sippenverhalten zu beschäftigen.

Mit dem Thurgau verbindet der Zürcher prägende Erinnerungen. Während fünf Jahren verbrachte der Zeichenlehrer zusammen mit Gleichgesinnten jeweils die Sommerferien in Degenau bei Bischofszell. Eine Künstlerkolonie auf Zeit. Aus dieser Epoche sind grossflächige Bilder in Gelb entstanden, bei denen er sich von der aufgehenden Sonne inspirieren liess. Ausgestellt ist auch sein neuestes Werk, ein glücklicher Zufall, wie Schneebeli es nennt: Ein Objekt aus 74 Gartenstuhllehnen.

 

Zwei Werke in Gelb, bei denen sich Peter Schneebeli von der aufgehenden Sonne im Thurgau inspirieren liess. Bild: Claudia Koch

 

 

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