von Michael Lünstroth, 09.05.2019

Mit der Kraft der Musik

Mit der Kraft der Musik
In der Ruhe liegt die Kraft: Der Cellist und Dirigent Nicolas Altstaedt. Er ist 2019 und 2020 künstlerischer Leiter der Ittinger Pfingstkonzerte. | © Veranstalter

Die Ittinger Pfingstkonzerte finden in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Der Cellist und Dirigent Nicolas Altstaedt ist künstlerischer Leiter. Er hat ein spannendes Programm auf die Beine gestellt. Los geht es am 7. Juni.

Zu sagen, es läuft gerade ganz gut für Nicolas Altstaedt wäre eine ziemliche Untertreibung. Der deutsch-französische Cellist und Dirigent ist gerade wahrscheinlich einer der gefragtesten Künstler in der Klassik. Seit vergangenen Herbst ist er Artist in Residence in der Hamburger Elbphilharmonie. In diesem Jahr plant er unter anderem eine Europatournee mit dem SWR Symphonieorchester, Konzerte mit dem Deutschen Symphonieorchester Berlin, dem Orchestre National de France und dem BBC Symphonie Orchestra. Und Festivalleiter des renommierten Lockenhaus Festival ist er seit 2012 ja auch noch. Damals bot ihm Gidon Kremer seine Nachfolge an.

Seine Arbeit wird in den Feuilletons meistens beinahe hymnisch besprochen. Da kann man es durchaus verstehen, dass Heinz Scheidegger, Prokurator der Stiftung Kartause Ittingen, und Jürg Hochuli, verantwortlicher Konzertmanager, sehr stolz sind, dass sie Altstaedt an einem Montagvormittag in der Kartause Ittingen als künstlerischen Leiter der Ittinger Pfingstkonzerte 2019 und 2020 vorstellen können. Der Musiker zeigt sich als guter Gast und gibt die Komplimente an seine Gastgeber zurück: „Ich habe in der Vergangenheit immer verfolgt, was hier in Ittingen bei den Pfingstkonzerten passiert ist, insofern freue ich mich sehr, dass ich jetzt selbst die künstlerische Leitung übernehmen kann“, sagt Altstaedt.

Video: Nicolas Altstaedt im Porträt

Altstaedt kommt mit prominenten Freunden nach Ittingen

Er wird nicht alleine kommen. „Es werden Musiker dabei sein, denen ich sehr verbunden bin. Ein Kern von festen Freunden, die in der Kombination aber noch nie zusammen waren“, erklärt Nicolas Altstaedt. Auch die Namen seiner Freunde haben einen grossen Klang in der Klassikwelt: Der Pianist Alexander Lonquich zum Beispiel, der gerade in München mit einem Konzert Publikum und Kritiker begeisterte. Oder auch Vilde Frang (Violine), Barnabás Kelemen (Violine), Katalin Kokas (Viola), Lawrence Power (Viola), Cristina Barbuti (Klavier), Johannes Fischer (Schlagzeug) und Helena Winkelmann (Violine). Das Festivalprogramm steht unter dem Motto „Genesis“. Auf die Frage, ob er ein gläubiger Mensch sei, antwortet Nicolas Altstaedt: „Ich glaube an die Kraft der Natur und die der Musik. Die Natur ist im Grunde auch Musik.“

Inhaltlich führt das Programm zurück zu Johann Sebastian Bach und dessen familiären Wurzeln, die im ungarischen Raum liegen. Im Zentrum der Pfingstkonzerte 2019 stehen denn auch die sechs Cellosuiten von Bach. Altstaedt selbst wird sie in drei Konzerten aufführen. Aber auch andere Komponisten werden zu hören sein: Antonin Dvorak, Béla Bartok, Franz Schubert, Sándor Veress, Zoltán Kodály, Dmitri Schostakowitsch. Besonders am Herzen liegt Nicolas Altstaedt aber ein anderer: Joseph Haydn. „Er ist der wahrscheinlich unterschätzteste Komponist der Musikgeschichte. Mit ihm beginnt eigentlich ein neues Zeitalter“, sagt der Cellist. Seine Musik schreie nicht in die Welt hinaus, sie habe keinen Missionarseifer. Trotzdem sei Haydn „der fortschrittlichste und vorbildlichste Komponist, den ich kenne“, so Altstaedt. Mit Haydn eröffnet er denn auch die diesjährigen Pfingstkonzerte am 7. Juni.

Spielen auch bei den Ittinger Pfingstkonzerten 2019: Katalin Kokas, Alexander Lonquich und Barnabás Kelemen. Bilder: Veranstalter

Zum 25. Geburtstag schenkt sich das Festival ein Auftragswerk

Seine Liebe zu Haydn verbindet ihn auch mit Helena Winkelmann. Die Geigerin ist nicht nur als Musikerin ihres Quartett der Camerata Variabile Basel dabei, sondern auch als Komponistin. Eigens für die Ittinger Pfingstkonzerte hat sie das Werk „Atlas“ geschrieben. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Konzertreihe, das ein Kompositionsauftrag vergeben wurde. „Damit beschenken wir uns zum 25. Geburtstag gewissermassen selbst“, erklärte Heinz Scheidegger, Procurator der Stiftung Kartause Ittingen dazu. „Ich habe das Cellokonzert Nicolas auf den Leib geschrieben“, sagt Winkelmann während der Medienkonferenz in Ittingen. Die beiden kennen sich schon länger, jetzt freue sie sich, dass er ein Werk von ihr uraufführe. 

Inspiriert dazu habe sie die griechische Mythologie und die Sage um Atlas, Herakles und einen Drachen. Atlas, müde geworden vom Tragen des Himmelgewölbes, hilft darin Herakles den hundertköpfigen Drachen Ladon zu töten. Für Atlas geht die Geschichte trotzdem nicht gut aus: Durch eine List gelingt es Herakles schliesslich dem Titanen Atlas das Himmelsgewölbe wieder auf die Schultern zu legen. „Das Werk hat so viele verschiedene Schichten. Es passt perfekt zu Nicolas“, findet Helena Winkelmann. Die Uraufführung ist am 7. Juni zu hören - zum Auftakt der der Ittinger Pfingstkonzerte 2019. 

Mehr: Ein ausführliches Porträt über Nicolas Altstaedt können Sie in der nächsten Woche bei thurgaukultur.ch lesen!

Ittinger Pfingstkonzerte: Das Programm im Überblick

Freitag, 7. Juni, 19 Uhr, Remise

Joseph Haydn: Streichquartett C-Dur Hob. III: 39 (Vogel-Quartett)

Helena Winkelmann: „Atlas“ Cellokonzert (Uraufführung)

Helena Winkelmann: Papa Haydn’s Parrot (Hommage á Joseph Haydn für Streichquartett; 2016)

Joseph Haydn: Cellokonzert C-Dur Hob. VIIb: 1

 

Die Musiker:

Quartett der Camerata Variabile Basel

Lockenhaus Festival Strings

Nicolas Altstaedt, Violoncello und Leitung

 

Samstag, 8. Juni, 12.15 Uhr, Remise

Johann Sebastian Bach: Suiten für Violoncello solo

Nr. 1 G-Dur BWV 1007

Nr. 2 d-Moll BWV 1008

Nr. 3 C-Dur BWV 1009

 

Der Musiker:

Nicolas Altstaedt, Violoncello

 

Samstag, 8. Juni, 15.30 Uhr, Kornschütte

Podiumsgespräch über Fragen des Komponierens in der heutigen Zeit mit der Komponistin Helena Winkelmann und dem künstlerischen Leiter Nicolas Altstaedt. Moderation: Andreas Müller-Crepon, Redaktor und Moderator bei Radio SRF 2 Kultur

 

Samstag, 8.Juni, 19 Uhr, Remise

Franz Schubert: Divertissement á la hongroise g-Moll für Klavier zu vier Händen D 818

Sándor Veress: Trio für Streicher

Béla Bartók: Klavierquintett C-Dur op.3

 

Die Musiker:

Alexander Lonquich, Klavier

Christina Barbuti, Klavier

Vilde Frang, Violine

Barnabás Kelemen, Violine

Lawrence Power, Viola

Katalin Kokas, Viola

Nicolas Altstaedt, Violoncello

 

Sonntag, 9. Juni, 12.15 Uhr, Remise

Zoltán Kodály: Duo für Violine und Violoncello op.7

Antonin Dvorak: Klaviertrio f-Moll op. 65

 

Die Musiker

Barnabás Kelemen, Violine

Nicolas Altstaedt, Violoncello

Vilde Frang, Violine

Alexander Lonquich, Klavier

 

Sonntag, 9.Juni, 17 Uhr, Remise

Franz Schubert: Fantasie C-Dur für Violine und Klavier D 934

Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 15 A-Dur op. 141

 

Die Musiker

Vilde Frang, Violine

Alexander Lonquich, Klavier

Nicolas Altstaedt, Violoncello

Johannes Fischer, Schlagzeug

Domenico Melchiorre, Schlagzeug

 

Sonntag, 9. Juni, 21 Uhr, Klosterkirche

Johann Sebastian Bach: Suiten für Violoncello solo

Nr. 4 Es-Dur BWV 1010

Nr. 5 c-Moll BWV 1011

 

Der Musiker:

Nicolas Altstaedt, Violoncello

 

Montag, 10. Juni, 11.30 Uhr, Remise

Johann Sebastian Bach: Suite für Violoncello solo: Nr. 6 D-Dur BWV 1012

John Tavener: The Protecting Veil

 

Tickets für alle Konzerte gibt es auf der Festival-Internetseite: www.kartause.ch/pfingstkonzerte 

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