von Inka Grabowsky, 23.01.2023

Was man 2023 in der Kartause Ittingen erleben kann

Was man 2023 in der Kartause Ittingen erleben kann
Kartause von oben. Luftbild von Raphael Amhof, zur Verfügung gestellt von der Kartause | © Raphael Amhof/Kartause Ittingen

Zeitgenössische Kunst, historische Ausstellungen, spirituelle Seminare und die traditionellen Pfingstkonzerte: Die Kartause Ittingen hat ihr Programm für 2023 vorgestellt. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

«Die bescheidenen Thurgauer sehen gar nicht, was für ein wahnsinniges Juwel sie mit der Kartause haben», sagt Markus Landert, der Direktor des Kunstmuseums und des Ittinger Museums mit einem Augenzwinkern. Das Schmuckstück muss allerdings etwas aufpoliert werden.

«Das Kunstmuseum ist vierzigjährig, die Gebäude müssen saniert werden.» Allein die Beleuchtung verschlinge unzeitgemäss viel Energie. Ein Wettbewerb für die Sanierung und Optimierung sei erfolgreich beendet, jetzt sei man mit den siegreichen Architekten in der Detailplanung. Im kommenden Jahr sollte der Kanton die Pläne in der Budgetdebatte diskutieren. 2026 könnten die Arbeiten beginnen.

Ende einer Ära: Direktor Landert geht in Pension

«In den vergangenen 30 Jahren hat sich der Kanton Thurgau kulturell sehr positiv entwickelt», gibt Landert bereits jetzt als Argumentationshilfe, «auch durch die Angebote der Museen. Wenn man das will, dann kostet das.»

Markus Landert ist bei der Debatte nicht mehr in der Verantwortung. Im Oktober wird er nach mehr als 30 Jahren im Amt pensioniert. Was das betrifft, sei er tiefenentspannt, meint er.  Tatsächlich hat noch einiges vor, bevor er sich zur Ruhe setzt.

 

Thomas Bachofner, Heinz Scheidegger und Markus Landert arbeiten gut zusammen. Bild: Inka Grabowsky

Klosteraufhebung und Gärten im Ittinger Museum

Im Ittinger Museum entsteht eine neue Ausstellung zum letzten Prior, der bis zur Aufhebung 1848 im Kloster gewirkt hat. Ausserdem beteiligt sich das Museum an der Gemeinschaftsausstellung «Grüne Fürsten am Bodensee»

«Wir zeigen zum ersten Mal die Pläne der Gartenanlage, ausserdem haben wir historisches Bildmaterial – von Gemälden über Zeichnungen bis hin zur Ofenkachel – über die früheren Gärten der Kartäuser.»

Zeitgenossen, regionale Protagonisten und Aussenseiter im Kunstmuseum

Im Kunstmuseum machen Entwurfsanlagen von Hannes Brunner, der im vergangenen Jahr einen Förderbeitrag vom Kanton erhielt, den Anfang eine Reihe von Ausstellungen von zeitgenössischen Künstlern.

Markus Landert verspricht «grosse, schöne und verrückte Installationen» - zu sehen vom 20. Januar bis zum 18. Juni im Keller. Abgelöst wird die Schau ab 2. Juli durch die grossformatigen Gemälde der Arbonerin Rachel Lumsden.

 

Die Sanierung des Dachs der ehemaligen Küferei im Herbst 2022 war die sechste von zwölf Etappen der Sanierung der Kartause Ittingen. Bild: Kartause Ittingen

Adolf Dietrich - mal wieder

Ab dem 7. Mai (und bis zum 17. September) gibt es die geometrische Kunst von Peter Somm, und parallel dazu «Kostbarkeiten von Adolf Dietrich». «Natürlich darf man fragen: warum schon wieder?», sagt der Museumsdirektor. «Aber wir haben Ende 2022 von der Adolf-Dietrich-Stiftung 17 Zeichnungen und Ölbilder als Schenkung bekommen, die unsere Sammlung ergänzen. Es wäre eine vergebene Chance, das nicht zu zeigen.»

Fast 30 Jahre nach dem Tod von Hans Krüsi will das Kunstmuseum belegen, dass die Werke nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Am 1. Oktober beginnt die Ausstellung, die sich aus dem Nachlass des Künstlers speist. Das Kunstmuseum war sein Haupterbe.

Stiftung bleibt optimistisch

Die Kartause zu erhalten und zu beleben, ist Aufgabe der Stiftung, die Besitzerin des Areals ist und deshalb Seminar-räume vermietet und Gastwirtschaft, ein Wohnheim, Werkstätten und ein Gut betreibt. Der Geschäftsgang sei herausfordernd, so der Prokurator Heinz Scheidegger. «Die Finanzen stehen aber besser da als befürchtet.»

Wie alle Gastronomie-Betriebe müsse man mit erhöhten Energiekosten und Arbeitskräftemangel fertig werden. «Die Buchungszahlen sind gut.» In Sachen «Erhalt» sei die sechste von wohl zwölf Etappen der Dachsanierung geschafft. Die alte Sägerei und eine Stützmauer des Prioratsgartens werden in diesem Jahr noch in Stand gesetzt.

 

Nicolas Altstaedt ist zum zweiten Mal nach 2019 künstlerischer Leiter der Pfingstkonzerte. Bild: Marco Borggreve

Den Ittinger Wald neu entdecken

In Sachen «Belebung» will die Stiftung neben den traditionellen Pfingstkonzerten, die dieses Jahr zum 27. Mal durchgeführt werden (Nicolas Altstaedt übernimmt die künstlerische Leitung), einen besonderen Akzent auf den Ittinger Wald setzen, um Besucher anzulocken. «Seit 25 Jahren gibt es das Reservat, und nun beginnt man die Wirkungen des Schutzes zu sehen.»

Aufgrund einer geologischen Besonderheit seien hier bei einem einstündigen Spaziergang unterschiedlichste Lebensräume zu sehen. Eine Broschüre und elf mit QR-Codes versehene Posten im Gelände sollen darauf aufmerksam machen.

Spiritualität «hands-on» im Tecum

Unter das Motto «Vom Leben und Überleben in ver-rückten Zeiten», hat das tecum sein Jahresprogramm gestellt. Das Zentrum für Spiritualität, Bildung und Gemeindebau der evangelischen Landeskirche will Menschen daran erinnern, was sie trägt, wenn sie den Eindruck hätten, der Boden unter ihren Füssen würde wackeln.

«Die Kartäuser hatten ihren Anker im Kreuz», sagt Pfarrer Thomas Bachofner. «Dieser Ort strahlt eine Tradition aus, an die wir anknüpfen können.»

Das Angebot trifft offenkundig einen Nerv. Die «Auszeiten im Kloster» mit Therapieangeboten und geistlichem Begleitgespräch sind gefragt. Ein neues Seminar zum Thema «Handauflegen in der christlichen Tradition» im Frühjahr ist bereits ausgebucht.

Zusammen sind sie stark

Die Kartause ist mehr als nur ein Schauplatz von diversen Aktivitäten. «Man betritt hier eine andere Sphäre», so tecum-Leiter Bachofner. «Das bleibt nicht ohne Wirkung.»

Das Miteinander von Stiftung, Museen und tecum mache das Besondere aus, ergänzt Markus Landert: «Es ist uns klar, dass der Ort uns gemeinsam trägt.» 

 

Der Ittinger Wald kann in diesem Jahr neu entdeckt werden. Bild: Kartause Ittingen

 

Mehr zum Programm 2023

 

Ausgewählte Veranstaltungen der Stiftung Kartause Ittingen

 

Sonntag, 22. Januar 2023, 11.30 Uhr
Ittinger Sonntagskonzert mit dem Carmina Quartett und Lionel Martin, Cello

 

Sonntag, 5. März 2023, 11.30 Uhr
Ittinger Sonntagskonzert mit Lucienne Renaudin Vary, Trompete und Félicien Brut, Akkordeon

 

Sonntag, 16. April 2023, 11.30 Uhr
Ittinger Sonntagskonzert mit Christoph Prégardien, Tenor, Julian Prégardien, Tenor und
Michael Gees, Klavier

 

26. bis 29. Mai 2023
Ittinger Pfingstkonzerte – Internationales Kammermusikfestival
Künstlerischer Leiter Nicolas Altstaedt
7 Konzerte über die Pfingsttage in einmaliger Atmosphäre


Donnerstag, 6. und Freitag, 7. Juli 2023, je 17.30 Uhr
Ittinger Garten-Tavolata mit Gartenrundgang, Apéro und Nachtessen am langen Tisch unter der Kornschütte.
Mehr Informationen: www.kartause.ch/de/ittinger-garten-tavolata 

 

Das Programm der Museen findet sich im Detail hier.

 

Das Programm des Tecums im Überblick.

 

 

 

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«Das Ding»

Eine Serie in Kooperation mit muse.tg

#lieblingsstücke

quer durch den Thurgau

Jungsegler - Nachwuchsförderung für Kleinkunst

Bewerbungsschluss: 28. Februar 2023

Adolf-Dietrich-Preis 2023

Bewerbungsschluss: 30. März 2023

Dazugehörige Veranstaltungen

Kunst

Hannes Brunner – Entwurfsanlagen

Warth, Kunstmuseum Thurgau

Führung

Führung im Kunstmuseum

Wissen

Führung im Kunstmuseum

Warth, Kunstmuseum Thurgau

Musik

Ittinger Sonntagskonzerte 2022/23

Warth, Kartause Ittingen

Musik

Ittinger Pfingstkonzerte 2023

Warth, Kartause Ittingen

Kulturplatz-Einträge

Kulturorte

Ittinger Museum

8532 Warth

Kulturorte

Kunstmuseum Thurgau

8532 Warth

Festivals, Kulturorte, Veranstaltende

Stiftung Kartause Ittingen

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