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18.09.2014

Ittingen: Zerbrechende Gartenidylle

Ittingen: Zerbrechende Gartenidylle
Kuratorin Stefanie Hoch erklärt die Hintergründe zur Gartenausstellung in der Kartause Ittingen. | © art-tv.ch

Umringt von Natur und Gärten nimmt das Kunstmuseum der Kartause Ittingen den Garten unter die Lupe. Vom Paradiesischen bis zum Morbiden. Im Video von art-tv.ch gibt Kuratorin Stefanie Hoch Auskunft zur Entstehung und Entwicklung der Ausstellung.

Gärten sind Sehnsuchtsorte. Lange Zeit verkörperte der Garten Eden die Paradiesvorstellung schlechthin. Heute werden auf bodenständigere Weise in umgrenzten Territorien individuelle Paradieswelten verwirklicht: Nicht mehr vorrangig als Anbaufläche für Nahrungsmittel, sondern vielmehr als Rückzugsort vom Alltag und als Feld gestalterischer Selbstverwirklichung. Der Garten war und ist ein symbolisch aufgeladener Möglichkeits- und Projektionsraum.

Die Ausstellung „Gartenträume – Traumgärten“ nimmt die Klostergärten Ittingens zum Ausgangspunkt einer spielerischen Recherche über historische und zeitgenössische Gärten in der Kunst. Der Klostergarten galt als geschütztes Stück vom Paradies inmitten der Wirren der Zeit. Das Wort „Garten“ stammt vom indogermanischen „gher“ oder „ghortos“ ab, was die Weiden- oder Haselnussgerten bezeichnet, mit denen Umfriedungen geflochten wurden. So sind Gärten wesentlich durch die Abgrenzung gegen ein fremdes Aussen definiert. Innerhalb dieser Grenzen entstehen Freiräume, die der Kunst Motive und Experimentierfelder bieten. Während der Mensch in seinen Gärten die Natur domestiziert hat, funktioniert der Garten in der Kunst als Spiegel individueller und kollektiver Mythen, Ahnungen und Wunschträume.


„Gartenträume – Traumgärten“ entführt in einen grünen Kosmos künstlerischer Gartendarstellungen aus unterschiedlichen Epochen. Während Adolf Dietrichs Darstellungen seines umzäunten Nachbarsgärtchens für die Faszination an der geordneten und gestalteten Natur steht, zerbricht in der Gegenwartskunst das Idyll: Ins Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung rückt „das Paradies“ mehr und mehr als zerstörtes und ausgrenzendes Territorium. Der Garten Eden wird zu einem verwunschenen Ort, das Paradies zur Paranoia und der friedliche Hort zur Utopie. Im Grenzbereich zwischen Wildnis und menschlichem Gestaltungswillen sind Gärten auch Orte der Künste selbst: Inspirationsquellen, Versuchsanordnungen und Ateliers ohne Grenzen, unter freiem Himmel.


Die Ausstellung „Gartenträume – Traumgärten“ in den ehemaligen Weinkellern der Kartause Ittingen entwirft ausgehend von Höhenpunkten der Sammlung ein blühendes Labyrinth, das vom biblischen Eden über den mittelalterlichen hortus conclusus bis zu den Visionen der Aussenseiterkunst reicht. Zahlreiche Leihgaben von der Miniaturmalerei bis zur raumgreifenden Installation erzählen Geschichte und Geschichten. Eine für die Ausstellung entstandene Forschungsarbeit des Künstlerduos steffenschoeni wächst auch über die Museumsmauern hinaus und begrünt den Aussenraum der Kartause Ittingen. (Text: Kunstmuseum Thurgau)

www.kunstmuseum.ch

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