von Brigitta Hochuli, 26.03.2014
Peter Stamm zum Hölderin-Preis

Den mit 20‘000 Euro dotierten Friedrich-Hölderlin-Preis der deutschen Stadt Bad Homburg erhält dieses Jahr der Thurgauer Autor Peter Stamm. Gemäss Mitteilung auf der Webseite von Bad Homburg begründet die Jury ihre Entscheidung unter anderem mit Stamms genauem Blick, mit dem er das Leben seiner Personen durchleuchte, und einer Sprache, die „auf nüchterne Weise empathisch bleibt“.
Herr Stamm, Sie haben schon viele Preise gewonnen, welchen Wert hat für sie der Hölderlin-Preis?
Der Preis ist sehr angesehen und wenn ich mir die Liste* der bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger anschaue, ehrt es mich sehr, dass ich bald zu dieser Liste gehöre.
Ist der Dichter Friedrich Hölderlin für Ihr Schaffen von Bedeutung?
Nein. Ich habe nicht sehr viel von Hölderlin gelesen und einen Einfluss auf mein Schreiben hatte er nicht. Aber ich bewundere das, was ich von ihm kenne.
Wir gehen davon aus, dass Sie für die Preisverleihung voraussichtlich an Hölderlins Todestag am 7. Juni eine Dank-Rede vorbereiten - was werden Sie sagen?
Das weiss ich noch nicht. Ich habe ja noch fast drei Monate Zeit, mir das zu überlegen.
Mit Peter Stamm zeichne die Jury einen der renommiertesten und meist gelesenen deutschsprachigen Autoren der Gegenwart aus, schreibt die Stadt Bad Homburg. Stamm habe von 1991 an zunächst Hörspiele, Texte für den „Nebelspalter“ und Theaterstücke veröffentlicht, bevor mit ›Agnes‹ im Jahr 1998 sein erster Roman erschienen sei: „Dieses Werk machte Stamm sofort bei einem großen Publikum bekannt.“ Sein letztes Buch „Nacht ist der Tag“ erschien 2013 und wurde kontrovers aufgenommen. (ho)
***
*Die bisherigen Preisträger
• 1983: Hermann Burger, Förderpreis: Peter Maiwald
• 1984: Sarah Kirsch, Förderpreis: Marcel Konrad
• 1985: Ulla Hahn, Förderpreis: Dante Andrea Franzetti
• 1986: Elisabeth Borchers, Förderpreis: Klaus Hensel
• 1987: Peter Härtling, Förderpreis: Uwe Kolbe
• 1988: Karl Krolow, Förderpreis: Werner Söllner
• 1989: Wolf Biermann, Förderpreis: Sabine Techel
• 1990: Rolf Haufs, Förderpreis: Jan Koneffke
• 1991: Günter Kunert, Förderpreis: Lioba Happel
• 1992: Hilde Domin, Förderpreis: Barbara Köhler
• 1993: Friederike Mayröcker, Förderpreis: Zehra Cirak
• 1994: Ludwig Harig, Förderpreis: Norbert Gstrein
• 1995: Ernst Jandl, Förderpreis: Sabine Küchler
• 1996: Martin Walser, Förderpreis: Raoul Schrott
• 1997: Doris Runge, Förderpreis: Walle Sayer
• 1998: Christoph Ransmayr, Förderpreis: Katrin Askan
• 1999: Reiner Kunze, Förderpreis: Karl-Heinz Ott
• 2000: Marcel Reich-Ranicki, Förderpreis: Jörg Bernig
• 2001: Dieter Wellershoff, Förderpreis: Ulrike Draesner
• 2002: Robert Menasse, Förderpreis: Julia Schoch
• 2003: Monika Maron, Förderpreis: Juli Zeh
• 2004: Johannes Kühn, Förderpreis: Gregor Sander
• 2005: Durs Grünbein, Förderpreis: Arno Geiger
• 2006: Rüdiger Safranski, Förderpreis: Beate Rothmaier
• 2007: Urs Widmer, Förderpreis: Nadja Einzmann
• 2008: Ror Wolf, Förderpreis: Hendrik Jackson
• 2009: Judith Hermann, Förderpreis: Lena Gorelik
• 2010: Georg Kreisler, Förderpreis: Eva Baronsky
• 2011: Arno Geiger, Förderpreis: Daniela Seel
• 2012: Klaus Merz, Förderpreis: Judith Schalansky
• 2013: Ralf Rothmann, Förderpreis: Arno Camenisch
• 2014: Peter Stamm, Förderpreis: Nellja Veremej

Weitere Beiträge von Brigitta Hochuli
- Kultur für Familien: Was im Thurgau noch fehlt (06.09.2018)
- Rätsel gelöst: So alt ist der Kunstraum Kreuzlingen (29.06.2018)
- Musikschule Kreuzlingen sucht Verbündete (14.06.2018)
- Kult-X in WM-Stimmung: Das etwas andere Public Viewing (29.05.2018)
- Unterm Sternenhimmel (13.05.2018)
Kommt vor in diesen Ressorts
- Literatur
Kommt vor in diesen Interessen
- Interview
Ähnliche Beiträge
«Vielleicht ist das jetzt mein letztes Buch.»
Nächstes Jahr wird die grosse Autorin Zsuzsanna Gahse 80, jetzt ist ein neues Buch von ihr erschienen. Ein Gespräch über Sprache, Theater, Politik und das Schreiben im Alter. mehr
«KI kann nicht, was wir können!»
Aus der ganzen Schweiz kommen am 1. November literarische Übersetzer:innen für ein Symposium nach Frauenfeld. Dann wird es auch um die Zukunft der Branche gehen. Die Übersetzerin Barbara Sauser gibt Einblicke. mehr
„Wir müssen wieder lernen, Widerspruch zuzulassen.“
Demokratie und Gesellschaft stehen unter Hochspannung. Wer könnte das besser analysieren als ein Krimi-Autor? Ein Gespräch mit Matthias Moor über Spannung in Literatur und Leben. mehr

