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28.10.2010

Ende einer grenzüberschreitenden Idee

Ende einer grenzüberschreitenden Idee
| © Christian Brühwiler

Ziel des 1989 vom damaligen Südwestfunk sowie den Städten Friedrichshafen und Konstanz ins Leben gerufenen Bodenseefestivals ist die grenzüberschreitende Förderung von Kunst und Kultur in der Bodensee-Region. Jeweils im Frühjahr werden mehrere Dutzend kulturelle Veranstaltungen, insbesondere Konzerte, aber auch Theateraufführungen und Lesungen organisiert. Auf Ende 2006 kündigte der Hauptinitiator des Festivals, der heutige Südwestrundfunk SWR, aus finanziellen Gründen seine Mitgliedschaft. Nach Bekanntgabe dieses Rückzugs postulierten der Kanton Thurgau, die Stadt und der Kanton St. Gallen sowie die Stadt Konstanz eine grundsätzliche Überprüfung und Neuausrichtung des Bodenseefestivals. Kritisiert wurde von Schweizer Seite, dass die Veranstaltungen nicht als eigentliches Festival wahrgenommen würden, dass das Angebot unübersichtlich sei, dass sehr viele Veranstaltungen eher zufällig mit veranstaltet würden und es daher an künstlerisch-qualitativem Profil fehle. Auch die Organisationsstrukturen und die Finanzierung der Veranstaltungen wurden bemängelt.

In der Folge wurde die Erarbeitung eines Gesamtkonzepts gefordert, worin die Kritikpunkte aufgenommen und Lösungsvorschläge zur Diskussion gestellt werden sollten. Die Mehrheit der Gesellschafter lehnte jedoch die gewünschten Reformen ab, ein eigentliches Gesamtkonzept wurde nicht ausgearbeitet. Damit blieb die Situation aus Schweizer Sicht unbefriedigend und bereits 2007 wurde ein Austritt aus der Bodenseefestival GmbH in Betracht gezogen. Auch eine von der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) in Auftrag gegebene Kurzexpertise kam zum Schluss, dass das Bodenseefestival «dringend einer strategischen Neuausrichtung bedarf». In den verantwortlichen Gremien der Bodenseefestival GmbH wurden zwar punktuell einzelne Verbesserungen realisiert, es besteht jedoch eine grundsätzliche Diskrepanz in der Wahrnehmung der Problemfelder zwischen den Gesellschaftern auf der deutschen Seite und denjenigen auf der Schweizer Seite. Die Situation bleibt aus Schweizer Sicht unbefriedigend. Aus diesem Grund haben die Kantone St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden sowie die Stadt St. Gallen in diesem Jahr beschlossen, per Ende 2011 den Austritt aus der Bodenseefestival GmbH zu erklären. Der Thurgauer Regierungsrat hat entschieden, ebenfalls den Austritt des Kantons Thurgau in die Wege zu leiten.

Der Kanton Thurgau hat nebst den anteilmässigen Verwaltungs- und Werbekosten immer auch Defizitbeiträge für die im Kanton stattfindenden Veranstaltungen mitfinanziert. In den letzten Jahren hat der Regierungsrat jeweils pauschal einen Lotteriefondsbeitrag von 30 000 Franken gesprochen. Veranstaltungen, die zukünftig im Rahmen des Bodenseefestivals im Kanton Thurgau stattfinden, können weiterhin mit Beiträgen aus dem Lotteriefonds unterstützt werden, sofern sie den Richtlinien des kantonalen Kulturkonzeptes entsprechen. (id)

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