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24.04.2012

Ein Kreuzlinger im Comic-Fieber

Ein Kreuzlinger im Comic-Fieber
Titelblatt des Comicmagazins „Ausgezeichnet!“, Zeichner Beni Merk und eine von ihm gezeichnete Leseprobe (v.l.). | © pd

«Ausgezeichnet!» nennt sich das neue, 80-seitige Comic-Magazin, mit dem der Thurgauer Beni Merk zusammen mit dem Basler Boris Zatko durchstarten will.

Aufgewachsen ist der 37jährige Beni Merk in Kreuzlingen. Seit seiner Ausbildung am Lehrerseminar arbeitet er als Mittelstufenlehrer, zuerst in Frauenfeld, heute im zürcherischen Volketswil. Vor ein paar Jahren hat er den Gestalterischen Vorkurs in Luzern absolviert mit dem Ziel, Animation zu studieren. „Die Mappe wurde akzeptiert, den Studienplatz für den Fachbereich habe ich gehabt – nur hat das Alles nicht so gut zusammengepasst mit meiner damals neuen Rolle als Familienvater“, sagt er. Heute lebt er mit seiner Familie in Winterthur und arbeitet in einem 65-Prozent-Pensum als Primarlehrer. „Da bleiben neben der Kinderbertreuung ab und zu noch ein paar Stunden fürs Zeichnen!“

Schon als Kind von Comics fasziniert

Comics haben Beni Merk schon als Kind fasziniert. Der Knabe zeichnete Versionen von Batman oder Thor, liebte Mickey Maus. Die Familie besuchte regelmässig die Kreuzlinger Bibliothek und klein Beni schleppte Yoko Tsuno-, Valerian und Véronique-, Buddy Longway- oder Tim und Struppi-Bände nach Hause. „Ich tauchte in die Bildergeschichten ein, lange bevor ich inhaltlich alles verstand.
Später las ich Superheldencomics und irgendwann entdeckte ich, dass es an der Hauptstrasse in Kreuzlingen im damaligen ,Musiquarium‘ ein gigantisches Comicreich gab, in dem sich mir neue Welten auftaten.“

Taufe in Winterthur

Und nun liegt unter dem Titel „Ausgezeichnet!“ das neue eigene Comic-Magazin vor. Die Taufe findet am Samstag in Winterthur statt. Der Startschuss zum Projekt war die Ausschreibung zum deutschen Comic-Clash, einem Wettkampf der Comicmagazine zur Ermittlung des besten Comic-Heftes. Die teilnehmenden Comic-Crews bekamen rund acht Monate Zeit, eine Ausgabe ihres Magazins zum Thema “Der Sinn des Lebens“ zu produzieren.

Beni Merk fing Feuer und fragte im Spätsommer 2011 ein paar Zeichner an, ob sie Lust hätten, zusammen mit ihm ein Heft auf die Beine zu stellen. Boris Zatko, Autor und Zeichner aus Basel („Die Ladenhüter“) war sofort von der Idee angetan. Das klein gestartete Projekt wuchs sich zu einer Auflage von 1500 Stück aus und hat sich längst – auch unabhängig vom Wettbewerbsgedanken – in etwas Eigenes verwandelt.

Merk und Zatko machten sich auf die Suche nach finanzieller Unterstützung. Schnell war klar, dass Inserate in einem solchen Magazin nur stören würden und dass die Unterstützung aus dem Bereich Comic, Kunst und Künstlerbedarf kommen sollte. Also boten die Zeichner den potentiellen Sponsoren an, ihr Inserat fürs Magazin und die Webseite zeichnerisch umzusetzen. Viele waren von der Idee angetan und sagten zu.

Neben Comics Interviews und Porträts

Bei der Auswahl der Beiträge haben sich die Herausgeber ganz auf ihren persönlichen Geschmack verlassen – das Magazin solle keine repräsentative Schau der aktuellen Szene sein, sagt Merk. Man habe die Autoren und Zeichner gezielt ausgesucht. „Der Titel des Magazins ist Programm.“ So präsentiere das Magazin einerseits Comics und andererseits illustrierte Interviews und Porträts. Um die Künstler persönlich zu treffen, flogen Merk und Zatko zum Beispiel nach Berlin. Dort trafen sie Ulf S. Graupner und Sascha Wüstefeld, die im Juni ihre neue Comic-Heftserie „Das Upgrade“ starten oder tranken Kaffee mit Klaus Baumgart, dem Schöpfer von „Lauras Stern“. Zwei der Porträts sind im Printmagazin vertreten, ein Teil soll aber auch auf der Webseite des Projekts veröffentlicht werden. (red.)

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kunst

Kommt vor in diesen Interessen

  • Porträt
  • Comic

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