Die bekannte Wanderratte bekommt in der Produktion „Wer bist du denn“ des Theaters Bilitz einen Freund. Bei der Uraufführung im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden liessen sich Jung und Alt bezaubern.

Inka Grabowsky

Seit vielen Jahren schon lebt die Schauspielerin und Regisseuren Agnes Caduff mit der Figur der „Céline“. In „Danse, Céline - danse“ hat sie Erwachsene mit der Verkörperung der redseligen Ratte berührt. Nun erleben grosse und vor allem kleine Theaterbesucher, wie Céline als junge Wanderratte lernt, Freunde in der Fremde zu finden.

Sie ist auf dem Weg aus Paris in Richtung Wolgograd, um dort bei Verwandten Unterschlupf zu finden, denn ihr Zuhause ist zerstört, die Familie getötet. Auf der Reise begegnet sie einem Bären, der in Rumänien aufgewachsen ist, als Tanzbär misshandelt wurde, ausbrach und nun über das Meer will, um die Freiheit zu finden.

Ratten (Agnes Caduff) stinken, Bären (Simon Gisler) klauen: Vorsichtige Annäherung. (Bild: Inka Grabowsky)

Der Treffpunkt muss in der Schweiz liegen, denn die beiden Tiere reden Schweizerdeutsch, nachdem sie sich zunächst nonverbal angegiftet haben. „Ratten stinken und leben im Müll“, brummt der Bär, und tatsächlich schleppt Céline allerlei wertlosen Plunder mit sich herum. „Bären klauen und haben ständig schlechte Laune“, schimpft die Ratte, und wirklich hatte der Bär gedankenlos eine ihrer Postkarten eingesteckt.

Beste Unterhaltung mit Moral

In der Aufführung dauert es unterhaltsame 45 Minuten, bis die beiden Fremden Verständnis füreinander aufbringen und feststellen, dass jeder auch liebenswerte und ausgesprochen nützliche Eigenschaften hat.

Das Stück hat eine klare Moral: Wenn man sich kennenlernt, baut man Vorurteile ab – zum beiderseitigen Gewinn. Doch am Anfang stand nicht der Wunsch nach pädagogisch wertvollem und politisch korrektem Theater, in dem Kinder Migranten lieben lernen.

Dem Tanzbär gibt die Begegnung mit der Ratte zu denken. (Bilder: zVg)

„Es hat sich so entwickelt“, sagt Cristina Roduner, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters Bilitz. „Und es passt jetzt gut in die Zeit“. „Wer bist du denn“ wurde nicht einfach von einem Autor geschrieben, sondern gemeinsam von Agnes Caduff, dem Regisseur und Theatergründer Roland Lötscher und dem Bären-Darsteller Simon Gisler geschaffen.

Präzision durch Improvisation

Die drei haben mehrere Monate mit den Figuren improvisiert. Die besten Ideen notierte der Krimiautor Daniel Badraun, der als dramaturgischer Mitarbeiter beim Theater Bilitz hospitierte. So entstand nach und nach das Stück, dem man heute keinerlei Improvisation mehr anmerkt. Ganz im Gegenteil: Alles ist sorgfältig choreografiert und durchgestaltet. Die Kostüme (von Natalie Péclard) und das Bühnenbild (von Gabor Nemeth) begeisterten insbesondere die erwachsenen Zuschauer.

Passend zu ihrem Leben auf der Reise tragen die Protagonisten alle nötigen Requisiten mich sich herum. So ist der Koffer des Bären Versteck, Hocker, Boot, Denkmal-Sockel und Wohnwagen mit eigener Räucherkammer. Dieses Konzept erweist sich sicher auch im Alltag des Theaterstücks als nützlich, denn „Wer bist du denn“ wird künftig durch Schulen und Kleintheater touren.

Des Bären genialer Koffer: Er dient als Versteck, Hocker, Boot, Denkmal-Sockel und Wohnwagen mit eigener Räucherkammer.

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Aufführungen: Die nächste öffentliche Aufführung von „Wer bist du denn“ am 29. April im Kreuzlinger Theater an der Grenze (Tickets reservieren).

Weitere Termine und Informationen auf der Homepage des Theaters Bilitz: