Auf „Rectilinear", seinem vierten Album als Leader, spannt der in Konstanz lebende  Schlagzeuger Patrick Manzecchi mit dem New Yorker Piano-Meister Richie Beirach zusammen. Ein durchaus fruchtbares Unterfangen.

Von Niculin Janett

„Rectilinear", der Opener des gleichnamigen Albums, scheint gleich mal seinem eigenen Namen zu widersprechen. Rectilinear, was zu Deutsch so viel wie „geradlinig" bedeutet, geht auf und ab, mal links, mal rechts. Aber sicher nicht geradeaus. Was natürlich genau seinen Reiz ausmacht. Das Spiel mit dem Kontrast zwischen Titel und Inhalt der Komposition des Pianisten Richie Beirach. Den in Leipzig wohnhaften Amerikaner kennt Manzecchi seit dem Jahre 1999. Eine Bekanntschaft, welche klar hörbar ist auf dem vorliegenden Trio-Album. Ergänzt durch den Stuttgarter Bassisten Jens Loh, bewegt sich die Formation nach dem aufgeregten Anfang scheinbar mühelos durch ein buntes, abwechslungsreiches Repertoire an Jazzstandards und Kompositionen von Beirach. Und endet mit „For Mimi", einer von Beirach zelebrierten Solo-Interpretation eines Stückes von Manzecchis Vater, Franco. Das Stück bildet in seiner Ruhe einen weiteren schönen Kontrast zum Opener.

Zwischen Vertrautheit und Überraschung

Dieser Schluss unterstreicht denn auch die Absicht des Leaders am Schlagzeug, die Musik nie zu einer „Drum-Show" verkommen zu lassen. Ganz im Gegenteil. Mit der Auswahl der Stücke bietet Manzecchi vor allem seinem Pianisten viel Platz zur Entfaltung. Selbstverständlich ist dieser nämlich tief mit der Jazz-Tradition seiner Heimat verbunden, im Speziellen hörbar auf den zwei Miles Davis-Klassikern „Nardis" und „All Blues". Mit grossen Bögen zieht Beirach seine Linien über die vertrauten Akkorde. Akkorde, welche immer wieder neue Formen erhalten, ohne ihre ursprüngliche Aussagekraft zu verlieren. Sowieso kommen die Neuinterpretationen dieser Standards, zu denen sich der Song „On Green Dolphin Street" gesellt, mit erfrischenden Arrangements daher und bewegen sich so geradlinig zwischen Vertrautheit und Überraschung hin und her.

Ergänzt durch die drei Beirach-Kompositionen „Trust", „Zal" und das bereits erwähnte „Rectilinear" liegt dem Pianisten eine enorm vertraute improvisatorische Spielwiese zu Füssen. Und diese wird restlos ausgenutzt. Nicht zuletzt auch gerade von Drummer Manzecchi und Bassist Loh. Zusammen weben die beiden ein rhythmisches Netz auf dessen Looseness, nichts desto trotz konsequenten Klarheit sich der Amerikaner getrost verlassen kann. Es scheint kein Zufall zu sein, dass Manzecchis Spiel des öfteren an die filigrane und dennoch resolute Spielweise des Altmeisters Billy Hart erinnert, war dieser doch ein weiterer Weggefährte Beirachs.

"Rectilinear" nimmt einen mit auf eine bewegte Reise. Konsequent verspielt, aber nie beliebig. Geradeaus wird man geführt, um dann aber immer wieder vor einer überraschenden Wendung kurz innezuhalten. So spannt sich ein farbiger Bogen über diese Aufnahme des Patrick Manzecchi-Trios, welchem man gerne und gespannt folgt.

Das Making-of zur CD