von Niculin Janett, 01.08.2015
Yankees and all that Jazz

Grüezi!
Hmm. Da war so einiges los letzte Woche. Where to begin? Ah ja. Yankees-Baseball! Es gilt ja als eine „All-American-Experience“, sich ein MLB-Spiel anschauen zu gehen. Das will man sich also nicht entgehen lassen als kleiner Schweizer. Und so tingle ich mit meinen zwei Jazz-Buddys Noam und Thierry zum Yankee-Stadium in der Bronx. Und was für ein Stadium. Klein ist es nicht.

Yankee-Stadium, Bronx, NYC (Bild: Noam Szyfer)
Dabei fällt mir erstmal auf, dass die Ränge 15 Minuten vor Spielbeginn nur halb gefüllt sind. Später erklärt sich das ganze dann aber schon: Baseball ist tatsächlich nicht eine durchgedrehte Zusammenkunft von tausenden Fans, sondern eher ein gemütliches Abhängen unter Freunden, in der Gesellschaft von Hot Dogs und gelbem Wasser (äxgusi, Light-Beer). Als das Endresultat ziemlich sicher zwei Innings vor Schluss in Stein gemeisselt ist, verlassen die meisten Zuschauer vorzeitig das Stadion.
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Und Himmel nochmal, sooo viel Werbung! Die Essenz der Konsumgesellschaft kommt hier ziemlich deutlich zum Ausdruck! Aber man verstehe mich nicht falsch. Der Sieg der Mannschaft ist (ausser mir) allen sehr wichtig (die Yankees schlagen die Baltimore Oreoles auf extrem unspektakuläre Art und Weise 3 zu 2). Als bekennender NHL-Hockeyfan (go Stars!) bin ich da aber anders gewickelt und das Spiel bleibt mir als eine lustige, aber auch äusserst langweilige Erfahrung in Erinnerung...
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Wenden wir uns jetzt aber anderen Dingen zu. Musik-Dingen.
Die erste Probe mit der (fast kompletten) Band für die Studiosession im September ist „in the books“. Zusammen mit Tenorsaxer Rich Perry, Drummer Rodrigo Recabarren und Bassist Matt Aronoff (im Moment der Ersatz für Lisa Hoppe, bis sie Ende August in NY ankommt) pflüge ich mich durch meine und Lisas Kompositionen. Es ist eine wahre Freude zu hören, wie Rich, seit jeher einer meiner absoluten Lieblingsmusiker, meine Stück mit seinem unfassbar sonoren Ton umgarnt. Seine musikalische Autorität ist nicht ganz von dieser Welt (seine Nettigkeit ebenfalls).
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Die Relaxtheit, in welcher sich 35 Jahre Musizieren mit Thad Jones/Mel Lewis/Vilage Vanguard Orchestra, Maria Schneider und weiss der Teufel mit wem noch alles widerspiegeln, ist beeindruckend und ich komm mir neben diesem Weltklassemusiker gleich etwas klein vor. Aber das macht nichts, denn genau um diese Erfahrung geht's mir ja.
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Sowieso macht es riesigen Spass, mit dieser tollen Band Musik zu machen. Drummer Rodrigo scheint sofort zu erkennen, was ein Stück von ihm perkussiv verlangt, seine Grooves komplimentieren wunderbar die Ideen der Solisten und vereinen sich sofort mit dem Basspiel von Matt zu einem sehr farbigen und kreativen „grid“. To be continued...
Etwas Saxophon-Action an einem Freitag Nachmittag.
Vielleicht hat der Eine oder Andere von euch den Release vom ersten Videoclip von The Sad Pumpkins mitgekriegt. Sonst kann das hier nachgeholt werden:
Denn nun ist bereits das zweite Video in der Pipeline. Ich will ja nicht zu viel verraten, ein klitzekleines Schmankerl möchte ich euch aber trotzdem nicht vorenthalten...
Sad Pumpkins - Newspaper-Break vorm Flatiron
Herzlichen Dank hier gleich noch an Thierry Kuster, den unermüdlichen Kameramann! Und natürlich auch einen schönen Dank an Noam Szyfer, der treu Thurgauer Mitstreiter in Sachen traurige Kürbisse.
Weil von 10 Uhr morgens bis 11 Uhr abends in New York City rumzuwatscheln, das geht in die Beine...
Apropos in die Beine gehen. Ein Klavier in die U-Bahnstation zu schleppen, das ist sicher auch kein schlechter Workout...
Einsamer Pianeur an der Haltestelle West 4 Street.
Und zum Schluss noch dies (merci, Charles Clerc!):
Es ist Hochsommer, das heisst Konzertmässig in New York City Zwischensaison. Viele der lokalen „Szene-Stars“ spielen auf den verschiedensten europäischen Festivals, deshalb ist das momentane Konzertprogramm recht beschaulich. Das ist aber durchaus sehr angenehm, so muss man sich nicht immer zwischen ca. zwanzig spannenden musikalischen Optionen entscheiden...
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Natürlich gibt's hier aber immer was zu sehen. Zum Beispiel das Trio vom Altsaxophonisten Loren Stillman mit Nate Radley an der Gitarre und Gary Versace am Piano.
Ich wünsche ein schönes Wochenende. See you around, mh-kay?
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Ein Jazzer in New YorkNiculin Janett (25) lebt seit seiner Geburt in Sulgen. Der Saxophonist, Sänger und Komponist studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Jazzsaxophon. Seit 2008 ist er in verschiedensten Formationen aktiv. Seine Hauptprojekte sind Janetts Jazzmusik-Baukasten, das Duo The Sad Pumpkins und die Volksmusik-Familienkapelle C’est si B.O.N. Von Juli bis September 2015 ermöglicht ihm der Kanton Thurgau einen Atelieraufenthalt in New York City. Diesen will er nutzen, um seine instrumentalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, Freiraum für das Komponieren zu haben und musikalische Beziehungen zu knüpfen und weiter zu vertiefen. Für thurgaukultur.ch berichtet er regelmässig aus dem Big Apple. (rom) |
***
Bisher erschienen:
Improvisations-Blues - thurgaukultur.ch vom 24.07.2015
Amazing Days - thurgaukultur.ch vom 17.07.2015
Jetlag: Ende vom Gelände - thurgaukultur.ch vom 03.07.2015

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