von Niculin Janett, 21.08.2015
How to find the right Jamsession

Da mein New Yorker Leben nach ein paar sehr lustigen touristischen Tagen mit Jessy und Vivi sich wieder normalisiert hat, laufe ich langsam Gefahr, mich zu wiederholen. Drum jetzt einfach mal ein paar tendenziell unzusammenhängende Dinge, welche mich (mehr oder weniger) beschäftig(t)en in letzter Zeit:
1. Cold Brew Coffee

Blick in Richtung meines Probe-Studios sowie Manhattan. (Bild: Niculin Janett)
Folgender Abschnitt ist vermutlich ein Tritt zwischen die Beine für jeden Kaffee-Aficionado. Da ich ja aber im Moment weit weg bin, macht das nix.Dank diesem „Cold Brew“-Sign in obigem Bild bin ich auf diese Art der Kaffee-Zubereitung gestossen.
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Zitat Wikipedia:
„...The cold-press process requires grinding: Coarse-ground beans are soaked in water for a prolonged period of time, usually 12 hours or more. The water is normally kept at room temperature, but chilled water can also be used. The grounds must be filtered out of the water after they have been steeped using a paper coffee filter, a fine metal sieve, a French press or felt in the case of the Toddy system. The result is a coffee concentrate that is often diluted with water or milk, and can be served hot, over ice, or blended with ice and other ingredients such as chocolate....“
Und so habe ich dann, im Namen der Wissenschaft, diese Brühe in meinem Williamsburger Super-Hipster-Stammlokal probiert...
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...Und schlürfe seither fast nur noch von diesem Gschmeus. Ich hab selten so etwas erfrischendes getrunken, kommt es mir vor. Das mag vielleicht an den ca. 7 Kilo Eiswürfel liegen, die da auch im Becher rumschwimmen, oder an der erstaunlich hohen Koffein-Konzentration. Nichtsdestotrotz schmeckt's tatsächlich auch ziemlich fein, finde ich...
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Grundsätzlich muss ich Noam Szyfers Behauptung, guter Kaffee sei in NYC schwer zu finden (nachzulesen in seinem New York-Blog) sanft widersprechen. Es gibt einige saugute Espresso-Bars. Den Cold Brew lassen wir jetzt aber vielleicht mal aussen vor, das ist ein persönliches Problem von mir.
2. The Bar Next Door
Letzte Woche habe ich die „Bar Next Door“ besucht, ein niedliches Lokal an der MacDougal Street im West Village. Ein klitzekleiner Ort mit kaum Platz für das Jazz-Trio, welches jeweils dort spielt.
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Die Band welche ich mir anhören ging ist diejenige von Drummer Rodrigo Recabarren, der ja bei meiner Studiosession im September mit von der Partie sein wird.
Hier ein Ausschnitt (die Redaktion entschuldigt sich für die miese Kameraführung. Hier stand alles etwas auf dem Kopf):
Die Band BEEKMAN mit Kyle Nasser (Sax), Pablo Menares (Bass), Rodrigo Recabarren (Drums).
Nach dieser Band spielte die in Jazzkreisen doch recht bekannte Jonathan Kreisberg Group mit Herrn Kreisberg an der Gitarre, Glenn Zaleski an den Keys, Orlando LeFleming am Bass und Colin Stranahan am Schlagzeug.
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Und scheinbar ist es in der Jazzstadt New York auch nicht immer anders als in Zürich, denn das Publikum bestand schlussendlich nur aus mir und der Band, welche vorher gespielt hatte...
3. Jamsessions
Als ich vor vier Jahren das erste Mal eine öffentliche New Yorker Jamsession besucht habe, war das für mich ein ziemlich prägendes Erlebnis. Viel Testosteron, wenig wirklich tiefgründige Musik. Jeder muss schneller, höher und härter spielen als der Vorherige.
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Stellt sich heraus, dass ich wohl einfach die falschen Jams frequentiert habe. Denn mittlerweile habe ich rausgefunden, dass es auch anders geht. Es gibt doch die eine oder andere Session, welche sich von den kollektiven Fitness-Workouts im Smoke, Smalls und /oder Fat Cat unterscheiden. Eine davon findet immer donnerstags im Abba Bar & Grill in Williamsburg statt.
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Dort ist es tatsächlich angenehm und nicht angstschweisstreibend, ein Stück mitzuspielen. Das ist doch schon mal ein Fortschritt.
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In meinen Augen kommen die Sessions qualitativ aber nach wie vor nicht an das Niveau eines Jazzbaragge Wednesday-Jams in Zürich heran (was aber nicht heissen muss, dass die Zürcher Session nicht auch immer mal wieder den einen oder anderen Testosteron-Schub erfährt). Ich spreche hier primär vom Musikalischen. Weil die instrumentale Technik der Musiker hier ist meist wirklich beeindruckend.
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In der Abba-Session geht's schlussendlich schon immer noch primär um das eigene Solo, was dann gerne zu einem zwanzigminütigen Jekami über Cherokee führen kann. Der grösste Unterschied zu den oben genannten Sessions ist wohl der, dass man an dieser Session in Williamsburg nach seinem Solo eigentlich nie von Kollege Essig bedrohlich zähnefletschend angestarrt wird.
Okay, das ist wohl etwas übertrieben. But you get my point, right?
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Ein Jazzer in New YorkNiculin Janett (25) lebt seit seiner Geburt in Sulgen. Der Saxophonist, Sänger und Komponist studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Jazzsaxophon. Seit 2008 ist er in verschiedensten Formationen aktiv. Seine Hauptprojekte sind Janetts Jazzmusik-Baukasten, das Duo The Sad Pumpkins und die Volksmusik-Familienkapelle C’est si B.O.N. Von Juli bis September 2015 ermöglicht ihm der Kanton Thurgau einen Atelieraufenthalt in New York City. Diesen will er nutzen, um seine instrumentalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, Freiraum für das Komponieren zu haben und musikalische Beziehungen zu knüpfen und weiter zu vertiefen. Für thurgaukultur.ch berichtet er regelmässig aus dem Big Apple. (rom) |
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Bisher erschienen:
Genuss. Vergnügen? Arbeit! - thurgaukultur.ch vom 11.08.2015
Yankees and all that jazz - thurgaukultur.ch vom 01.08.2015
Improvisations-Blues - thurgaukultur.ch vom 24.07.2015

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Kommt vor in diesen Ressorts
- Musik
- Kolumne
Kommt vor in diesen Interessen
- Blog
- Jazz
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