Seite vorlesen

von Niculin Janett, 09.09.2015

Züge ins Nirgendwo

Züge ins Nirgendwo
Einer der grössten Saxophonisten: Miguel Zenon im Village Vanguard. | © Niculin Janett

Niculin Janett


Nun denn. Im Moment ist grad viel los hier, drum wird dieser Blogeintrag einmal mehr etwas kürzer ausfallen. Macht aber nix, dafür gibt's wohl nach der Studio Session etwas mehr zu erzählen.
*
Es geht nicht mehr lange, und eine intensive Vorbereitungsphase findet ihren krönenden Abschluss im Studio von Michael Perez-Cisneros. Bassistin Lisa Hoppe ist nun ebenfalls in New York angekommen und somit auch die Komponistin zweier Stücke, welche wir aufnehmen werden.
*
Zu alledem aber später mehr.


Der Sommer hier in NYC hat ein paar kleinere Nachteile

1.Es ist heiss und ziemlich feucht. Da hilft nur Schatten und hie und da ein Becher Cold Brew. Was passiert wenn man im Starbucks auf die Frage „what's your name?“ etwas abwesend mit „Äääh...Nick“ antwortet, ist hier sichtbar:

Offensichtlich heisse ich neuerdings „Anic“. 

 

2.Die MTA führt im Sommer die notwendigsten Reparaturarbeiten an den U-Bahnschienen durch. Häufig sieht man dann solche Zettel an den Stationen hängen:

Infoblatt an der East Broadway – Metrostation.

Dies führt zu vielen Umwegen und vorallem zu ziemlich gemütlich fahrenden und immer mal wieder irgendwo im Nirgendwo stehen bleibenden Zügen. Was in der Schweiz zu einem kollektiven Zetermordio der Passagiere geführt hätte, wird hier aber mit stoischer Ruhe und Routine hingenommen.

3. Wie schon mal erwähnt ist die „Star-Dichte“ im Jazzmusiker-Bereich etwas bescheidener im Hochsommer. Zum Glück ist dieser aber mittlerweile mehr oder weniger vorüber. Und so gab's letzte Woche ein paar hübsche Konzerte zu hören...

Für mich einer der grössten Saxophonisten: Miguel Zenon im Village Vanguard.

Ich könnte jetzt Stunden damit verbringen, warum genau Miguel Zenon für mich ein solch unglaublich toller Musiker ist. Es beginnt mit seinem Verve seines Saxophonklangs, geht weiter mit seiner unfassbaren rhythmischen Autorität und endet mit einem betörenden Sinn für schöne Melodien und motivischer Arbeit. Dazswischen gibt's noch eine Menge Dinge, welche aber am besten jeder für sich selber findet, z.B. In diesem Video eines Konzerts im Aargauer Muri:


Ich fühle mich wohl auch wegen seiner tiefen Verwurzelung in der Volksmusik (von Puerto Rico) mit Miguel verbunden. Seine konstante Auseinandersetzung mit seiner musikalischen Herkunft und die liebevolle Fusionierung dieser mit moderner Jazzmusik geht mir aufgrund meiner eigenen musikalischen Wurzeln in der Engadiner Volksmusik sehr nahe.
*
Das Konzert im Vanguard war logischerweise ein ziemlicher Trip und ich freue mich schon darauf, mich gegen Ende des Monats mit ihm zusammenzusetzen und über all diese Dinge zu reden...
*
So. Ich muss jetzt Lisas Stücke üben gehen. Die sind gar nicht mal so einfach...

Catch you later!

 

Ein Jazzer in New York

Niculin Janett (25) lebt seit seiner Geburt in Sulgen. Der Saxophonist, Sänger und Komponist studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Jazzsaxophon. Seit 2008 ist er in verschiedensten Formationen aktiv. Seine Hauptprojekte sind Janetts Jazzmusik-Baukasten, das Duo The Sad Pumpkins und die Volksmusik-Familienkapelle C’est si B.O.N. Von Juli bis September 2015 ermöglicht ihm der Kanton Thurgau einen Atelieraufenthalt in New York City. Diesen will er nutzen, um seine instrumentalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, Freiraum für das Komponieren zu haben und musikalische Beziehungen zu knüpfen und weiter zu vertiefen. Für thurgaukultur.ch berichtet er regelmässig aus dem Big Apple. (rom)

 

***

Bisher erschienen:

Glücksfunde im Park und Filmsets vor der Tür - thurgaukultur.ch vom 31.08.2015
How to find the right Jamsession - thurgaukultur.ch vom 21.08.2015
Genuss. Vergnügen? Arbeit! - thurgaukultur.ch vom 11.08.2015
...

Kommentare werden geladen...

Weitere Beiträge von Niculin Janett

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Musik
  • Kolumne

Kommt vor in diesen Interessen

  • Blog
  • Jazz

Werbung

Literaturwettbewerb «Das zweite Buch» 2026

Die Marianne und Curt Dienemann Stiftung Luzern schreibt zum achten Mal den Dienemann-Literaturpreis für deutschsprachige Autorinnen und Autoren in der Schweiz aus. Eingabefrist: 15. Juni 2026

Ähnliche Beiträge

Musik

Ein Klangraum von isländischer Weite

Mit «Circle» legt die Schweizer Akkordeonistin Lea Gasser ein Werk vor, das intime Klangmalereien und rhythmische Vielschichtigkeit in den Mittelpunkt stellt. mehr

Musik

Ein melancholischer Geschichtenerzähler

Er wollte Goalie werden, wurde zuerst Lehrer und landete als erfolgreicher Liedermacher und Musiker auf den helvetischen Bühnen: Blues Max alias Werner Widmer (74) aus Kreuzlingen. mehr

Musik

Im Auge des Jazz

Abgespeckt, dafür mit einem ausgesucht coolen Programm: Das diesjährige Generations Jazz Festival in Frauenfeld verspricht ein sattes Sound-Erlebnis. Los geht es am 26. September. mehr