Gesprächsreihe: Fragmente | Fragmente – Spolien

Die Stadt wird dichter, der Stadtraum heisser, Energie knapper und die Luft dicker. Die Digitalisierung rückt Orte näher zusammen und entfremdet uns von der physischen Umwelt. In den Städten besteht dringender Handlungsbedarf.
Ausgangspunkt ist der Bestand: Wo der Erhalt nicht möglich ist, gilt es, so viel wie möglich wiederzuverwenden. Jedes Gebäude ist ein Materiallager. In Wänden, Decken und Fassaden steckt graue Energie, die beim Abriss verloren geht. Tragende Wände, Stützen, Fenster oder ganze Strukturen sind Ressourcen mit Wert, nicht Abfall.
Wiederverwenden heisst auch, an die Zukunft der Konstruktion zu denken: Ein Bauwerk soll sich vollständig zerlegen lassen – verschraubt, verzahnt, niemals verklebt. So können Emissionen und Materialverbrauch dort gesenkt werden, wo die grössten Hebel liegen: im Entwurf.
Wiederverwendung ist mehr als eine ökologische Notwendigkeit. Der Begriff der Spolie trägt oft eine politische Bedeutung: Bauteile werden in einen Neubau integriert, um die Macht der Stadt oder des Imperiums zur Schau zu stellen. Doch Wiederverwenden kann auch einzig die Kraft des Bauens selbst zeigen: die Kraft des Bestehenden und einer Erzählung, die sich wie ein Palimpsest fortschreibt.
Wiederverwendung nicht als kreatives Dogma, sondern als Möglichkeit, die eigene architektonische Sprache zu entwickeln: eine Architektur, die Ressourcen schont, Geschichten weitererzählt und dabei suffizient, wirtschaftlich und schön ist. Nicht Verzicht, sondern gestalterische Chance.
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