von Jürg Schoop, 09.02.2015

Ästhetik der Stille

Ästhetik der Stille
Feinnervige Malerei, eigenständiger Weg: Ausstellung in der Venenklinik. | © Jürg Schoop

In der Venenklinik in Kreuzlingen stellt Andrea Josefine Lohrmann der oft lärmigen und auftrumpfenden Gegenwartskunst mit ihrer feinnervigen Malerei ein Reduit der Stille und Einkehr entgegen.

Jürg Schoop

Nach zwei für den Kunstfreund nicht sehr ergiebigen Ausstellungen ist wieder eine Künstlerin zu Gast, der die Malerei nicht nur eine Herzensangelegenheit ist, die zudem auch noch über ein reiches professionelles Arsenal an Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. Der etwas geschwätzige Titel der Ausstellung new art edition verwundert, wird doch dieser Begriff von Dutzenden Künstlern und Verlegern seit langer Zeit beliebig verwendet.

Als neu wird diese Kunst vielleicht von einer Generation empfunden, die keine Wurzeln mehr im 20. Jahrhundert der modernen Kunst besitzt. Andrea Josefine Lohrmanns Malerei hat ihre Stammväter im Informel und der Lyrischen Abstraktion der 60-er- und 70-er-Jahre, wie etwa de Staël, Poliakoff oder der Amerikanerin Helen Frankenthaler. Die Künstlerin setzt auch Schriftfragmente, wie uns das Cy Townbly vorgemacht hat, in ihrer Malerei ein.

Entzug einer rationalen Sichtweise, da dem Auge kein gegenständlicher Halt geboten wird: Werk von Andrea Josefine Lohrmann. (Bild: Jürg Schoop)

Dabei ist festzuhalten, dass Lohrmann, die in der Umgebung von Lindau am Bodensee und im Tessin lebt, mit sehr viel vorhandenem Talent und Arbeitswillen mit ihrer feinnervigen Malerei einen eigenständigen Weg verfolgt. In einem gewissen Sinne neu ist der Versuch, der oft lärmigen und auftrumpfenden Gegenwartskunst ein Reduit der Stille und Einkehr entgegenzusetzen, wie Lohrmann selber sagt, „sollen die Arbeiten den Betrachter berühren, ja auf mystische Weise als eine Ästhetik der Stille, denn sie entzieht sich ganz und gar einer rationalen Sichtweise, da sie dem Auge keinen gegenständlichen Halt bieten.“

Der Anspruch der Künstlerin, dass ein Kunstwerk Einblick in die Gefühlswelt des Künstlers und seine Auseinandersetzung mit dem Leben geben soll, wird als eingelöst empfunden. Aber nicht allein diese Vorgabe ist entscheidend, jeder naive Sonntagsmaler kann das für sich reklamieren, - entscheidend ist, auf welchem künstlerischen Niveau dies expliziert wird. Und wir haben keine Mühe, der Malerin zu vertrauen.

Kunst bleibt – Bise vergeht...

Dass am Freitag anlässlich der Vernissage nur ein gutes halbes Dutzend Besucher der Einführung von Dipl. Psych. Petra Ulmer gelauscht haben, war bestimmt von der mit gefühlten 15 Grad-minus Bise verursacht. Die Kunst bleibt – die Bise vergeht...


***

Weitere Informationen:

Andrea Josefine Lohrmann - „new art edition", Acrylmalerei
Venenklinik Kreuzlingen, bis 26. Juni 2015,
Mo-Do. 8.00-19.00 Uhr, Fr. bis 17.00
www.kunst-design.info / www.venenklinik.ch

s381898274.website-start.de

Kommentare werden geladen...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Kunst

Kommt vor in diesen Interessen

  • Kritik
  • Bildende Kunst

Werbung

«Das Ding»

Eine Serie in Kooperation mit muse.tg

#lieblingsstücke

quer durch den Thurgau

Jungsegler - Nachwuchsförderung für Kleinkunst

Bewerbungsschluss: 28. Februar 2023

Adolf-Dietrich-Preis 2023

Bewerbungsschluss: 30. März 2023

Ähnliche Beiträge

Kunst

Peter Stohler wird Direktor im Kunstmuseum Thurgau

Jetzt ist es amtlich: Der frühere Leiter der Grimmwelt Kassel und des Kunst(Zeug)Haus in Rapperswil-Jona übernimmt ab 1. Oktober 2023 die Leitung der Museen in der Kartause Ittingen. mehr

Kunst

Ein Fest der Malerei

Mit einer gross angelegten Ausstellung befragen das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen und das Kunstmuseum Singen den aktuellen Stand des Mediums in Süddeutschland und in der Deutschschweiz. mehr

Kunst

Fenster zum See

Was wäre der Thurgau ohne See? Die Galerie Kirchgasse widmet dem Thema eine Ausstellung. Fünf Künstler:innen zeigen neue Arbeiten. Es geht um den See, das Sehen und das Sichtbarmachen von Ordnungen. mehr