von Niculin Janett, 02.10.2016

2 Musikergenerationen im Vergleich

2 Musikergenerationen im Vergleich
Thierry Lang Trio mit Thierry Lang am Piano, Posaunist Adrian Mears als Gast, Heiri Känzig am Bass und Andi Pupato an der Perkussion (v.li) | © Thomas Brütsch

Am Samstag, 1. Oktober, begann die zehnte Ausgabe des Jazzfestivals Generations. Unser Spezialist hat Konzerte von Thierry Lang und Stephan Plecher besucht und kann von zwei ganz unterschiedlichen Erlebnissen berichten.

Niculin Janett

Nun denn. Es gibt Bands. Und es gibt Bands. Demonstriert wurde dies am Grand Opening, dem Eröffnungsabend des Festivasl Generations 16, der zehnten (und damit Jubiläums-) Ausgabe des Frauenfelder Jazzfests.

Als Auftakt in der Aula der Kantonsschule spielte das Trio des welschen Pianisten Thierry Lang mit den Veteranen Heiri Känzig am Bass und Andi Pupato an der Perkussion. Die Band gab vorwiegend Kompositionen von Leader Lang zum Besten. Schöne Stücke. Zu schön? Ja, es lässt sich immer streiten über Ästhetik und Stil von Bands und Musikern. Es kann denn auch gut sein, dass ich mich jetzt vom Rest der Welt (beziehungsweise der Zuhörerschaft im gut gefüllten Konzertsaal) distanziere. Naja. So sei es.

Erfrischender Adrian Mears

Zweifelsohne sind alle Musiker auf der Bühne auf der Höhe ihres Könnens. Die ersten zwei Stücke sind ein Genuss. Schöne Melodien, süffige Harmonien, eingängig und doch stimulierend. Nur wird sich der Klang der Band während des Rests des Konzerts nicht mehr wandeln. Die Stücke bleiben, wie sie sind. Als Einzelnes schön, als Konzertprogramm fehlt die Abwechslung. Erfrischend ist dennoch die beeindruckende, starke musikalische Stimme von Adrian Mears, dessen Posaunenspiel ab dem dritten Stück die Band zum Quartett erweitert. Seine Präsenz, sein Sound und seine Autorität am Instrument sind eine Bereicherung und eine dankbare Ergänzung.

Warum schliesslich, nach so vielen Originals von Thierry Lang, als Zugabe ein Arrangement von „Summertime" gespielt wird, dessen Form um einen Drittel gekürzt wurde und sich aber trotzdem nicht wirklich vom Rest des Repertoires unterscheidet, ist mir nicht ganz klar. Dem Publikum gefällt's aber. Und schliesslich zählt das mindestens genauso wie die Meinung des Berichterstatters.

Plechers Perlen

Es kommt die zweite Band in die Partie. In der Pianobar spielt das Stephan Plecher Trio (noch bis Dienstag Abend dort zu hören) drei Sets. Bestehend aus Plecher am Piano, Benjamin Zalud am Bass und Peter Primus Frosch am Schlagzeug, existiert diese Formation, entstanden an der Hochschule in Wien, seit vier Jahren. Und spielt auch so. Enorm eingespielt und doch frisch von der Leber weg geben die drei jungen Musiker eine Mischung aus Eigenkompositionen und arrangierten Jazzstandards zum Besten.

 


Das Stephan Plecher Trio in der Pianobar. Video: Niculin Janett

 

Plechers Improvisationen perlen nur so von seinen Fingern, die Stücke sind zugänglich und fordern dennoch den Zuhörer heraus. Dies auch, weil die ganze Geschichte filigran und sensibel, nichts desto trotz aber energetisch begleitet wird durch die Rhythmusgruppe. Ein Stück wie Plechers „Tango Theory" sticht heraus, angereichert durch eine Melodica-Einlage und die eher anspruchsvolle Taktart (Anm. d. Red: Man(n) ist ein Jazz-Nerd, wenn  ein Drittel des Stückes damit zugebracht wird, vor sich hin zu zählen um letztlich auf die Taktzahl 11/8 zu kommen).

Es verwundert denn auch nicht, dass der junge Plecher bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden ist, gewann er doch den Freiburger Jazzhaus Piano-Wettbewerb 2014 und, siehe da, den Hauptpreis am Generations 2014.


Stephan Plecher am Piano, Benjamin Zalud am Bass und Peter Primus Frosch am Schlagzeug (v.re). Bild: Thomas Brütsch

 

Das wirklich erfreuliche an dieser Formation ist die pure Spiellust der drei Musiker, der Hunger nach dem „Moment" und die damit verbundene Risikobereitschaft. Eine Qualität, die ich in der Aula der Kantonsschule vergeblich gesucht habe.

Ausblick auf eine schwierige Wahl

Jazzinteressierte Frauenfelder (und auch Auswärtige) sehen sich nun vor die schwierige Wahl gestellt, den Rest der Woche aus pro Abend mindestens vier verschiedenen Konzerten auszuwählen, die (beinahe) allesamt um 21 Uhr beginnen. Gut zu wissen, dass einige der Bands mehrere Einlagen hintereinander spielen und deshalb auch noch zu später Stunde besucht werden können.

Einen Abstecher in die Pianobar kann ich dabei nur wärmstens empfehlen. Wer nach Jazz-Spielfreude sucht, wird dort bedient. Wer eine Vorliebe für Wohlklang und süffige Melodien hat, der findet in Thierry Langs Trio mit verschiedenen Special Guests Montags bis Mittwochs in der Eisenbeiz das passende Abendprogramm.

 

***

Bisher auf thurgaukultur.ch erschienen:

Das Frauenfelder Manhattan

 

www.generations.ch

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