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von Inka Grabowsky, 09.11.2017

Hochkultur in Mehrzweckhalle

Hochkultur in Mehrzweckhalle
Bringen Klassik nach Bürglen (von links): Armin Eugster, Erich Baumann, David Heer und Ueli Berger organisieren das Symphoniekonzert in Bürglen. | © Inka Grabowsky

Bürglen gönnt sich nach 2006 und 2011 wieder ein Symphoniekonzert mit dem Dirigenten David Heer, der im Dorf aufgewachsen ist.

Von Inka Grabowsky 

„Ich bin Bürgler“, sagt der 60-jährige Musiker David Heer, „auch wenn ich inzwischen in Frauenfeld wohne.“ Das erkläre seine Motivation vollkommen. Als vor elf Jahren der damalige Gemeindepräsident Armin Eugster auf ihn zukam und fragte, ob er nicht in der Mehrzweckhalle ein Symphoniekonzert geben könnte, sagt er zu. Heer leitet neben seiner Lehrtätigkeit an der Musikschule Zürcher Unterland als Gastdirigent renommierte Orchester, unter anderem die „Capella Istropolitana“ aus Bratislava. Er kam mit den Musikern vorbei, spielte und stiess auf so grosse Resonanz, dass das Ereignis 2011 wiederholt wurde und auch dieses Jahr am 25. November neu aufgelegt wird.

Eugster als Initiator der bemerkenswerten Reihe wollte etwas für die Kultur tun: „Meine Mutter hat immer gesagt, Bürglen sei ein Bauerndorf. Aber jetzt gibt es eine Symphonie nicht nur im KKL oder in der Tonhalle, sondern auch bei uns in der Mehrzweckhalle.“ Sein Nachfolger als Gemeindepräsident, Erich Baumann, der mit ihm und dem pensionierten Lehrer Ueli Berger das diesjährigen Organisationskomitee bildet, findet noch mehr Gründe, weshalb 5000 Franken Steuergeld ins Budget des Events fliessen: „Wir wollen zeigen, dass Bürglen mehr ist als nur ein hübsch gelegener Ort im Mittelland mit hohem Ausländeranteil. Wir bieten unseren Einwohnern ein Konzert-Erlebnis, für das sie nicht weit fahren und einen Hunderter ausgeben müssen. Und gleichzeitig geben wir lokalen Firmen die Gelegenheit, sich als Sponsoren in einem ganz besonderen Umfeld zu präsentieren.“ 

Mozart, Brahms und Beethoven

Über das Programm des Abends musste sich das Organisationskomitee die wenigsten Gedanken machen. Sie folgten der Empfehlung des Profis, der Werke der drei meistgespielten Komponisten der Welt ausgewählt hat. Nach Mozarts Ouvertüre zur „Hochzeit des Figaro“ und dem Adagio aus dem Klarinettenkonzert in A-Dur (KV 622) folgt das Konzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms (Opus 102). Nach der Pause gibt es Beethovens siebte Symphonie. „Sie war ja Napoleon gewidmet – insofern haben wir Thurgauer einen besonderen Bezug dazu“, sagt Ueli Berger. „Ausserdem gilt sie durch den starken Rhythmus als Beethovens zugänglichste Symphonie“, ergänzt der Dirigent. Das Programm werde leicht und eingängig beginnen, dann - auch optisch attraktiv - mit Brahms weitergehen und schliesslich die volle Wucht des Orchesters bei Beethoven spüren lassen. „Das beeindruckt jeden.“ Auch Kontakte zu den Solisten stellte Heer her. Diego Baroni vom Tonhalle Orchester Zürich übernimmt das Klarinettenkonzert. Der Violinist Bartek Niziol (Konzertmeister der Philharmonie Zürich) sowie Cellist Sasha Neustroev (ebenfalls vom Tonhalle Orchester) spielen das Brahmskonzert.

Niedrige Hemmschwelle

Die ehrenamtlich arbeitenden Organisatoren legten besonderen Wert darauf, Sponsoren zu gewinnen. „Wir brauchen rund 35.000 Franken, unter anderem, weil wir natürlich dem Dirigenten und den Musikern eine Gage zahlen und für ihre Reisespesen aufkommen“, erklärt OK-Präsident Eugster. „Gleichzeitig wollten wir die Eintrittskarten aber für günstige 30 Franken anbieten, damit jeder kommen kann. Das geht nur über Sponsoren.“ Die lokale Verwurzelung des Dirigenten half durchaus bei der Suche: „Mit dem David Heer bin ich in die Schule gegangen“, habe er von einem der Geldgeber gehört, erzählt Ueli Berger. Gleichzeitig sorgen die Sponsoren auch für lokale Akzeptanz: „Ich wollte ein Plakat in einer Gaststätte aufhängen, aber die Wirtin war zunächst skeptisch. Für ihre Gäste sei das nichts, meinte sie – bis sie entdeckte, dass einer ihrer Stammgäste auf der Sponsorenliste steht.“ Jeder Unterstützer bekommt für 100 gespendete Franken eine Karte als Dankeschön. Von den 450 Billetts sind so schon 200 weg. 130 weitere sind vier Wochen vor dem Ereignis im Vorverkauf über den Tisch gegangen, 120 (und eventuell noch 70 Reserveplätze auf der Empore) sind noch zu haben. Sie müssen Abnehmer finden, damit es am Ende die „schwarze Null“ gibt, auf die das OK hofft.

Die Karten für das Konzert am 25. November um  19.30 Uhr sind über die Raiffeisen Bank in Bürglen (Telefon 071 626 99 00) und gegebenenfalls  noch an der der Abendkasse zu bekommen.

 

 

 

 

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