Seite vorlesen

30.09.2019

Hügel im Bodensee stammen aus Jungsteinzeit

Hügel im Bodensee stammen aus Jungsteinzeit
Bei der Baggerung geborgener Pfahl aus Pappelholz aus dem Bereich von Hügel 5. | © Amt für Archäologie Thurgau, Urs Leuzinger.

Die neuesten Baggerungen und Untersuchungen an den Hügeln vor Uttwil im Bodensee haben ergeben, dass die Erhebungen in der Jungsteinzeit vor etwa 5500 Jahren aufgeschüttet wurden. In den nächsten Monaten stehen Dokumentationen und weitere Analysen unter Wasser an.

Bereits seit Monaten beschäftigten die Unterwasser-Hügel bei Uttwil die Archäologen des Kantons. Am 19. September 2019 sind die Experten laut Medienmitteilung erneut auf Tauchgang gewesen. Dieses Mal mit grossem Gerät: Mit dem Schiff «Klapper» wurde auf einem Floss ein 30 Tonnen schwerer Bagger (CAT325) mit 15 Meter langem Arm zum Hügel 5 gefahren. Dort wurde bei starker Brise und hohem Wellengang einen rechtwinklig zum Ufer verlaufenden Schnitt durch die Steinsetzung 5 gegraben.

In den darauffolgenden Tagen untersuchte das Tauchteam des Amts für Archäologie den Sondierschnitt und legte bisher einen zwei Meter breiten Profilstreifen frei. Mehrere, teilweise mit Beilen behauene Bauhölzer (Pfähle aus Pappel- und Eschenholz) und der Schichtaufbau bestätigen, dass die Steinsetzung von Menschen errichtet wurde.

Schichtprofil im ausgebaggerten Graben durch Hügel 5. Bild: Amt für Archäologie Thurgau, Thomas Keiser.

Vor 5500 Jahren aufgeschüttet

Der in der Mitte rund 50 Zentimeter grosse Hügel 5 liegt direkt über den feinen, nacheiszeitlichen Seeablagerungen. Erste Resultate der Radiokarbonmessungen sprechen dafür, dass Hügel 5 in der Jungsteinzeit vor etwa 5500 Jahren aufgeschüttet wurde. Aus dieser Zeit zwischen der Pfyner und Horgener Kultur sind bisher keine Pfahlbausiedlungen am Bodensee bekannt. Wahrscheinlich liegen die damaligen Pfahlbauten heutzutage ebenfalls sehr tief unter Wasser und harren noch der Entdeckung, oder aber sie sind mittlerweile durch Seeeinwirkung vollständig wegerodiert.

Evaluation durch internationales Forschungsteam

In den nächsten Monaten wird das Amt für Archäologie die Dokumentation unter Wasser und die noch ausstehenden Analysen abschliessen. Ein internationales Forscherteam wird die Resultate danach sorgfältig evaluieren und in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlichen.

Taucharchäologen bei ihrer Arbeit. Bild: Amt für Archäologie Thurgau

 

 

 

Kommentare werden geladen...

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Wissen

Kommt vor in diesen Interessen

  • Nachricht
  • Geschichte
  • Archäologie

Werbung

Literaturwettbewerb «Das zweite Buch» 2026

Die Marianne und Curt Dienemann Stiftung Luzern schreibt zum achten Mal den Dienemann-Literaturpreis für deutschsprachige Autorinnen und Autoren in der Schweiz aus. Eingabefrist: 15. Juni 2026

Ähnliche Beiträge

Wissen

Im Oldtimer die Oberthurgauer Museumswelt entdecken

Zum Museumstag am 3. Mai locken elf Institutionen mit halbem Eintritt und Gratis-Bustransfer – darunter auch Publikumslieblinge wie die Autobau Erlebniswelt, das MoMö oder das Locorama. mehr

Wissen

Menschliche Schädel in der Sammlung

Das Historische Museum Thurgau erforscht die Herkunft seiner ethnologischen Sammlung. Und hat dabei einige problematische Exponate gefunden. mehr

Wissen

Jahrtausende im Schlick: Pfahlbauer-Axt aus Steckborner Hafen geborgen

Eine Baggeraktion im Steckborner Hafenbecken hat einen archäologischen Schatz ans Licht gebracht: eine fast vollständige Steinzeitaxt, die rund 4800 Jahre im Seegrund überdauert hat. mehr