von Daniel Badraun, 18.08.2012
Schaffhauser „Shpektakel“ mit Thurgauer Beteiligung

Eine Begegnung mit dem Schauspieler Pascal Holzer, der in Schlattingen aufgewachsen ist und den Sohn des Taxifahrers spielt, der den Papst entführt hat.
Daniel Badraun
Ein milder Sommerabend am Rhein, ich überquere den Damm, das Wasser rauscht unterhalb des Kraftwerks. Auf der anderen Flussseite ragt ein Kran in den Himmel, darunter wurde ein Guckkasten eingebaut, ein Theater wie eine Kiste, Die Vorstellung ist auch heute ausverkauft, die Schaffhauser mögen ihr Sommertheater. Der Theaterabend beginnt in der mit alten Möbeln bestückten Beiz, dicht gedrängt sitzen die Leute bei Thailändischen Spezialitäten. Hier treffe ich den Thurgauer Schauspieler Pascal Holzer, aufgewachsen in Schlattingen, ausgebildet an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Heute Abend spielt er Irving Leibowitz, den Sohn des Taxifahrers, der den Papst entführt hat. „Der Sohn ist eine Rolle, die an mir hängengeblieben ist, so spielte ich auch im Stück „Die Frau von früher“ unter der Regie von Jean Grädel den Sohn im Theater im Pumpenhaus in Steckborn.“ Eine andere Rolle, in der Holzer öfter zu sehen ist, ist die des Polizisten in Schweizer Filmen, so auch bei „Happy New Year“ unter der Regie von Christoph Schaub. Gut in Erinnerung ist er auch als Friedrich Glauser in „Die Fieberkurve“, ebenfalls in Schaffhausen.
Lust auf den Bad Guy
„Wenn man öfters den Netten spielt, hat man auch mal Lust auf den Bad Guy, hier hat man grosse Gestaltungsmöglichkeiten!“ Begeistert erzählt der junge Schauspieler von seinem letzten Projekt in diesem Frühling. „Die katholische Gewissensnot“ ist ein Stück von Irvine Welsh, in dem ein homophober Macho 70 Minuten lang seiner Sprache freien Lauf lässt. „Es war eine Herausforderung, einen Text in dieser direkten und schmutzigen Sprache ans Publikum zu bringen, die Zuschauer in Zürich haben das Stück aber gut aufgenommen.“ Regie führte Bodo Krumwiede, der als Papst in Schaffhausen spielt. Mit auf der Bühne bei diesem Höllenritt war die junge Zürcher Rockband „Signori Misteriosi“. Es ist zu hoffen, dass dieser kompromisslose Theaterabend um Schuld und Strafe auch einmal im Thurgau zu sehen sein wird, geeignete Kleintheater hätten wir genug.
Schnelles, präzises Spiel
Zurück zum Stück „Der Tag als der Papst entführt wurde“. Langsam füllt sich der Guckkasten. Vorne ein Hausboot mit Kabine, an Deck Gartenmöbel, hier lebt die jüdische Familie Liebowitz, hier wird gekocht, gelacht und gestritten. Die Komödie von Joao Bethencourt ist aktuell, es geht um Frieden, Toleranz und die menschliche Unzulänglichkeit. Samuel Leibowitz entführt den Papst, ein Rabbi geht über Bord, als Warnung wird Gemüse in die Luft gesprengt. Das Ensemble agiert mit viel Tempo, dabei wird sehr genau gespielt, jeder Blick sitzt, jede Pointe kommt an. „Das hat wohl damit zu tun, dass uns Regisseur Damir Zizek grosse Freiheiten gelassen hat, wir haben im Ensemble voneinander gelernt und uns gegenseitig korrigiert“, erklärt Holzer.
Nach der letzten Vorstellung in Schaffhausen wird Pascal Holzer zurück nach Zürich fahren, um einem Brotberuf nachzugehen, er arbeitet in einem Club als Personalchef. Sobald sich eine neue Möglichkeit ergibt, steht der junge Thurgauer wieder auf der Bühne oder vor einer Kamera. Man darf gespannt sein.
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