04.05.2020

Unikat in der Museumssammlung

Unikat in der Museumssammlung
Besonders wertvoll: Dieses Unikat ist bei der Inventarisierung der Münzsammlung des Historischen Museum Thurgau aufgetaucht. | © Historisches Museum Thurgau

Am Anfang standen 5000 Münzen und die Zusage des Thurgauer Lotteriefonds, deren Inventarisierung finanziell zu unterstützen. Dass das Historische Museum Thurgau dabei auf eine ganz besondere Preziose stossen wird, ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand.

Die Münzsammlung des Historischen Museums Thurgau ist aufgrund ihrer Schwerpunkte national bedeutend: darunter die Thurgoviensia – Kantonsmünzen, Schützenmedaillen und Werke von Thurgauer Medailleuren – sowie die ansehnliche Sammlung südamerikanischer und deutscher Goldmünzen, vornehmlich des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Schweizer Münzen und Medaillen machen etwa 35 Prozent des Sammlungsbestandes aus, unter ihnen befinden sich einige numismatische Perlen, heisst es in einer Medienmitteilung des Museums.

Fischinger Medaille fällt auf

Bei der Inventarisierung stach nun eine Medaille besonders hervor. Sie hat ihren Ursprung im Kloster Fischingen, wo die Verehrung der 1200 verstorbenen Einsiedlerin Idda, der angeblichen Gräfin von Toggenburg, hochgehalten wird. Zur Feier des 500. Todestages der heiligen Idda lässt Abt Franz Troger von Altdorf 1726 eine Medaille prägen. Diese zeigt auf der Vorderseite den Konstanzer Bischof Johann Franz Schenk von Staufenberg (1704–1740), ein glühender Idda-Verehrer. Ein Porträt von Idda, flankiert von einem Hirsch und der Fischinger St.-Idda-Kapelle, prägt die Rückseite. Was ist nun das Spezielle an dieser Medaille?

Einzelstück aufgespürt


Laut numismatischer Literatur wurden Exemplare dieser Jubiläumsmedaille nur in Gold und Silber gefertigt. Doch Glanz und Farbe machten den Numismatiker Florian Hürlimann, der die thurgauische Münzsammlung inventarisiert, stutzig. Handelt es sich vielleicht um eine Zinnmedaille, die im 18. Jahrhundert beliebt waren?

Klarheit konnte nur eine Metallanalyse bringen. Eine Untersuchung durch die EMPA bestätigte schliesslich die Vermutung: Die Medaille besteht demnach aus 76 Prozent Zinn, 23 Prozent Blei, 1 Prozent Kupfer – es handelt sich folglich um ein Unikat, «dessen kulturhistorischer Wert für den Thurgau unschätzbar sein dürfte», schreibt das Museum in seiner Mitteilung.

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