von Niculin Janett, 05.10.2015
Last but not least...

Ein Weilchen hat's gedauert. Nun bin ich aber wieder hier für den letzten Blog-Eintrag aus NYC.Bald geht's nämlich wieder zurück nach Zürich. Und damit gleich wieder in den Musiker-Alltag.
*
Warum ich mich so lange nicht gemeldet habe? Es war die Zeit für eine kleine Studio-Aufnahme.
***
Ziemlich arbeitsintensiv, das ganze:
Proben.
Aufnehmen.
Takes anhören.
Aufnehmen.
Takes anhören.
Takes selektieren.
Korrekturen vornehmen.
Rich Perry und Lisa Hoppe beim Aufwärmen im Studio.
Mixing-Session vorbereiten.
Mixing-Session.
Takes anhören.
Mixing-Session.
Takes anhören.
Mixing-Session mit dem Meister höchstpersönlich, Michael Perez-Cisneros.
Reihenfolge bestimmen.
Rücksprache.
Zwei Tage gar nix mit Musik am Hut haben.
Finale Korrekturen am Mix vornehmen.
Blog schreiben.
Phuu...
Zuerst mal ein riesiges Dankeschön den Beteiligten Rich Perry, Lisa Hoppe, Rodrigo Recabarren und Michael Perez-Cisneros. Die zwei Tage im Studio waren schweisstreibend, lustig, inspiriert, faszinierend und lehrreich.

Altsaxophonisten-Cockpit (Fotos: Niculin Janett).
Aufnahmen im Studio sind etwas merkwürdiges. Eine sehr unreale, irgendwie auch unmusikalische Situation. Es braucht so einiges an mentaler Willenskraft, das Ambiente in etwas fruchtbares, inspiriertes umzuwandeln.
*
Mind-Games können da helfen. Das gelingt mir aber oft nur so halb. Interessanterweise mache ich persönlich im Studio immer Fehler, die ich vorher noch nie gemacht habe. Zum Glück gibt's aber immer die Möglichkeit für einen zweiten Anlauf.
*
Je länger je mehr merke ich, wie sehr sich die eigene Session von der Session als „Sideman“ unterscheidet. Das liegt vor allem an mir selber. Der selbst auferlegte Druck ist nicht immer ganz einfach zu handhaben. In diesem Moment loszulassen und frei zu musizieren ist eine grosse Herausforderung.
*
Tatsächlich hilft es dann schon sehr, die ca. 40 Jahre Studioerfahrung von Rich Perry neben einem zu spüren. Es ist erstaunlich, wie konstant Rich einfach immer gut klingt, von Solo zu Solo. Das spornt einen an, kann aber auch manchmal beinahe etwas beängstigendes an sich haben...

Rich Perry's Super-Balanced Action in Aktion.
Insgesamt haben wir acht Stücke aufgenommen. Vier Kompositionen aus meiner Feder, zwei Stücke von Lisa und zwei Standards. Vom First-Take bis zum siebten Anlauf am gleichen Stück war da alles vorhanden.
*
Herausgekommen ist dabei ein meiner Meinung nach erfreuliches Stündchen Jazzmusik. Natürlich ist man im Nachhinein nie ganz zufrieden. Aber das gehört bei einer solchen Momentaufnahme ja auch dazu und ist sogar notwendig. Diese partielle Unzufriedenheit ist ein nicht zu verachtender Teil der Motivation, immer weiter zu suchen.
*
Viel ist passiert in diesen vergangenen drei Monaten. Viel habe ich gelernt. Viel gesehen, erlebt, verdaut, profitiert.
Ich bin zwar ein Gegner von klischierten Alltagsfloskeln, aber dennoch: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlasse ich diese Metropole. Ich habe es schon vor vier Jahren so erlebt – erst nach ca. zwei Monaten habe ich mich so richtig an diese Monsterstadt gewöhnt. Ich könnte ohne weiteres noch einiges länger hier bleiben und weiter Erfahrungen sammeln.
*
Andererseits kann ich es aber kaum erwarten, meine Erlebnisse, Erfahrungen und Lehrstunden mit zurück in die Schweiz zu nehmen und sie dort, in einem komplett anderen Ambiente, umsetzen. Ich bereite mich auf eine merkwürdige Mischung aus Fernweh und Freude an der Rückkehr ein.
Ich hoffe, mein Geschribsel hat gefallen, bedanke mich überschwänglich bei der Kulturstiftung für diese einmalige Gelegenheit und freue mich jetzt schon auf ein baldiges Wiedersehen im grossen Apfel...
I'm out. Thanks. Goodbye.
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TitelNiculin Janett (25) lebt seit seiner Geburt in Sulgen. Der Saxophonist, Sänger und Komponist studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Jazzsaxophon. Seit 2008 ist er in verschiedensten Formationen aktiv. Seine Hauptprojekte sind Janetts Jazzmusik-Baukasten, das Duo The Sad Pumpkins und die Volksmusik-Familienkapelle C’est si B.O.N. Von Juli bis September 2015 ermöglicht ihm der Kanton Thurgau einen Atelieraufenthalt in New York City. Diesen will er nutzen, um seine instrumentalen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, Freiraum für das Komponieren zu haben und musikalische Beziehungen zu knüpfen und weiter zu vertiefen. Für thurgaukultur.ch berichtet er regelmässig aus dem Big Apple. (rom) |
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Bisher erschienen:
Züge ins Nirgendwo - thurgaukultur.ch vom 09.09.2015
Glücksfunde im Park und Filmsets vor der Tür - thurgaukultur.ch vom 31.08.2015
How to find the right Jamsession - thurgaukultur.ch vom 21.08.2015
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Kommt vor in diesen Ressorts
- Musik
- Kolumne
Kommt vor in diesen Interessen
- Blog
- Jazz
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