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von Inka Grabowsky, 03.05.2017

Eine Fast-Liebesgeschichte

Eine Fast-Liebesgeschichte
Erste Vorboten der Sommertheater-Saison: Leopold Huber, Astrid Keller, Goran Kovacevic und Beate Faßnacht vom Kreuzlinger Seeburgtheater mit dem Modell des geplanten Bühnenbildes. | © Inka Grabowsky

Das See-Burgtheater wird Mitte Juli Ödön von Horvaths „Kasimir und Karoline" am Kreuzlinger Bodenseeufer aufführen. Goran Kovacevic und das Baro Drom Orkestar machen Musik dazu.

Von Inka Grabowsky

 

„Horvath hat die grösste literarische Kraft unter den Dramatikern des 20. Jahrhunderts",lobt Intendant Leopold Huber. „Seine Dialoge erlauben uns Einblicke in die Seele der Figuren. Er lässt sie oft haarscharf am Thema vorbeireden – was bei aller Tragik auch wunderbar komisch ist." Genau dieser komödiantische Aspekt ist für die Regisseurin Astrid Keller eine Herausforderung. „Man sollte bei Horvath nicht auf Komik setzen, sondern auf Humor", sagt sie. Leichtigkeit und tiefer Ernst müssten Hand in Hand gehen. Ernst ist „Kasimir und Karoline" durchaus, denn es geht um eine Beziehung, die durch wirtschaftliche Not und Missverständisse zerbricht. Astrid Keller will die Geschichte allerdings nicht ganz so pessimistisch erzählen. „Für mich endet mit dem Stück nur ein Tag im Leben des Paares. Vielleicht hat ihre Liebe später durchaus eine Chance." Horvath hatte das Stück unter das biblische Motto gestellt „Und die Liebe höret nimmer auf." Insofern ist diese Lesart durchaus vom Autor sanktioniert.

Mit Musik geht alles leichter

Das See-Burgtheater spielt seine Sommerstücke fast schon traditionell immer mit Musik. Dieses Jahr wird einmal mehr Goran Kovacevic dafür verantwortlich sein. Er hat sich das Baro Drom Orkestar aus Florenz dazu geholt, mit dem er bereits eine CD  mit Worldmusic eingespielt hat. Zwei Akkordeons, eine Geige, ein Schlagzeug und ein Kontrabass werden mit Stücken von Offenbach, Satie, Lehar oder Mozart immer für die passende Atmosphäre sorgen. Da das Stück auf einem Jahrmarkt spielt, darf auch Bierzeltmusik nicht fehlen. „Die Musik ist sehr vielseitig und wird die Geschichte gut mittragen", so der renommierte Akkordeonist und Komponist.

So wird die Bühne aussehen, nur 25 mal grösser. Bild: Inka Grabowsky

In dieser Saison darf das See-Burgtheater wieder die Seebühne direkt am Ufer aufstellen. Aus Naturschutzgründen ist das nur alle zwei Jahre erlaubt. Die Schauspieler werden gegebenenfalls im Regen stehen, das Publikum sitzt überdacht. Das wetterfeste Bühnenbild und die Kostüme gestaltet wieder Beate Faßnacht, die bereits bei „Romeo und Julia auf dem Dorfe" vor zwei Jahren Teil des Teams war. Sie will Horvaths Personal vom Münchner Oktoberfest 1932 ins Hier und Jetzt holen. Ihr transparenter Bühnen-Entwurf wird dafür sorgen, dass der Bodensee nicht aus dem Blickfeld der Zuschauer gerät. Auch die übrige Umgebung wird ins Spiel einbezogen. Ein Parkplatz mit einigen Autos ist nicht nur für die Geschichte wichtig, er soll auch das Idyll brechen. „Und wenn wir Glück haben, bekommen wir noch ein echtes Pferd, auf dem unsere Karoline ausgeführt werden kann." Pferdehalter, die an den zwanzig Abenden mitspielen möchten, werden gebeten, sich zu melden.

Mutige Auswahl

Die Erwartung des Publikums habe bei der Auswahl des Stückes keine Rolle gespielt, so Leopold Huber, der dieses Mal die Produktionsleitung übernimmt. „Wir machen, was wir als richtig empfinden." „Erfolg kann man ohnehin nicht planen", ergänzt seine Frau Astrid Keller. „Das haben wir ja im vergangenen Jahr gesehen." Bei der Inszenierung von „Ein Käfig voller Narren" 2016 waren die Eintrittszahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Gönnerverein  des Theaters musste in die Bresche springen und ein Minus ausgleichen. Rund 10 000 Menschen bilden über die Jahre das Stammpublikum der Truppe. Sind sie begeistert, ziehen sie mit ihren Weiterempfehlungen normalerweise andere nach. „Wir würden es uns leichter machen, wenn wir ein sehr bekanntes Stück aufführten", meint Astrid Keller, „aber erstaunlicherweise ist ‚Kasimir und Karoline' nur Theaterleuten ein Begriff, normale Menschen kennen es kaum." Nach dem Sommer soll das in Kreuzlingen und Umgebung anders sein.

Premiere Donnerstag, 13. Juli 2017, 20:30 Uhr

Weitere Aufführungen jeweils 20.30 Uhr  

Juli Do 13.7.  /  Fr 14.7.  /  Sa 15.7. Di 18.7.  /  Mi 19.7.  /  Do 20.7.  /  Fr 21.7.  /  Sa 22.7. Di 25.7.  /  Mi 26.7.  /  Do 27.7.  /  Fr 28.7.  /  Sa 29.7.  

August Mi 2.8.  /  Do 3.8.  /  Fr 4.8.  /  Sa 5.8. Di 8.8.  /  Mi 9.8.  /  Do 10.8.

Video: Leopold Huber über "Kasimir und Karoline" (Quelle: Seeburgtheater)

www.see-burgtheater.ch

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