von Kurt Schmid, 04.12.2009
A propos Leuchttürme: Sternschnuppen!

Kurt Schmid
Leuchttürme haben es an sich, dass sie unbeweglich sind – und Sternschnuppen, dass sie in Sekundenbruchteilen verglühen. Irgendwo dazwischen sind die kulturellen Veranstaltungen, die man als Highlights empfindet: als Glanzlichter, die zeitweise strahlen. Zum Beispiel bei uns. Und nur für kurze Zeit.
Erstes Beispiel: Cie Philippe Saire im Phönix-Theater
Ein Tanzstück über das Verschwinden im Phönix-Theater Steckborn am 4.5.Dezember 20.15 Uhr. Die Cie Philippe Saire zeigt in „Il faut que je m’en absente“ zwei Arten des Verschwindens: eine artistisch-trickreiche und eine horrormässige. Das geht nahtlos ineinander über. Wie bei David Lynch. Aber direkt, packend, hinreissend.
Zweites Beispiel: “Sutra” im Festspielhaus Bregenz
Wer das verpasst hat, kann am 26.27. Mai im Rahmen des Bregenzer Frühlings im Festpielhaus das ebenso hinreissende Stück von Sidi Larbi Cherkaoui sehen: “Sutra”. Cherkaoui hat eng mit dem Künstler Antony Gormley (Ausstellung im Kunsthaus Bregenz 2009) zusammengearbeitet. Gormley hat eine Bühnengestaltung geschaffen, die aus 21 hölzernen Kisten besteht, die immer wieder auf neue Weise angeordnet werden. Der polnische Komponist Szymon Brzóska schuf eine wunderbare Partitur für Piano, Schlagzeug und Streichinstrumente, die live gespielt wird. Die 17 Mönche, die in „Sutra“ auftreten, kommen direkt vom ursprünglichen Shaolin-Kloster, das nahe der Stadt Dengfeng in der Provinz Henan in China gelegen ist und im Jahr 495 n. Chr. von Mönchen gegründet wurde.
Drittes Beispiel: Mirador im Kunstmuseum des Kantons Thurgau
Das Kunstmuseum des Kantons Thurgau zeigt bis zum 11. April die Ausstellung „Mirador“ von Olaf Nicolai. Ein Mirador ist ein Aussichtspunkt und die Ausstellung ein Hingucker. Das Kunstmuseum schreibt darüber: Die Ausstellung „Mirador“ zeigt die neuesten Arbeiten des international erfolgreichen deutschen Konzeptkünstlers Olaf Nicolai. Die Arbeit „Mirador/Selkirk“ hat der Künstler eigens für das Kunstmuseum Thurgau geschaffen, wo sie erstmals gezeigt wird. Sie bildet den Kern der Ausstellung und gibt ihr den Titel. Begleitet wird sie von der Installation “Topographie Ondulatoire/Modulaire” (2009). Daneben sind zwei Arbeiten aus dem Jahr 2008 zu sehen: der fiktive Dokumentarfilm „Rodakis“ und die Lichtinstallation „Samani. Some Proposals to Answer Important Questions“. Der Titel der Ausstellung, „Mirador“(spanisch: Aussichtspunkt), spielt auf das zentrale Thema der Kunst an: das Sehen als Sinn der Ästhetik. Gleichzeitig ist „Mirador“ aber auch der Name des Aussichtspunktes auf der im Südpazifik gelegenen Insel Robinson Crusoe. Hier hatte der schottische Seefahrer Alexander Selkirk vier Jahre verbracht und Daniel Dafoe damit das Vorbild für seine Romanfigur Robinson Crusoe geliefert. Von der Anhöhe „Mirador de Selkirk“ hatte der Seemann täglich nach Schiffen Ausschau gehalten, die ihn retten.
Stell dir vor, es gibt die kulturellen Highlights, und alle gehen hin.
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