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Ästhetik der Stille

Ästhetik der Stille
Feinnervige Malerei, eigenständiger Weg: Ausstellung in der Venenklinik. | © Jürg Schoop

In der Venenklinik in Kreuzlingen stellt Andrea Josefine Lohrmann der oft lärmigen und auftrumpfenden Gegenwartskunst mit ihrer feinnervigen Malerei ein Reduit der Stille und Einkehr entgegen.

Jürg Schoop

Nach zwei für den Kunstfreund nicht sehr ergiebigen Ausstellungen ist wieder eine Künstlerin zu Gast, der die Malerei nicht nur eine Herzensangelegenheit ist, die zudem auch noch über ein reiches professionelles Arsenal an Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten verfügt. Der etwas geschwätzige Titel der Ausstellung new art edition verwundert, wird doch dieser Begriff von Dutzenden Künstlern und Verlegern seit langer Zeit beliebig verwendet.

Als neu wird diese Kunst vielleicht von einer Generation empfunden, die keine Wurzeln mehr im 20. Jahrhundert der modernen Kunst besitzt. Andrea Josefine Lohrmanns Malerei hat ihre Stammväter im Informel und der Lyrischen Abstraktion der 60-er- und 70-er-Jahre, wie etwa de Staël, Poliakoff oder der Amerikanerin Helen Frankenthaler. Die Künstlerin setzt auch Schriftfragmente, wie uns das Cy Townbly vorgemacht hat, in ihrer Malerei ein.

Entzug einer rationalen Sichtweise, da dem Auge kein gegenständlicher Halt geboten wird: Werk von Andrea Josefine Lohrmann. (Bild: Jürg Schoop)

Dabei ist festzuhalten, dass Lohrmann, die in der Umgebung von Lindau am Bodensee und im Tessin lebt, mit sehr viel vorhandenem Talent und Arbeitswillen mit ihrer feinnervigen Malerei einen eigenständigen Weg verfolgt. In einem gewissen Sinne neu ist der Versuch, der oft lärmigen und auftrumpfenden Gegenwartskunst ein Reduit der Stille und Einkehr entgegenzusetzen, wie Lohrmann selber sagt, „sollen die Arbeiten den Betrachter berühren, ja auf mystische Weise als eine Ästhetik der Stille, denn sie entzieht sich ganz und gar einer rationalen Sichtweise, da sie dem Auge keinen gegenständlichen Halt bieten.“

Der Anspruch der Künstlerin, dass ein Kunstwerk Einblick in die Gefühlswelt des Künstlers und seine Auseinandersetzung mit dem Leben geben soll, wird als eingelöst empfunden. Aber nicht allein diese Vorgabe ist entscheidend, jeder naive Sonntagsmaler kann das für sich reklamieren, - entscheidend ist, auf welchem künstlerischen Niveau dies expliziert wird. Und wir haben keine Mühe, der Malerin zu vertrauen.

Kunst bleibt – Bise vergeht...

Dass am Freitag anlässlich der Vernissage nur ein gutes halbes Dutzend Besucher der Einführung von Dipl. Psych. Petra Ulmer gelauscht haben, war bestimmt von der mit gefühlten 15 Grad-minus Bise verursacht. Die Kunst bleibt – die Bise vergeht...


***

Weitere Informationen:

Andrea Josefine Lohrmann - „new art edition", Acrylmalerei
Venenklinik Kreuzlingen, bis 26. Juni 2015,
Mo-Do. 8.00-19.00 Uhr, Fr. bis 17.00
www.kunst-design.info / www.venenklinik.ch

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