von Brigitta Hochuli, 13.09.2012
„Auf keinen Fall die Monroe spielen“

„Love, Marilyn“ - das Theaterstück von Hanna Scheuring hat mit ihr als Schauspielerin Premiere im Phönix-Theater Steckborn.
Brigitta Hochuli
Probe im Pumpenhaus. Hanna Scheuring spielt ihr eigenes Stück und darin die Rolle der Psychiatriepatientin Sarah. Sarah wiederum wähnt, Marilyn Monroe zu sein, deren Tod sich dieses Jahr zum 50. Mal jährt. Marilyn, die, bereits weltberühmt, selber in die Klinik gesteckt worden war.
Sarah spricht von Joe und spricht mit Joe DiMaggio, ihrem vermeintlich zweiten Mann und Baseballlstar. Und vom endgültigen Riss. Dann schlüpft sie in die Rolle ihres dritten Ehemanns, dem Schriftsteller Arthur Miller, der ihr sagt, sie sei für ihn ein werdendes Licht. Auf der Bühne der Flügel, auf dem Daniel Fueter Hanna Scheuring zu Monroe-Liedern begleiten wird, ein Mikrophon und ein Krankenbett. Hinzukommen wird ein weisser Schleier, auf den Angelo Sansone unter anderem einen Originalbrief der echten Monroe projizieren wird.
Unterschiedliche Professionen
Hanna Scheuring probt im weissgoldenen Kleid. Doch noch ist die Rolle nicht filmreif. Zusammen mit Regisseur Jean Grädel feilt sie an einzelnen Gesten. 75 Minuten Lieder und Text wollen gelernt sein - auch wenn die Akteurin gleichzeitig die Autorin des Stücks ist. „Schreiben und Performen, das sind unterschiedliche Professionen, sagt der Regisseur. Obwohl: „Beim Schreiben sehe ich ein Bild. Ich komme aus dem szenischen Denken“, sagt sie.
Ein Schauspielerinnenstück
Marilyn Monroe würde heute eine Schizophrenie diagnostiziert, sagt Jean Grädel. Schizophren ist denn auch das Verhalten der Theater-Figur. Das komme dem Stück entgegen. „Auf keinen Fall wollten wir die Monroe spielen.“ Das Faszinierende daran: Es sei ein Schauspielerinnenstück. „Wir zeigen, was man als Theatermacher kennt. Ängste, Drogenkonsum, wenn man die schlimmsten Zweifel hat und sich trotzdem dem Publikum aussetzt.“ Intelligent sei die Monroe gewesen, habe nach Liebe gegiert und sei an ihr zerbrochen. „Strahlend war sie im Rampenlicht, verzweifelt, sobald sie allein war. Das kennen wir alle zur Genüge.“
***
Premiere: Mittwoch, 19. September 2012, 20.15 Uhr im Phönix-Theater in Steckborn.

Weitere Beiträge von Brigitta Hochuli
- Kultur für Familien: Was im Thurgau noch fehlt (06.09.2018)
- Rätsel gelöst: So alt ist der Kunstraum Kreuzlingen (29.06.2018)
- Musikschule Kreuzlingen sucht Verbündete (14.06.2018)
- Kult-X in WM-Stimmung: Das etwas andere Public Viewing (29.05.2018)
- Unterm Sternenhimmel (13.05.2018)
Kommt vor in diesen Interessen
- Schauspiel

