von Jürg Schoop (1934 - 2024), 26.08.2014
Malerei als Installation

Das diesjährige Sommeratelier im Shed im Eisenwerk in Frauenfeld zeigt die Eroberung des Raumes durch die Malerei als Installation. Franziska Etter stellt 20 grossformatige Bilder sowie einzelne raumgreifende Objekte aus. Am Freitag ist Vernissage.
Jürg Schoop
Alkohol- und Drogenräuschige auf unseren Strassen, die unser Leben gefährden, solche, die nach dem Einnachten öffentliches Gut und liebevoll hergestellte Gemeinarbeit demolieren, gibt es jede Menge. Da sind uns Farbräuschige wie Franziska Etter schon lieber und vielsagender. Wenn man am Abend des offenen Ateliers letzte Woche ins Shed eingetreten war, wurde man überrascht durch die grosszügige, dichte Farbigkeit ihrer zwanzig Grossformate, die vorläufig noch an den Wänden lehnen. Sie wurden eigens für diese Ausstellung konzipiert.
Die flächenhaften Überschneidungen der Formen, weisen darauf hin, dass die Künstlerin in der Tradition der Moderne beheimatet ist – man denkt da, was die Technik betrifft, auch an den deutschen Altmeister der späten 30er-Jahre, Willi Baumeister, der dem Figürlichen aber mehr Bedeutung zumass. Von zeitgenössischen Farbexperimenten, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten, hält die Künstlerin nicht so viel.
Die Malerin Franziska Etter im Shed. (Bild: Jürg Schoop)
Im Ausstellungstext, der etwas widersprüchlich wirkt, wird erwähnt, „dass Etters Ausdrucksspektrum sich enorm erweitert hat und gerade diese Erweiterung, die Eroberung des Raums durch die Malerei als Installation wird Franziska Etter neben ihren klassischen Tafelbildern erkunden.“
Die Malerei ist ja nicht als Installation gedacht, die Künstlerin hat dreidimensionale, mit transparentem Stoff überzogene, noch in Arbeit befindliche Objekte geschaffen, die das Thema der Bilder, zweidimensionale Schichten, die bereits Räumliches aufnehmen, in ihrer Weise ins Dreidimensionale weiter transportieren.
Beides zusammen ergibt erst die Installation, die dem grossen Raum des Sheds einen Stempel aufdrücken will. Ob das gelungen ist, wird man an der Vernissage am Freitag, 29. August, ab 18.00 Uhr feststellen können.
Wenig Besucher, gute Wurst
Erstaunlich auch, wie wenige Frauenfelder sich an diesem Abend zu einer Besichtigung aufrafften – allerdings verliess ich den Raum nach zwei Stunden wieder. Sie schienen im Gegensatz zu mir keinen Hunger gehabt zu haben, es gab eine wirklich gute Gratis-Bratwurst. Randständige Mittellose, die sich einer Wurst wegen den Anschein von Kunstinteresse geben wollen, scheint es in der Kantonshauptstadt auch nicht zu geben. Seien wir froh! Kann ja sein, dass sich nach den fünf gezählten Besuchern, die nicht zum Clan der Künstlerin gehörten, noch massenhaft Spätbesucher aufgetaucht sind.

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