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von Brigitta Hochuli, 25.05.2014

Archäologe baut auf eigene Leistung

Archäologe baut auf eigene Leistung
Das Publikum solle von den Sparmassnahmen des Kantons nichts merken, sagt Kantonsarchäologe Hansjörg Brem. | © Brigitta Hochuli

Von der Leistungsüberprüfungsaktion (Lüp) ist auch das Thurgauer Amt für Archäologie betroffen. Kantonsarchäologe Hansjörg Brem, erklärt, dass er trotz Sparmassnahmen alles Mögliche für den einheimischen wissenschaftlichen Nachwuchs tun werde.

Brigitta Hochuli

Herr Brem, nach der Leistungsüberprüfung (Lüp) spart der Kanton beim Amt für Archäologie bis zum Jahr 2017 90‘000 Franken. Das soll unter anderem dadurch bewerkstelligt werden, dass im Museum für Archäologie nur noch Sonderausstellungen gezeigt werden dürfen, die gemeinsam mit anderen Partnern erarbeitet werden. Ist das für Sie und Ihr Publikum gut verkraftbar?

Das Publikum soll davon nichts merken. Denn es handelt sich um eine Massnahme, mit der gleiche Qualität bei geringeren Kosten beziehungsweise geringerem Aufwand erzielt werden soll.

Welchen Anteil am Ausstelllungsprogramm hatten denn die eigenen Sonderausstellungen bisher?

Etwa einen Drittel.

Auch beim Personal soll gespart werden. Dabei soll es weniger befristete niederschwellige Arbeitsplätze geben. Die Regierung schreibt in ihrem Bericht an den Grossen Rat auch von einem Verlust von Ausbildungskapazität und längerfristig einem Import von Fachkräften aus dem Ausland. Was bedeutet das für Sie und Ihr wissenschaftliches Renommée?

Ausbildungen im Bereich Wissenschaft, Restaurierung, Vermittlung und so weiter basieren auf "Lehr- und Wanderjahren", Projektarbeiten, Praktika. Wir werden alles tun, solche Möglichkeiten für unseren einheimischen Nachwuchs weiterhin anzubieten. Unser "wissenschaftliches Renommée" ist von unseren eigenen wissenschaftlichen Leistungen abhängig.

Innerhalb des Sparprogramms soll im Gegenzug der Bundesbeitrag für Archäologie erhöht werden. Wie hoch ist diese Summe und wie funktioniert das eigentlich?

Der Bund stellt im Rahmen von Programmvereinbarungen den Kantonen für Archäologie und Denkmalpflege bestimmte Mittel jährlich zur Verfügung, derzeit sind es für den Thurgau etwas über 530'000 Franken jährlich.

Und wie werden diese Mittel eingesetzt?

Archäologie und Denkmalpflege setzen diese Mittel für Arbeiten an Kulturobjekten nationaler Bedeutung ein; auf die Archäologie entfallen im langjährigen Schnitt etwa 25 Prozent - das hängt davon ab, wo welche Arbeiten auszuführen sind. Im Thurgau betrifft es hauptsächlich Eschenz sowie die Pfahlbauersiedlungen, aber auch etwa die Grabungen auf dem Sonnenberg oder kürzlich in der Kartause. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren im Zug der Schwerpunktbildung noch mehr Arbeiten in Objekten nationaler Bedeutung anfallen und sich somit der Bundesanteil etwas erhöht. Faktisch geht es um 10'000 bis 20'000 Franken. Wir wissen allerdings nicht, wieviel der Kanton Thurgau ab 2016 "bekommt" - da geht es uns im Kleinen wie dem Kanton beim Finanzausgleich auf Bundesebene.

Weiter sollen die Arbeiten am archäologischen Stadtkataster eingestellt werden. Worum geht es bei dieser Massnahme genau?

Ein archäologisches Stadtkataster ist eine GIS-Umsetzung von Informationen zur Baugeschichte - einfach gesagt geht es um Kartografie oder Visualisierung von Informationen, die die Baugeschichte unserer Altstädte betreffen. Das ist üblicher Standard im Umfeld von Archäologie und Denkmalpflege und dient in erster Linie der Planung aber auch der Verdeutlichung dessen, was noch wirklich "alt" ist in den "Altstädten".

Nicht zuletzt soll bei den Sparmassnahmen vermehrt auf elektronische Informationsmittel gesetzt und auf Druckaufträge verzichtet werden. Können Sie die Bevölkerung dadurch gleich oder weniger gut erreichen wie bisher?

Wir sind restriktiv mit der Papierproduktion und wollen das fortsetzen, wir wissen aber, dass ein Teil unseres Publikums nach wie vor gerne Papier in den Händen hält.

www.archaeologie.tg.ch

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