von Brigitta Hochuli, 28.09.2014
KulturXentrum

Brigitta Hochuli
Für Omamas sind Hallenbäder ideal. Besonders im Winter. Omama ist aber seit längerem unglücklich, denn im Kreuzlinger Egelsee wird sie im grossen Becken zunehmend von Sportskanonen an den Rand gedrängt; sie schwimmt dort um ihr Leben. Und im Kinderbädli ist es nicht viel besser. Dort drohen sie und ihre Enkel im Heer der dynamischen Jungväter buchstäblich unterzugehen. Deshalb findet sie es schade, dass die Kreuzlinger die 32 Millionen Franken für einen Ausbau an der Abstimmung vom Sonntag nicht bewilligt haben.
Eine weitere hohe Bausumme steht in Kreuzlingen für die Pädagogische Hochschule Thurgau zur Diskussion. Hier ist der Zug für den Ausbau noch nicht abgefahren und hat vielleicht trotz Facebook-Kritik bessere Chancen anzukommen. Dazu hätten alle Thurgauer 24 Millionen Franken zu bewilligen. Mutmassliche 65 Millionen gedenkt die Stadt zudem in ihr sogenanntes „Xentrum“ mit Stadthaus, Tiefgarage und Festwiese zu investieren.
Was ich sagen will: Am Geld kann‘s nicht liegen. Zusammen mit einem neuen Hallenbad hätte die Politik insgesamt 121 Millionen Franken investieren wollen. Deshalb plädiere ich dafür, einen Teil des Schwimmbad-Kredits für ein kleines Kulturzentrum zur Abstimmung zu bringen. Es stünde einer Bildungsstadt mit wachsendem Campus jedefalls sehr gut an. Das in Frage kommende Schiesser-Areal mit dem Kunstraum der Thurgauischen Kunstgesellschaft besitzt die Stadt bereits, und es ist, wie man inoffiziell hört, schon sehr viel Konzeptarbeit geleistet worden.
Das Xentrums-Projekt hat das Kreuz von Kreuzlingen im Namen. Omama findet das zwar nicht besonders lustig, sie hat es eben auch mit dem Kreuz. Doch das Label gefällt offenbar. Deshalb plädiert sie neu für ein KulturXentrum. Und zwar etwas ungeduldig, weil sie an ihr Jungvolk denkt. „Gut, dass es jetzt los geht“, hiess es im November 2013, und das ist nun schon bald ein Jährchen her.
KOMMENTAR *
schiesser • vor 2 Jahren
Bei allem Verständnis für Omamas Wunsch, sollte man nicht alles Geld in den selben Topf werfen. In diesem Fall das städtische Hallenbad-/Stadthaus-/Tiefgaragen-/Festwiesengeld zum kantonalen PH-Geld. Die 24 Mio. für die PH werden ja aus der Kantonskasse kommen. Omamas Wunsch nach einem Kulturzentrum könnte zwar auch an den Kanton herangetragen werden. Aber ich wage jetzt mal die Voaussage, dass dieser dafür kein Musikgehör haben wird - schliesslich will er schon das Kreuzlinger 10. Schuljahr einsparen. Und ehrlich: das wäre mir jetzt schon viel wichtiger als ein "kleines Kulturzentrum" - vielleicht ja später auch einmal für Omamas Enkel. Aber spätestens wenn die Kreuzlinger nach dem Hallenbad- auch den Stadthauskredit an der Urne versenkt haben, müsste ja genügend städtisches Geld für Omamas Wunsch übrig sein.
Aber jetzt habe ich noch einen Wunsch an Omama: Bitte, bitte bring nie wieder etwas zur Abstimmung. Ich stelle mir gerade vor, wie jemand den Kredit "zur Abstimmung bringt": Im Geschenkpapier mit roter Schleife? Zur Stimmurne? Oder wohin sonst? Könnte man statt dessen nicht einfach über etwas abstimmen, statt den Kredit vorher auch noch irgendwohin bringen zu müssen? (Noch schlimmer ist, wer da immer alles "zur Anzeige" gebracht wird! Vom Dieb bis zum "Blaufahrer". Zu welcher denn bloss? Zur Anzeige für erotische Dienstleistungen im Heimatblatt? Oder eher zur Anzeige für die 3-Zimmer-Wohnung? Warum werden diese Leute statt dessen nicht einfach angezeigt? Weil zunehmend vergessen wird, dass es Verben gibt?)
* Seit März 2017 haben wir eine neue Kommentarfunktion. Die alten Kommentare aus DISQUS wurden manuell eingefügt. Bei Fragen dazu melden Sie sich bitte bei sarah.luehty@thurgaukultur.ch

Weitere Beiträge von Brigitta Hochuli
- Kultur für Familien: Was im Thurgau noch fehlt (06.09.2018)
- Rätsel gelöst: So alt ist der Kunstraum Kreuzlingen (29.06.2018)
- Musikschule Kreuzlingen sucht Verbündete (14.06.2018)
- Kult-X in WM-Stimmung: Das etwas andere Public Viewing (29.05.2018)
- Unterm Sternenhimmel (13.05.2018)
Kommt vor in diesen Ressorts
- Kolumne
Kommt vor in diesen Interessen
- Blog
Ist Teil dieser Dossiers
Ähnliche Beiträge
Unterm Sternenhimmel
Museums- und Muttertag in einem sind wahrlich geeignet, aus dem Thurgauer Angebot etwas Besonderes zu wählen. Omama, Tochter und Enkelin haben sich in Kreuzlingen unter die Sterne begeben. mehr
„Kinderunterhaltitis“
Omama war mit den Enkeln im Theater und in einer Bilbliothek. Vor dem Theater warb eine Versicherung mit „einer Krankheit, die auch wir haben“; in der Bibliothek spürte die Grossmutter den Rücken. mehr
Museum für Kinder: tierisch
Kindern wird viel geboten. So auch Anfang Oktober, als eine Gruppe Sechs- bis Achtjähriger das Kunstmuseum Thurgau und seine Umgebung als einen Zoo erlebte. Das hat auch Omama Spass gemacht. mehr

