von Brigitta Hochuli, 26.11.2015
Rechtzeitig impfen!

„Wie sag ich‘s meinem Kinde?“, überlegt sich Omama angesichts der adventlich glitzernden Verlockungen allüberall. Wie erzähle ich der dreijährigen Enkelin ohne Chläuse, Elche und himmlische Heerscharen plausibel von Jesu Geburt?
Auf Hilfe hoffen wir in der „Büechlibrugg“, wie das Kind die Stadt- und Berufsschulbibliothek Kreuzlingen nennt. Wir steigen hinab ins neonbeleuchtete Souterrain und eröffnen auf den Namen der Grossmutter ein Konto. Auf einem langen Tisch haben die Bibliothekarinnen ein riesiges Angebot an Weihnachtsstoff ausgelegt. Die Kleine ist zielsicher. Sie hat Lust auf das grosse Buch oder auf das gleiche, das sie schon hat oder doch lieber auf das vom „Oh-Tannenbaum“...
Während das KInd seiner Lust nachgibt, wirft Omama auf der Suche nach ihrer plausiblen, unhimmlischen Geschichte den Blick auf das ganze Sortiment. Da begegnet sie nebst viel Traditionellem einem Weihnachtsmann auf Katzenpfoten, jenem, den man nicht küsst, Sissys höllischen Weihnachten und dem Traumschnee. Unhimmlisch ist das durchaus, plausibel nicht.
Schliesslich wählen wir fünf Bücher aus, alle mit Samichlaus. Und, oh je, der eine muss seinen Job fast ganz allein erledigen; die Kollegen liegen mit Weihnachtspusteln im Bett! In Zukunft rechtzeitig zum Impfen schicken, nimmt sich der Chlaus im Bilderbuch* vor. „Das isch luschtig“, findet die Enkelin. Die Omama weniger. Sie nämlich sieht im Weihnachtsgeschehen das aktuelle Beispiel einer Flüchtlingsgeschichte, die dank Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit ein gutes Ende hat.
Schnell kommen wir nicht weg aus der Bibliothek. „I mag das Büechli nomol aaluege“, sagt die Enkelin. Nomol und nomol! Es sind die Chläuse mit den Weihnachtspusteln, die das Mädchen faszinieren. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie geimpft und folglich immun.
*Der kleine Weihnachtsmann reist um die Welt, Hanser 2006
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Donnerstag, 10. Dezember, 19.30 Uhr, Weihnachtslesung mit Sonny Walterspiel

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