von Michael Lünstroth, 24.07.2019

Showdown am Steinacher Seeufer

Showdown am Steinacher Seeufer
Historienspiel und fantastische Reise: Die Produktion «WasserLand» will zum 1250-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Steinach beides sein. Das Foto zeigt eine Probe mit dem Laien-Ensemble. Premiere ist am 8. August 2019. | © zVg

Der Thurgauer Oliver Kühn führt Regie beim grossen Open-Air-Spektakel «WasserLand», das sich die Stadt Steinach zum 1250. Geburtstag schenkt. Premiere ist am 8. August. Wir haben vorab mit dem Regisseur gesprochen.

So einen 1250. Geburtstag feiert man nicht irgendwie, da lässt man es schon eher richtig krachen. Das dachte sich offenbar auch die Gemeinde Steinach, kurz hinter Arbon, und schenkte sich zum Jubiläum unter anderem ein musikalisches Festspiel. Der Titel: „Wasserland“. Der Text dazu stammt aus der Feder von Paul Steinmann, der es eigens für den Anlass verfasst hat. Die Geschichte, die erzählt wird wandelt zwischen Historie und Fantasie und berichtet von einem Sommerabend im Jahr 1489. Einem Abend, an dem die Wogen im Streit zwischen der Stadt und der Abtei St. Gallen besonders hoch gingen (mehr zum historischen Hintergrund am Ende des Textes in einem Infokasten) und in Steinach die Wassergeister die Krise zum Landgang nutzten. 

Noch ist von dem geplanten Spektakel aus Theater, Tanz und Musik nichts zu sehen, das Ensemble - zusammengesetzt aus Profis und Laien - steckt mitten in den Proben. Premiere auf einer Bühne am See ist am 8. August.   „Wir sind jetzt dabei, die verschiedenen Sachen zusammenzubringen, Übergänge zu schaffen“, erklärt Oliver Kühn. Der Thurgauer und Gründer des Sirnacher Theater Jetzt ist künstlerischer Leiter und Regisseur des Projektes. Seit vergangenen Herbst arbeiten sie an dem Stück. Erst in Workshops mit den Laiendarstellern, im April sind dann auch die Profis dazu gestossen. Was ihn an dem Stück gereizt hat? „Ich arbeite gerne mit historischen Stoffen, ich mag es Theater an historischen Orten zu spielen und die Seebühne hier ist einfach einzigartig“, antwortet Kühn.

„Die Seebühne hier ist einfach einzigartig.“

Oliver Kühn, Regisseur

Für die Initiatoren des Projektes war von Anfang an klar, dass Profis und Laien hier gemeinsam auf der Bühne stehen sollen. „Dies bringt spielfreudige und gut vernetzte Steinacher auf die Bühne, denn schliesslich geht es um die Geschichte ihres Dorfes“, schreibt der eigens für die Aufführungen gegründete Trägerverein „Musiktheater 1250 Jahre Steinach“ in einer Medienmitteilung. Neben 33 Laiendarstellern und -darstellerinnen wird ein Kinderchor mitwirken, es gibt akrobatische Showeinlagen des Turnvereins Steinach und ein Grossteil der rund 350 ehrenamtlichen Helfer stammt aus den Vereinen der Gemeinde. 

Die inhaltliche Verantwortung liegt indes klar bei den Profis. Zu den bereits erwähnten Paul Steinmann und Oliver Kühn kommen noch die Profi-Schauspieler Michael Finger, Jacqueline Vetterli, Katharina Bohny, Matthias Peter und Raphaël Tschudi. Valentin Baumgartner übernimmt die musikalische Leitung, Ann Katrin Cooper und Tobias Spori vom St.Galler Panorama Dance Theater haben die Choreografie kreiert, Stefan Kreier das Bühnenbild gebaut und damit der historischen Genauigkeit auch Genüge getan wird, ist der in Steinach wohnhafte Historiker und Politikwissenschaftler Achim Schäfer als historischer Beirat an Bord. „Es ist toll, dass wir so viel Zeit für die Entwicklung des Stückes hatten. So konnten wir vieles gedeihen lassen, das Stück ist organisch gewachsen“, sagt Oliver Kühn.

Auf dieser Bühne wird ab 8.August gespielt. Rechts daneben das Gredhaus aus dem Jahr 1473. Bild: zVg

Der Sturm fegt alte Gewissheiten hinweg

Gespielt wird an einem Ort, wo früher ein Hafen war. „Unsere Inszenierung will auch dieses Hafenfeeling ein Stück weit wecken, damit man sich wieder bewusst wird, was früher an diesem Ort geschah“, so Oliver Kühn. Ausgangspunkt der Handlung ist der Streit zwischen der Stadt St. Gallen und der Abtei St. Gallen über den Standort des Benediktinerklosters. Im Banne dieses Konfliktes stehen in der Inszenierung auch in Steinach die Geschäfte still. Alle sind besorgt. Die Steinacher Handelsleute, Schiffsfahrer und Träger fürchten um ihre Privilegien. Und dann kommen auch noch Wassergeister und Fabelwesen an Land. Ein Sturm bricht aus. Und an dessen Ende wird nichts mehr sein wie es war.

Termine: Premiere von „Wasserland“ ist am 8. August, 20.30 Uhr. Weitere Aufführungen: 9./10./11./16./17./18./25./29./30./31. August sowie 5./6. und 7. September. Beginn jeweils 20.30 Uhr. Tickets kosten zwischen 49 und 75 Franken und sind hier erhältlich. Weitere Infos zu Anfahrt, Parkplätzen und ÖV-Anbindung gibt es hier.

Die Historie, der Spielort und das Jubiläum

Der historische Hintergrund: 1489 liegt Veränderung in der Luft. Der Streit zwischen Stadt St. Gallen und dem Benediktinerkloster eskaliert im so genannten Klosterbruch. Durch die geplante Verlegung des mächtigen und reichen Klosters nach Mariaberg im aufstrebenden Marktort Rorschach droht der Stadt St. Gallen ein schmerzhafter Bedeutungsverlust. Im Juli 1489 marschieren Truppen nach Mariaberg, besetzen das entstehende Kloster und zerstören den Bau.
 

Der Spielort: Das ‚Gredhaus‘, 1473 von der Stadt St. Gallen als Getreidespeicher am Seeufer erbaut, widerspiegelt Steinachs Geschichte als wichtiger Handels- und Umschlagplatz am Bodensee. Der spätgotische Bau und die angrenzende Wiese bis zum Seebad bilden den Schauplatz für das Musikalische Festspiel „WasserLand“. Von der überdachten Tribüne mit 600 Plätzen blickt man auf die unmittelbar am Wasser positionierte Bühne, einen ins Geschehen eingebundenen Steg und weiter über den See gen Westen, so dass Abendstimmungen das Erlebnis mitprägen werden.

 

Das Jubiläum: Die Gemeinde Steinach feiert im Jahr 2019 ihr 1250 Jahr-Jubiläum. Erste Erwähnung findet Steinach im Jahre 769 im Zusammenhang mit der Rückführung der Leiche des Abtes Otmar von St.Gallen von der Insel Werd bei Eschenz. Zu dieser Zeit wird im Gebiet des heutigen Steinachs ein Hof mit dem Namen Villa Steinach und eine Anlegestelle für Schiffe vermerkt. Die klösterliche Hafenanlage wurde in Steinach eingerichtet, da der Weg von Steinach über Wittenbach und Rotmonten in die Stadt St. Gallen der kürzeste ist. Bereits im Jahr 827 fanden Transporte von Korn und anderen Gütern auf dieser Strecke statt. (Quelle: https://wasserland-2019.ch/das-stueck/) 

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