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von Andrin Uetz, 28.09.2021

Tradition trifft Avant-Garde

Tradition trifft Avant-Garde
Jetzt aber wirklich: In diesem Jahr eröffnet der Pianist Django Bates das Frauenfelder Jazzfestival Generations. | © Richard Kaby / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Ein Jahr später als geplant startet am Samstag, 2. Oktober die 12. Ausgabe des Jazzfestivals „Generations“ in Frauenfeld. Mit Django Bates kommt einer der ganz Grossen des zeitgenössischen Jazz. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Der 2. Oktober 2020 hätte das perfekte Fest zum 60. Geburtstag des britischen Jazzmusikers Django Bates werden sollen. Dann sollte der Pianist nämlich in Frauenfeld die 12. Ausgabe des Generations Jazz Festivals mit einem Konzert eröffnen. Leider kam die zweite Corona-Welle dazwischen.

Umso erfreulicher, dass er nun ein Jahr später zu seinem 61. Geburtstag das Eröffnungskonzert zum Festival spielen kann. Vom 2. bis zum 9. Oktober 2021 wird Frauenfeld von internationalen Jazzgrössen bespielt.

Stilistisch vielseitig, innovativ und virtuos

Mit Django Bates konnte das Generations einen der ganz Grossen des kontemporären Jazz für sich gewinnen. Abgesehen vom Eröffnungskonzert am 2. Oktober wird Django Bates an mehreren Abenden in verschiedenen Formationen zu hören sein. (Details siehe Festivalprogramm).

Mehr noch wird er, genauso wie Adrian Mears (Posaune), Marius Neset (Saxophon), Josephine Lindstrand (Gesang), Petter Eldt (Bass) und Jim Hart (Schlagzeug) unter der Woche die Jazz Workshops mit Studierenden leiten. Zusammen mit Adrian Maers betreut er zudem das Composer Project, im Rahmen dessen fünf Kompositionsaufträge an Nachwuchskünstler:innen vergeben wurden, welche am 8. Oktober 2021 im Casino zur Uraufführung kommen.

Video: Django Bates mit seinem Trio “Belovèd” mit Petter Eldh am Bass und Peter Bruun am Schlagzeug

Am Puls der Zeit

Das Programm deckt eine breite Palette von Jazzstilen ab. Dabei scheint es sich dieses Jahr besonders zu lohnen, neben Altbekanntem auch neueren Tönen Gehör zu schenken.

Vertrackte Rhythmen, spacige Synthesizer und knackige Basslines sind beispielsweise beim Konzert der Band Y-Otis (8. Oktober, 23.30 Uhr, Jazzclub Dreier) um den schwedischen Saxophonisten Otis Sandsjö zu erwarten. Das Quartett dekonstruiert und vermischt gekonnt retrofuturistische Clubsounds mit polyrhythmischen Jazzphrasierungen und Elementen der Minimalmusic.

Durchaus tanzbar und anspruchsvoll genug, um auch kritische Hörer:innen nicht zu langweilen, dürfte das ein sehr lohnenswertes Konzerterlebnis werden.

Video: Y-Otis an den Leipziger Jazztagen 2020

Expressionen der Freiheit

Das Londoner Trio Vula Viel (2. Oktober, 23.30 Uhr, Jazzclub Dreier) mischt die westafrikanische Polyrhythmik des Gyil (einem Xylophon) mit einer gewissen Rauheit und Nonchalance, und kreiert so eine ebenso aufreibende wie eingängige Tanzmusik, die durchaus immer wieder Elemente der freien Improvisation beinhaltet.

Ziemlich frei und ungestüm dürfte es auch mit Julie Kjær 3 am Mittwoch 6. Oktober in der Eisenbeiz zu und her gehen. Die Dänische Saxophonistin setzt auf eine bewährte Freejazz-Formation mit Kontrabass (John Edwards) und Schlagzeug (Mark Sanders).

Video: Vula Viel im Café Oto in London

Erneuerung und Tradition

Erfrischende Neuinterpretationen von Jazzstandards verspricht das Trio Speak Low (7. Oktober, 21.30 Uhr, Eisenbeiz) mit der Zürcher Sängerin Lucia Cadotsch, dem Saxophonisten Otis Sandsjö und Petter Eldh am Bass.

Wer es eher traditionell mag, ist zudem mit den lokalen Formationen wie dem Raphael Jost Trio und Quintett (5. Oktober, 21.30 Uhr, Schlosskeller; 6.& 7. Oktober, jeweils 21 Uhr im Schlosskeller) oder der Claude Diallo Situation (2.,3. & 4. Oktober) gut bedient.

Und wieder spannt sich der Bogen zu Django Bates, der sich gekonnt und scheinbar mühelos zwischen Tradition und Avantgarde bewegt. Das Festivalprogramm wirkt rund und gut durchdacht. Ein Besuch in Frauenfeld lohnt sich auf jeden Fall!

Tickets: Alle Infos zum Ticketkauf gibt es auf der Website des Festivals.

Video: Speak Low mit Lucia Cadotsch, Otis Sandsjö und Petter Eldh


Video: Feines Gespür für den rohen Klang: Julie Kjær 3 in Kopenhagen

 

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