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von Jana Mantel, 04.03.2024

Viel Liebe zwischen den Zeilen

Viel Liebe zwischen den Zeilen
Bei den Proben für das Stück "Love letters" in der Theaterwerkstatt Gleis 5 (von links): Judith Bach, Regisseur Paul Steinmann und Giuseppe Spina. | © Jana Mantel

Premiere in der Theaterwerkstatt Gleis 5: Giuseppe Spina und Judith Bach spielen ab dem 8. März in „Love Letters“. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Von dem grauenhaften Regen draussen bekommen die drei Theatermenschen, die gerade in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld proben, überhaupt nichts mit. Sie sind völlig vertieft in ihre Arbeit rund um das Stück „Love Letters“, dem ein Buch in Form eines Briefwechsels des Autors A.R. Gurney zugrunde liegt. 

Regisseur Paul Steinmann, der das Zwei-Personen-Stück zum zweiten Mal auf die Bühne bringt, bestätigt mit einem Schmunzeln, dass die deutsche Übersetzung des Stücks „Love Letters“ auch „Love Letters“ heisst und beide Schauspieler, Judith Bach und Giuseppe Spina, überzeugt einwerfen, dass „Liebesbriefe“ auch lange nicht so gut klingen würden: „Aber keine Sorge“, betonen alle rasch: „Es wird deutsch gesprochen! Lediglich die Namen und Orte müssen in der Originalsprache, das heisst in Englisch, bleiben.“ 

Judith Bach spielt zum ersten Mal in der Theaterwerkstatt. 

Schauspielerin Judith Bach spielt zum ersten Mal in der Theaterwerkstatt Gleis 5 und sagt: „Ich bin begeistert, wie professionell hier gearbeitet wird.“ Sie erntet damit ein Lachen von Giuseppe Spina, der einer der Gründer des Theaters ist. Er erzählt gern ein wenig: „2012 haben wir zu sechst begonnen, diesem Ort ein Gesicht zu geben. In einem wahrlich demokratischen Miteinander planen wir gemeinsam das Programm, wobei der Fokus auf Vielfalt liegt und wir neben eigenen Theaterstücken auch Musikabende und Lesungen anbieten.“ 

Weiter berichtet er von der finanziellen Förderung von Stadt und Kanton, in deren Genuss sie seit einiger Zeit kommen, und schlägt mit einem unauffälligen Blick hin zu den personalisierten Besucherstühlen die Brücke zu Sponsoringideen. „Wir haben diese selbst vor ein paar Jahren aus einem alten italienischen Theater abgeholt“, erinnert er sich und schliesst mit einem Schmunzeln und einem italienischen Sprichwort: „Wir wollten ein Fahrrad, also müssen wir strampeln!“ 

 

Es wird auch musiziert in dem Stück. Bild: Jana Mantel

Briefe werden im Wechsel vorgelesen 

Nun, das tun sie, und zwar erfolgreich, und haben sich als Theaterort längst einen Namen gemacht. Ab dem 8. März steht nun eines der, laut der Mitwirkenden, schönsten Theaterstücke rund um das Thema Liebe auf dem Programm. „Love Letters“ – Liebesbriefe wechseln zwischen Andy und Melissa hin und her, lange und kurze, freche und ehrliche – im Wechsel vorgelesen werden sie von Judith Bach und Giuseppe Spina. 

Regisseur Paul Steinmann bemerkt salopp, dass ein grosser Vorteil darin läge, dass bei diesem Stück kein Text gelernt werden müsse und sagt: „Dieser Briefwechsel ist super, die Briefe nehmen einen beim Lesen und Hören wirklich in Besitz.“ 

Dann erzählt er noch die Geschichte des Autors, der dieses Stück als Buch schrieb, und zwar als erstes Werk auf seiner neuen elektrischen Schreibmaschine. „Erst als die Rückmeldung vom Verlag kam, wurde ihm klar, dass er eigentlich ein Theaterstück geschrieben hatte“, so Steinmann mit einem Lächeln. 

 

„Mich hat das Buch gefesselt, und ich habe das Stück auf meiner Dachterrasse in einem Rutsch durchgelesen.“

 Judith Bach, Schauspielerin 

„Mich hat das Buch gefesselt, und ich habe das Stück auf meiner Dachterrasse in einem Rutsch durchgelesen“, ergänzt Bach, und Spina wirft ein: „Bei mir waren es zwei Rutsch(e).“ Er sieht das Stück sehr universell an: „Die Frage nach der grossen Liebe des Lebens, das ist doch ein allzu menschliches Thema auf der ganzen Welt!“ Spannend findet er, und seine Mitspielerin stimmt ihm zu, bei diesem Stück die Entscheidungen darüber, wie viel oder wenig es auf der Bühne braucht. 

„Mit einer grossen Anzahl an Kostümen hat uns Joachim Steiner auch jede Menge Ideen geliefert“, so Spina, und Bach nickt. Sie sagt: „Ich dachte erst, man müsse viel mehr spielen, aber das ist gar nicht nötig. Man wird von ganz allein in das Stück hineingezogen, ist beim Lesen hochkonzentriert und wird eins mit den Figuren. Es ist, als würden uns diese Briefe bedecken.“ 

Dem stimmt Spina zu, und beide merken einmal mehr, dass sie ganz ähnlich denken und es ihnen grossen Spass mache, miteinander zu arbeiten. „Mit uns passt das einfach“, kommt es beiden wie aus einem Mund, und Spina erzählt, „dass er die Passagen von Bach ganz genau so wie sie lesen würde.“ 

Musik spielt auch eine Rolle 

Besonders freuen sie sich auch auf die kleinen gemeinsamen musikalischen Einheiten und sind voller Vertrauen in das Publikum. Ob sich schlussendlich beide Akteure beim Lesen und Musizieren in die Augen sehen oder zum Publikum schauen, und vor allem wie das Stück ausgeht, das wird nicht verraten. Doch gäbe es noch genug Karten, um das selbst herauszufinden. 

Premiere: 8. März, 20 Uhr Weitere Vorstellungen und Informationen unter www.theaterwerkstatt.ch

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