Seite vorlesen

von arttv, 19.08.2026

Zwischen Ritual und Experiment

Zwischen Ritual und Experiment
Jazzpianist und Klangforscher Marc Méan erforscht in seinem aktuellen Projekt «L’orgue comme voyage de découverte» Orgelinstrumente ausserhalb ihres liturgischen Kontexts | © arttv.ch

Mit Orgeln, Elektronik und ortsspezifischer Resonanz entwickelt Marc Méan eine Klangsprache jenseits des Sakralen. (Lesedauer: ca. 1 Minute)

Jazzpianist und Klangforscher Marc Méan erforscht in seinem aktuellen Projekt «L’orgue comme voyage de découverte» Orgelinstrumente ausserhalb ihres liturgischen Kontexts auf organische Weise: Drei Orgeln – darunter jene des Krematoriums Sihlfeld – hat er im vergangenen Herbst aufgenommen und zu neuen Kompositionen weiterentwickelt.

Jetzt das ganze Video ansehen

Sein spielerischer Ansatz folgt klaren, selbst gesetzten Strukturen und verbindet Experiment mit Präzision. Die Förderung der FONDATION SUISA ermöglicht ihm, diese Forschung weiter auszubauen. Zentral dafür ist auch sein Studio in der Zentralwäscherei in Zürich, wo er die kreative Nähe zu anderen Kunst- und Kulturschaffenden schätzt.

Die Orgel neu hören

Die Orgel ist aufgeladen mit Geschichte, Ritual und Erwartung. Ausgehend von den Improvisationen seines Albums Rituals, das in einer Kirche in Lausanne entstand, verlagert er seine Arbeit an die Orgeln des Friedhof Sihlfeld. Ein Ort, an dem Instrumente, Architektur und Themen wie Leben, Tod und Erinnerung untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Konstellation ist Teil der Musik. Die Orgel wird nicht als sakrales Monument verstanden, sondern als offenes Klangfeld: resonant, körperlich, wandelbar.

Improvisation trifft Elektronik

Vor Ort entwickelt Méan ein Live-Set, in dem Orgelklänge mit granularer Synthese, Loops und elektronischer Bearbeitung verflochten werden. Die Musik bleibt improvisiert, reagiert auf Raum und Instrument, vermeidet aber bewusst den Weg in klassische oder rein religiöse Kontexte. Stattdessen entsteht eine zeitgenössische Klangsprache, die Jazz-Haltung, elektronische Verfahren und ortsspezifische Resonanz zusammenführt. Die Orgel wird zum Partner im Dialog: mal massiv, mal fragil, mal flüchtig. Elektronik dient als Mittel, um das Instrument aus seiner Schwere zu lösen und neue Beweglichkeit zu gewinnen.

Bündelung und Ausblick

«Get Going!» ermöglicht Marc Méan, die bislang verstreuten Experimente zu bündeln, ihnen eine performative Form zu geben und die Grundlage für ein neues Soloalbum zu schaffen. Es geht um Verdichtung: aus Skizzen werden Set-Strukturen, aus Momenten ein zusammenhängender Weg. Die Jury bezeichnete das Vorhaben als spannendes Projekt mit starker Musik und würdigte insbesondere die konsequente Vertiefung bestehender Arbeiten. «L’orgue comme voyage de découverte» zeigt einen Jazzpianisten auf ungewohnten, experimentellen Pfaden und die Orgel als Instrument, das mehr ist als Tradition: als Reisemittel durch Klang, Raum und Erinnerung.

Kommentare werden geladen...

Von arttv

Kommt vor in diesen Ressorts

  • Musik

Kommt vor in diesen Interessen

  • Klassik

Werbung

Gesucht per Herbst 2026: Geschäftsführung 20-30%

Das GENERATIONS steht für aktuellen Jazz, internationale Vernetzung und die nachhaltige Förderung junger Musiker.

Ähnliche Beiträge

Musik

Komponieren mit dem KI-Modell

Silvio Buchmeier lotet neue Wege in der Komposition aus. mehr

Musik

Kino für die Ohren

„Wie im Film“ heisst das kommende Konzertprogramm des Kammerorchesters Camerata Aperta mit dem Thurgauer Perkussionisten Fabian Ziegler als Solisten. Aufführungen am 20. und 28. Juni. mehr

Musik

Klangbilder aus dem Auenland

Ein Konzertabend zwischen britischer Kathedralmusik, Shakespeare-Vertonungen und Strauss-Arrangements: Konzertchor Ostschweiz und Sinfonisches Orchester Arbon überzeugen mit Klangkultur und musikalischer Neugier. mehr