von Jan Rutishauser, 18.02.2014

Erster Mostindienslam im Kaff!

Erster Mostindienslam im Kaff!
Raphael Kaufmann | © Dieter Graf

Die Thurgauer Slam-Poeten Sven Hirsbrunner und Raphael Kaufmann stellen eine neue Slamreihe im Frauenfelder Kulturzentrum KAFF auf die Beine und wollen dreimal jährlich Künstler präsentieren. Los geht‘s am Samstag, 22. Februar. - Raphael Kaufmann, u20- Poetryslam Schweizermeister 2010, sagt, worin sich der Mostindienslam von anderen unterscheidet.

Jan Rutishauser*

Raphael, wie wird man eigentlich Slammer?

Raphael Kaufmann: Man schreibt einen eigenen Text, meldet sich bei einem Slam an, tritt auf und voilà! Zur Verfügung stehen bei uns im KAFF jeden Abend auch zwei Openlist-Plätze für die Kurzentschlossenen, die sich auch mal ausprobieren wollen.

Weshalb ein Slam in Frauenfeld?

Raphael Kaufmann: Der Kanton Thurgau ist eine eigentliche Slamhochburg. Mostindien hat schon so manch bekanntes Slampoetengesicht hervorgebracht und auch die Schweizer Slampoetin par excellence, Lara Stoll, ist in den goldenen Fluren, die das Thurgauer Lied so schön besingt, gross geworden.

Können wir bei Erfolg auf eine Weiterführung des Mostindienslams hoffen?

Raphael Kaufmann: Ja, wir hoffen sehr, dass sich der Mostindienslam in Frauenfeld etablieren und ein fester Bestandteil der Thurgauer Kulturszene wird.

Was unterscheidet euren Slam von allen anderen?

Raphael Kaufmann: Bei unserer Premiere eindeutig der hohe Anteil an ausgezeichneten regionalen Slammern. Aus dem Thurgau für den Thurgau sozusagen. Wir haben zum Beispiel den Frauenfelder Lokalmatador Ivo Engeler, Martina Hügi (Schweizer Meisterin 2012 im Team) aus Tägerwilen oder dich, Jan, als Sieger Oltner Kabarett-Casting 2013.

Auf wen können wir uns sonst noch freuen?

Raphael Kaufmann: Zusätzlich zu den Thurgauern haben wir Valerio Moser, den amtierenden Schweizer Meister im Teamslam, sowie Christoph Simon, mehrfach preisgekrönter Literat aus Bern.

Bereits 2001 als die Schweizer Poetryslamszene noch ein Schattendasein führte und in den Kinderschuhen steckte, fand im Vorstadttheater im Eisenwerk der erste Poetryslam in Frauenfeld statt. Im Eisenwerk liegt auch die Geburtsstädte des Differenzlerslams.

Raphael Kaufmann: Leider wurde es nach dem Zehnjahres-Jubiläum von Slam Thurgau etwas ruhiger in der kantonalen Poetryslamszene. Und gerade wegen dieser langen Vorgeschichte, die man schon Tradition nennen könnte, wollen wir ebendiese wieder hochleben lassen.

Drei Gründe, warum man den Mostindienslam nicht verpassen sollte?

Raphael Kaufmann: Tolle Künstler, ganz viel Spass für die Zuschauer, aber auch eine tolle Lokalität. Ausschlaggebend für das Schaffen einer neuen Slamreihe war eben nicht nur die lange Slamgeschichte des Kantons, sondern auch, dass vor kurzem das KAFF ein neues Lokal in Frauenfeld gefunden hat. Wo früher Cordonbleus à discretion gegessen wurden, findet jetzt Poetryslam in seiner reinsten und natürlichsten Form statt.

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*Der Güttinger Jan Rutishauser ist Kabarettist und Kollege von Raphael Kaufmann.

Raphael Kaufmann

Raphael Kaufmann wurde 1991 als Thurgauer geboren und ist es immer noch. 2010 wurde er Schweizer u20 Poetry Slam Meister. Er zog weg von Bichelsee, um in Freiburg Medizin zu studieren und slammt in seiner Freizeit auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Für ihn sind Slams keine Bildungsanlässe, deswegen ist sein Erfolgsrezept für einen erfolgreichen Text eine Prise Humor und ein Löffelchen Schalk. Kaufmann ist zusammen mit Sven Hirsbrunner (Slam Poet aus Erlen) Initiant des Mostindienslams im KAFF. (jr)

 

Schwiegermütter verboten


Raphael Kaufmann erklärt: „Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettstreit. Verschiedene Wortartisten treten mit Texten gegeneinander an und einer davon wird am Ende des Abends vom Publikum zum Sieger gekürt. Wobei natürlich nicht der Wettbewerb im Vordergrund steht, sondern ganz die Künstler mit ihren Texten und der Spass des Publikums.

Bei Poetryslam ist alles erlaubt, es ist wohl die liberalste Kunstform, die die Menschheit je hervorgebracht hat. Es gibt nur drei Regeln: 1. Der Text muss selber geschrieben sein. 2. Rede über alles, nur nicht über 6 Minuten. 3. Keine Requisiten, keine Schwiegermütter und Hamster, nur ein Blatt Papier und die eigene Stimme, wobei nicht mehr als die Hälfte der Darbietung gesungen werden darf.

Ein typischer Poetry Slam Abend läuft wie folgt ab: Ein Slammer tritt auf, trägt seinen Text vor und wird danach von fünf Zuschauern je mit einer Note von 1 -10 bewertet. Die besten drei Slammer kommen ins Finale, und dürfen einen zweiten Text präsentieren. Danach wird per Applaus der Sieger mit dem für Poetry Slam traditionellen Whiskey belohnt, der sofort mit den anderen Teilnehmern getrunken wird.

Den Sieger des Abends kürt also kein Germanistikprofessor, der das Reimmass des Vortrags aufschlüsselt, sondern einzig und allein das Publikum. Der Abend verspricht also neben guter Unterhaltung auch eine schöne Portion Demokratie.  Der Slam im KAFF wird ohne viel Schnickschnack und Tamtam über die Bühne gehen, wir reduzieren bewusst wieder aufs Wesentliche, nämlich auf die Poesie der Sprache.“

 

***

 

Mostindienslam im KAFF am Samstag, 22. Februar. Doors um 20.00 Uhr. Kampf der Dichter ab 20.30 Uhr. Eintritt: 15.- (Schulklassen erhalten 50%). After-Slam-Party bis 2 Uhr.
Moderiert wird der Abend vom jüngsten Slamduo der Schweiz, dem «Helvetischen Dreieck» bestehend aus Dominik Muheim und Sven Hirsbrunner.
Teilnehmer sind u.a. Christoph Simon, Martina Hügi, Ivo Engeler, Olga Lakritz, Jan Rutishauser, Amina Abdulkadir, Valerio Moser. Gegensprechanlage (Matthieu Heinz und Damian Funk).

 

 

 




www.kaff.ch

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