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von Jana Mantel, 05.03.2024

Auf der Suche nach dem Thurgau-Gefühl

Auf der Suche nach dem Thurgau-Gefühl
Landschaftsbilder aus der Sammlung des Kunstmuseums Thurgau. | © Jana Mantel

Der neugestaltete Themenraum „dussä" lädt im Naturmuseum unaufdringlich zum Nachspüren ein: Was bedeutet die Thurgauer Landschaft für mich? (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Museen konkurrieren mit anderen Freizeitmöglichkeiten, vom Radausflug über das Kaffeetrinken mit Freunden bis hin zum Fernsehschauen daheim. Mit unterschiedlichen Angeboten, sei es offline oder digital, locken Museen seit Jahren ihre Besucher und lassen sich dabei immer wieder neue attraktive Angebote einfallen. 

Dr. Barbara Richner ist die Sammlungskuratorin beim Naturmuseum Thurgau; sie schmunzelt ein wenig, während sie beginnt: "Für viele Menschen bedeutet so etwas wie eine Sammlung in einem Naturmuseum schon eher etwas Langweiliges." Doch bereits auf dem Weg in den neugestalteten Themenraum "dussä" im zweiten Stock zeigt sich, dass dem hier mitnichten so ist.

 

Dussä heißt der neugestaltete Themenraum im Naturmuseum Frauenfeld. Bild: Jana Mantel

Der neue Raum ist auch ein Testort

Liebevoll gestaltete Dauerausstellungsräume, die durchaus schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, stehen noch immer gut da und zeigen den Besuchern, dass ein Naturmuseum mehr zu bieten hat als nur ausgestopfte Tiere. Da streift man eine spannende Sammlung aus Holzbüchern und entdeckt Früchte aus Wachs, und man spürt in jedem der Räume, dass hier mit viel Herz neben dem Kopf gearbeitet wird. 

 

Sammlungskuratorin Barbara Richner zeigt die Holzbibliothek des Naturmuseums Thurgau. Bild: Jana Mantel

 

Richner bleibt kurz in einer Kabinettausstellung stehen und erklärt, dass dieser Raum ein guter Testort sei. „Auch das Relief, das wir für den neugestalteten Raum in die Mitte platziert haben, stand zunächst hier und erzählte die Geschichte des Amriswiler Kunsthandwerkers Ernst Schefer, der es gebaut hat", so Richner und weiter: „Die Menschen standen lange um das Relief herum und haben Orte gesucht, die sie kennen, wo sie wohnen, wo sie zuletzt spazieren gegangen sind.“

Schnell wurde klar, dass das Relief angekauft wird für die Sammlungsausstellung, denn es funktionierte, und es funktioniert auch jetzt im neugestalteten Ausstellungsraum "dussä" als erster Hingucker.

 

Das Relief lädt im Naturmuseum Thurgau zum Nachspüren ein. Bild: Jana Mantel

Leihgaben aus dem Kunstmuseum 

Stimmig umrahmt wird es von drei anderen interaktiven Stationen rund um das Thema Landschaft im Thurgau. Während die Reliefstation lediglich, oder glücklicherweise, denn nicht jeder möchte sich bei einem Museumsbesuch aktiv beteiligen, zum Nachfühlen einlädt, hat man an der grossen Kunstwand die Möglichkeit, mehr als nur zu hinschauen. „Wir haben die Kunstwerke aus der Sammlung des Kunstmuseums Thurgau geliehen", erklärt Richner. Geballt wird hier Landschaft auf Bildern präsentiert, mal romantisch verklärt, mal eher nüchtern. 

Man kann sich die Arbeiten einfach nur ansehen und sich wegträumen, aber man darf auch aktiv werden. „Wir haben die Idee, den Bildern, die keinen spezifischen Titel haben, Orte im Thurgau zuzuordnen im Team entwickelt", so Richner, die erwähnt, dass sie sich selbst erst kürzlich beim Spaziergang an eine der gezeigten Landschaften erinnert gefühlt hat. 

Video: arttv.ch über das Thurgauer Relief

Besucher:innen können auch eigene Fotos einreichen

Wer möchte, kann nebenan auf einer Bank Platznehmen und sich die inoffizielle Hymne des Kantons Thurgau vorlesen lassen oder überlegen, welcher Ort für einen selbst eine besondere Bedeutung hat. „Dem Aufruf, Fotos von Thurgauer Ansichten, die in dem Themenraum noch fehlen, zu liefern, folgten schon einige Besucher", erzählt Richner und zeigt auf einen kleinen Bildschirm, der diese eingereichten digitalen Fotos in Endlosschleife zeigt. 

Überhaupt ist der gesamte Themenraum ganz bewusst so gestaltet, dass man hier und da nachjustieren kann. „Wir werden im Frühjahr in den Austausch gehen und die Rückmeldungen der Besucher für die Auswertung mit einfliessen lassen", sagt Richner und es liegt ihr noch etwas auf dem Herzen: „Mir ist es als Kulturwissenschaftlerin wichtig, Grenzen zu überschreiten, denn die Natur um uns herum ist mehr als nur die Landschaft, die uns umgibt, sie stiftet Identität", so Richner mit Nachdruck: „Wenn man es schafft, in den Menschen ein Bewusstsein für ihre Umgebung zu entwickeln, schafft man ein Interesse dafür und kann auch komplexe Themen wie Umweltschutz besser platzieren."

 

Dr. Barbara Richner testet die gesprochene Version des Thurgauer Lieds. Bild: Jana Mantel

 

Vielfältiges Angebot an Vorträgen

Bis dahin lockt ein vielfältiges Angebot an Vorträgen, Tischgesprächen und Führungen für Jung und Alt ins Naturmuseum Thurgau, das schon aufgrund des charmanten Gebäudes einen Besuch wert ist. Und wegen des Themenraums „dussä" sowieso.

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