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von Brigitta Hochuli, 22.06.2014

Kunstmuseum unter Prüfzwang

Kunstmuseum unter Prüfzwang
„Die aktuellen Sparrunden verschlechtern natürlich die Ausgangslage für eine Neupositionierung des Museums“, sagt Direktor Markus Landert. | © Archivbild Kathrin Zellweger

Von der Leistungsüberprüfungsaktion (Lüp) des Kantons Thurgau ist auch das Kunstmuseum betroffen. Direktor Markus Landert erklärt im Interview, wo der Sparauftrag die Ausgangslage verschlechtert oder radikalisiert.

Brigitta Hochuli

Herr Landert, das Fazit der Thurgauer Regierung zu den Einsparungen im Kulturamt von 193'000 Franken im Jahr 2015 und je 176'000 Franken in den zwei Folgejahren lässt aufhorchen. "Die Museen verlieren längerfristig an Attraktivität, was zu Besucherschwund führen kann", heisst es da. Ist das angesichts des nach wie vor gewünschten Erweiterungsbaus des Kunstmuseums, der genau diesem Besucherschwund entgegenwirken soll, nicht - gelinde gesagt - unlogisch?

Im Moment steckt das Kunstmuseum in einer Warteschlaufe. So lange nicht feststeht, wann der Erweiterungsbau realisiert wird, macht es keinen Sinn, konkret dessen Betrieb und die daraus entstehenden Kosten zu diskutieren. Es ist aber allen Beteiligten klar, dass ein Erweiterungsbau und die damit verbundene Steigerung der Attraktivität auch erhöhte Betriebsmittel benötigen wird. Diese Mittel werden allerdings nicht einfach aus dem kantonalen Budget stammen können. Ein Erweiterungsbau öffnet aber Möglichkeiten zur Erwirtschaftung von Erträgen, die heute nicht bestehen. Die aktuellen Sparrunden verschlechtern natürlich die Ausgangslage für eine Neupositionierung des Museums. Aber: Sparen vereinfacht die Aufgabe nie, auch hier nicht.

 

Gespart werden soll aber auch zum Beispiel bei den Ankäufen. Betrifft das auch die Ankaufskommission des Kunsmuseums, die für das Jahr 2014 mit 100'000 Franken ausgestattet worden ist und dies gemäss Kulturkonzept bis 2015 weiterhin sein soll?

Das Budget der Ankaufskommission des Kunstmuseums wird aus dem Lotteriefonds finanziert und ist von den Sparmassnahmen nicht betroffen.

 

Dafür ist die Museumspädagogik betroffen; hier soll gestrafft werden. Wo werden sich die Ittinger Museen diesbezüglich einschränken wollen oder müssen? Das "Museum für Kinder" ist ja auch in Ittingen sehr beliebt!

Das Angebot des "Museums für Kinder" ist gut eingeführt und wird auch weiterhin im gewohnten Umfang bestehen bleiben. Dies, obwohl Kinderveranstaltungen im Verhältnis zu den erreichten Nutzerzahlen viel Geld kosten. Angebote für Kinder sind eine Investition in die Zukunft der Museen und es wäre unklug, hier zu sparen.

 

Wo denn sonst?

Gespart wird im Vermittlungsbereich, da, wo Fremdangebote eingekauft werden. Solche Veranstaltungen wurden bereits in den letzten Jahren eher reduziert. Im Veranstaltungsangebot in der Region herrscht eine starke Konkurrenz. Es gibt viele Veranstaltungen, die längst nicht alle ihr Publikum finden. Es ist angezeigt, sehr genau zu evaluieren, ob und welche Veranstaltungen das Publikum noch wünscht. Was wir eh schon tun, wird durch den Sparauftrag einfach radikalisiert.

 

Betrifft die Reduktion der Aufwendungen für Ausstellungen, Forschungsarbeiten und Begleitveranstaltungen auch das Kunstmuseum?

Ja. Das Kunstmuseum muss im Ausstellungsbudget, aus dem auch Forschungsprojekte finanziert werden, Einsparungen vornehmen. Dies wird dazu führen, dass weniger Ausstellungen realisiert werden und dass vermehrt auf eigene Bestände zurückgegriffen wird. Publikationen, die den Ausstellungen Nachhaltigkeit verschaffen, werden seltener werden. Wenn der Spardruck anhält, werden Projekte wie der Turm von Kawamata nicht mehr finanziert werden können. Sparaufträge sind eine riesige Herausforderung, die uns dazu zwingen, jede unserer Tätigkeiten auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen.

www.kunstmuseum.tg.ch

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