von Claudia Koch, 11.11.2019

Kultur aus dem Keller

Kultur aus dem Keller
Der gut besetzte Kultur-Keller Stettfurt kurz vor einer Vorstellung. | © Ueli Gubler

Der Kultur-Keller Stettfurt ist in seiner 15. Saison. Dass der Kultur-Keller so erfolgreich ist hat mit der ansprechenden Programmauswahl, aber auch mit der intimen Kelleratmosphäre wie mit der Nähe zu den Künstlerinnen und Künstlern zu tun.

Eine einzige Stimme. Diese eine Stimme entschied die Abstimmung 2004 zu Gunsten eines Kredits von 150'000 Franken, um den früheren Kartoffelkeller im Gemeindehaus zu sanieren. Etwa zur gleichen Zeit forderte der Kanton die Thurgauer Gemeinden auf, Möglichkeiten eines kulturellen Angebots in der Gemeinde zu prüfen. Entsprechend entschied der damalige Gemeinderat, den sanierten Keller für Kulturangebote zu nutzen.

Die ersten drei Veranstaltungen organisierte der Gemeinderat, doch sah sich dieser nicht in der Rolle des Kulturveranstalters. Entsprechend wurden engagierte und Kultur interessierte Leute für einen Verein Kultur-Keller Stettfurt gesucht. Im Februar 2005 erfolgte eine Gründungssitzung und im darauf folgenden Winterhalbjahr organisierte der frisch zusammengesetzte Vorstand die ersten vier Veranstaltungen. Nach drei erfolgreichen Jahren wurde die Anzahl der Veranstaltungen auf sechs erhöht, so wie sich das Programm – zusammengestellt vom Vorstand mit Antonella Höhn, Lonny Knecht, Doris Moser, Tom Borcherding, Ueli Gubler, Adrian Fritsche, Lilly Schmider und Remo Gehring – auch heute noch von September bis Ende März präsentiert.

Kabarettist Bänz Friedli eröffnete die 15. Saison im Kultur-Keller Stettfurt. Bild: Ueli Gubler

Solide Finanzierung

Von Anfang an dabei war der Stettfurter Rainer Borcherding, der bis Sommer 2019 dem Verein vorstand. Seine Aufgabe war unter anderen auch die Sponsorensuche, eines der drei finanziellen Standbeine des Kultur-Kellers. «Jede Veranstaltung wird von einem Sponsor, möglichst aus dem Dorf, finanziell unterstützt», sagt Borcherding. Immerhin gibt es in dem gut 1100 Seelendorf am Fusse des Sonnenbergs rund 30 gewerbliche Betriebe und Firmen. Mittlerweile sind es acht, neun Firmen, die als Sponsor für eine Veranstaltung aufkommen.

Ein weiteres finanzielles Standbein sind die Gönnerbeiträge. Der Kultur-Keller hat davon zwischen 35 und 40, wobei die Gönner jeweils für jede Veranstaltung Freibillette erhalten. Diese werden laut Borcherding fleissig genutzt oder im Idealfall, falls man verhindert ist, verschenkt oder in den freien Verkauf gegeben. Letzteres ist um so wichtiger, da der Kultur-Keller nur gerade Platz für maximal 65 Personen bietet. Gerade bei bekannten Künstler*innen, wie kürzlich bei Bänz Friedli, ist die Nachfrage sehr gross. «Da kommen die Leute auch von weiter her nach Stettfurt», sagt Borcherding.

Weitere finanzielle Unterstützung erhält der Kultur-Keller von der Gemeinde, der den Raum kostenlos zur Verfügung stellt sowie vom Kulturpool der Regio Frauenfeld. Alle diese Faktoren helfen mit, dass der Kultur-Keller bis jetzt immer schwarze Zahlen schrieb. «So liegt mal auch eine Künstlerin oder ein Künstler mit einer etwas höheren Gage drin», so Borcherding.

Der Kultur-Keller ist im Gemeindehaus mitten in Stettfurt untergebracht. Bild: Claudia Koch

Unbekannte Kunstschaffende fördern

Bei der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler haben Lonny Knecht und Doris Moser seit 2005 einen guten Riecher. Regelmässig besuchen sie Aufführungen in Kleinkunsttheatern und die Künstlerbörse in Thun. Knecht ist in Thun jeweils vom Start bis zur letzten Pointe dabei und ist jedesmal überrascht, wie viele neue Künstler*innen es zu entdecken gibt. Sie verlässt sich bei der Auswahl auf ihre Intuition und auf ihre Erfahrung. «Mittlerweile hat man ein Gespür dafür entwickelt, was beim Publikum im Kultur-Keller gut ankommen könnte, auch wenn mir persönlich oft mehr gefällt», sagt sie dazu. Trotzdem findet sie es wichtig, auch jungen, unbekannten Künstler*innen eine Plattform zu bieten. Gerne erinnert sie sich an Künstler wie Michael Elsener, der im 2010 noch völlig unbekannt war und heute als SRF-Moderator von «Late Update» bekannt ist.

Aber auch Michel Gammenthaler, Martin O., Dominic Deville sowie Knuth und Tucek waren Gast im Kultur-Keller, oft kurz vor ihrem grossen Durchbruch. Auf eine bestimmte Vorstellung möchte sich Knecht nicht festlegen. «Der Höhepunkt für mich ist, dass es uns immer noch gibt», sagt Knecht und verweist auf Wängi oder Sirnach, wo das Kulturangebot entweder pausiert oder ganz weggefallen ist. Auch ihre Vorstandskollegin der ersten Stunde, Doris Moser, kann auf ihre langjährige Erfahrung in der Kleinkunstszene zurückgreifen. Für sie gilt: «Die Stettfurter haben gerne Comedy und sind dankbare Lacher.»

Der Gewölbekeller im Stettfurter Gemeindehaus bietet Platz für maximal 65 Gäste. Bild: Claudia Koch

Weit herum bekannt

Was den Kultur-Keller Stettfurt besonders auszeichnet ist die Nähe zur Künstlerin und zum Künstler. Das wirke sich positiv auf die Kunstschaffenden aus, sagt Borcherding, der weiss, dass einige gerne zuvor das Dorf erkundigen, um aktuelle Begebenheiten in ihr Programm einzubauen. Auch schätzen es die Künstler*innen sehr, nach ihrem Auftritt mit den Gästen anzustossen und mit ihnen zu plaudern. Diese spezielle, ja fast intime Atmosphäre hat den Kultur-Keller Stettfurt deshalb weit über die Gemeindegrenze hinaus bekannt gemacht.
 

Die nächsten Veranstaltungen im Kultur-Keller

15. November 2019, Compagnie Bodecker & Neander: «Déjà-vu?»

10. Januar 2020, Goran Kovacevic und Nina Ulli: «Gipsy Serenade»

14. Februar 2020, Alex Porter: «Spezial»

20. März 2020, Frölein Da Capo: «Kämmerlimusik».

 

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 20 Uhr, Abendkasse und Kellerbar ist ab 19.30 Uhr geöffnet. Tickets kosten zwischen 20 Franken für Jugendliche bis 35 Franken für Erwachsene. Reservationen per E-Mail an info@kultur-keller.ch. Weitere Informationen unter www.kultur-keller.ch 

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