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von Roland Schäfli, 28.05.2026

Vampire am Blutkreislauf der Kultur

Vampire am Blutkreislauf der Kultur
Nicht nur der Kultur ins Genick gebissen, sondern auch ins Buffet: die Apéro-Vampire. | © KI-generiert/rs

Die Medikamentenversuche von Münsterlingen inspirieren ein Vampir-Musical in Mammern. Was jedoch selbst Kultursachverständige nicht wissen: in der Thurgauer Kulturszene gehen tatsächlich Blutsauger um! Doch woran erkennt man diese Wiedergänger, die es auf die Blutgruppe Kunst + Kultur abgesehen haben? Der Thurgaukler klärt auf! (Lesedauer: ca. 2 Minuten)

Achten Sie auf diese Merkmale, wenn Ihre Veranstaltung nach Sonnenuntergang beginnt:

Die blutarmen Apéro-Sauger

Kommen abends aus ihren Gräbern, ernähren sich von Apéro und Blätterteig und verschwinden unmittelbar, nachdem sie mit ihren Reisszähnen das letzte Gratis-Häppchen weggeputzt haben. Niemand hat je gesehen, dass sie eine Eintrittskarte kaufen. 

Abwehrmittel: Hors-d’oeuvre mit Knoblauch belegen, geweihte Hostien als Gebäck tarnen. 

Die Fördergeld-Vampire

Saugen Fördertöpfe bis auf den letzten Tropfen aus. Sie riechen Subventionsquellen besser als ein Bluthund. Während lebende Kulturmenschen echte Projekte entwickeln, kreieren diese Untoten lediglich neue Fördergesuche, in denen sie «Diversität» und «Transformation» für sich geltend machen. 

Abwehrmittel: Mit der Mitteilung, dass das Projekt privat finanziert wird und Gönner gesucht werden, fällt der Fördergeld-Blutegel augenblicklich von seinem Wirt ab. 

Die Sitzungsvampire

Laben sich an Traktandenlisten. Je länger die Sitzung dauert, desto jünger wirken sie. Sie lechzen nach neuen Arbeitsgruppen, die eine Ewigkeit dauern. 

Abwehrmittel: Eieruhr auf 60 Minuten stellen. Nach Ablauf zerfällt der Sesselkleber zu Staub.

 

Seltene Aufnahme einer Sitzung der Kulturkommissions-Untoten: Sitzungen dürfen ewig dauern. Bild: KI-generiert/rs

Die Kulturkommissions-Untoten

Niemand weiss mehr, wann sie vor Ewigkeiten gewählt wurden. Diese Grufties überlebten sogar Gemeindefusionen und verhindern Blutauffrischung im Vorstand. Verraten sich durch Sätze, die mit «Früher war alles…» beginnen. 

Abwehrmittel: Eine Amtszeitbeschränkung wirkt auf die Muffigen wie ein Holzpflock durchs Herz.

Die Vernissagen-Wanderer

Diese Nomaden der Nacht werden manchmal an drei Ausstellungseröffnungen nacheinander gesichtet. Vampirologen und Veterinäre vermuten sogar, dass sie keine feste Gruft-Adresse haben, sondern dauerhaft von Eröffnung zu Eröffnung ziehen und sich zuweilen in der Garderobe einnisten. Ihr Kompass ist das Programmheft von Thurgaukultur.  

Abwehrmittel: Tischdeko mit wilden Rosen, die in vielen Mythen als natürliche Barriere gegen Vampire wirken. Statt Weisswein Weihwasser reichen.

Die Social-Media-Sauger

Besuchen Kulturanlässe ausschliesslich zur Dokumentation ihrer unheimlichen Anwesenheit. Der Event endet für sie nach dem Selfie (da man Vampire nicht fotografieren kann, benutzen sie Bildbearbeitungsprogramme, um sich als blutjunge Influencer in Szene zu setzen). Ihre blutgetränkte Kritik ist schon publiziert, bevor der eigentliche Anlass überhaupt begonnen hat. 

Abwehrmittel: Kaltblütig das WLAN deaktivieren. Diese Vampir-Art kann nur mit Online-Zugang existieren. 

Der Sparprogramm-Wiedergänger

Nistet sich unbemerkt wie eine Zecke in Kommissionen ein, die über finanzielle Unterstützung entscheiden. Die Bisswunden entdeckt man erst, wenn er weitergezogen ist und Grabesstille im Betrieb herrscht. Dazu entzieht dieser Blutschlürfer den Mitgliedern zuerst den Lebenssaft und dann die Lust, indem er alle bis aufs Blut reizt. Man erkennt ihn an seinem blutgetränkten Rotstift und an den Manager-Begriffen «Priorisierung» und «Synergienutzung». Wenig später fehlen dem Theater 20 Prozent des Budgets. 

Abwehrmittel: Ein Taschenrechner, in der die «Plus»-Taste als Kruzifix abgebildet ist. 

 

Kulturelle Blutarmut: mit dem Rotstift Kulturbudgets zusammenstreichen. Bild: KI-generiert/rs

 

Während sich all diese Nachkommen Nosferatus am Blutkreislauf der Kultur gütlich tun, wird sie von einer seltenen Spezies am Leben gehalten: den freiwilligen Blutspendern. Sie, die Kuchen backen, Protokoll führen, Lösli verkaufen, und nachher aufräumen. Und die Sponsoren, diese moderne Blutbank der Kultur, die eine Transfusion geben, wenn die Blutkonserven knapp werden. Ohne diese bis aufs Blut Engagierten würde die Thurgauer Kultur ausbluten.

Wichtiger Merksatz zum Schluss: Prüfen Sie sorgfältig Ihre Gästeliste.  Denn gemäss Einladungsregel kann ein Vampir einen Kulturort nicht betreten, ohne vorher hineingebeten worden zu sein. 

 

Wenn der Kulturbetrieb Zähne zeigt: Freiwillige halten den Kreislauf der Kultur am Leben. Bild: KI-generiert/rs

 

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