von Inka Grabowsky, 04.10.2017
Von damals und heute

Das Kreuzlinger Museum Rosenegg stellt Fotos vom Anfang des 20. Jahrhunderts heutigen Bildern der Stadt gegenüber.
Von Inka Grabowsky
„Uns geht es darum, ein Stadtbild zu zeigen, das nicht mehr da ist, und Veränderungen deutlich zu machen“, sagt die Museumsleiterin Yvonne Istas. Die Kreuzlinger Besucher könnten hier miteinander Erinnerungen austauschen. Neuzuzüger oder Touristen könnten ein neues Verständnis für die Lokalgeschichte entwickeln. „Anders als die Foto-Ausstellung ‚Neuland’ im Seeburgpark und Seemuseum zeigen wir nicht nur die Abbruchhäuser aus der Hauptstrasse, deren Bauschutt zur Uferverfüllung benutzt wurde, sondern markante Gebäude aus der ganzen Stadt“, erklärt die Kunsthistorikerin. „Insofern ergänzen wir uns optimal.“ Abgesprochen sei das allerdings nicht gewesen.
„Quer durch die Stadt“ ist ihre erste Ausstellung in Eigenverantwortung, und sie hat sich gleich ein schwieriges Thema für eine Neu-Kreuzlingerin ausgewählt. „Ich hoffe, ich werde bei jeder Führung dazu lernen, weil mir Besucher Anekdoten zu den alten Häusern erzählen.“ Für die Ausstellung hat sie sich Hilfe eines Alteingesessenen geholt. Roger Cotting ist hier aufgewachsen. Der pensionierte Grafiker wusste deshalb, nach welchen Häusern er in Fotosammlungen suchen musste. „Einige tausend Bilder hat allein die Stadt“, erzählt er. „Da dauert es eine Weile, bis man sich orientiert hat.“ Die Fotos mussten nicht nur ausgewählt werden, sondern auch digitalisiert und bearbeitet. Die Schärfe, die Belichtung oder die Kontraste der zum Teil über hundert Jahre alten Bilder sollten alle einigermassen zusammenpassen. „Die fünf Wochen Zeit, die ich von der Auftragsvergabe bis zur Eröffnung hatte, sind schnell vergangen“, sagt er.
Die Mowag früher und heute. Bild: Inka Grabowsky
Insgesamt sind rund 150 Häuser portraitiert. Den früheren Zustand zeigt ein altes Schwarz-Weiss-Foto, den heutigen hat Roger Cotting in Farbe dokumentiert. Einige Gebäude sind mittlerweile verschwunden, andere umgebaut und wieder andere liebevoll restauriert.
Stadtführung ohne weite Wege
Einen Überblick über die Veränderungen im Stadtbild gibt ein zehnminütiger Film von Ernst Hofstetter, Regisseur beim Kreuzlinger Fernsehen und Mann der ehemaligen Museumsleiterin Heidi Hofstetter , die ihrerseits als Beraterin bei der Ausstellung mitgeholfen hat. Der Filmer hat sich in einen Autofahrer hineinversetzt, der die Strassen heute sieht. Parallel zu diesen bewegten Bildern blendet er Fotos der alten Häuser ein. In den Schauräumen selbst lassen sich dann Details entdecken. Im Foyer zeigen grosse Luftbilder, wie sich das Stadtbild im Ganzen verändert hat. Danach kann man gezielt durch die Stadtteile Emmishofen, Egelshofen und Kurzrickenbach schlendern. Auf diese Art macht man im Museum Rosenegg noch bis zum 19. November 2017 eine bequeme Stadtführung anhand historischer Aufnahmen. Nicht einmal Strassenschilder und eine Parkbank fehlen.
Yvonne Istas vor einem historischen Luftbild von Kreuzlingen. Bild: Inka Grabowsky
Termine: Die Ausstellung ist bis zum 19. November im Museum Rosenegg zu sehen.
Führungen mit Yvonne Istas
Mittwoch, 11. Oktober, 18.00 Uhr
Mittwoch, 25. Oktober, 18.00 Uhr
Mittwoch, 15. November, 18.00 Uhr
Sonntag, 19. November, 16.00 Uhr (Finissage)
Der Grafiker und Alt-Kreuzlinger Roger Cotting hat die Bilder zusammengestellt und gestaltet. Bild: Inka Grabowsky

Von Inka Grabowsky
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