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von Elke Reinauer, 11.05.2026

Von fliegenden und kämpfenden Dachsen

Von fliegenden und kämpfenden Dachsen
Viel los in der Ausstellung «Wow…ein Dachs!» Aber keine Angst, die Tiere sind Präparate. | © Elke Reinauer

Das Naturmuseum Thurgau zeigt die Ausstellung «Wow … ein Dachs!» Für Hannes Geisser, langjähriger Museumsdirektor, wird es die letzte Ausstellung im Haus sein. Er wagt einen Neuanfang – ohne Museum. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Es grunzt, keckert und faucht im Naturmuseum und tönt, als wären die Tiere leibhaftig im Raum. Das sind sie auch, allerdings auf dem Film einer Wildtierkamera. Hier tummeln sich junge Dachse, die miteinander raufen, spielen und kämpfen. 

Die Ausstellung «Wow … ein Dachs!» im Naturmuseum beschäftigt sich mit besagtem Tier. Museumsleiter Hannes Geisser führte durch den Medienrundgang; es wird eine seiner letzten Führungen als Museumsleiter sein. Doch dazu später mehr.

 

Museumsleiter Hannes Geisser vor dem Streichel-Dachs. Bild: Elke Reinauer

Dachsblut diente mal als Heilmittel

Gleich beim Eingang befindet sich ein Streichel-Dachs, hier ist das Anfassen des präparierten Tieres erlaubt. Die Ausstellung ist eine Produktion des Naturmuseums Olten. Hannes Geisser verriet, dass früher Dachsblut oder Dachspulver als Heilmittel verwendet wurde, zum Beispiel gegen Viren.

Auch das Fleisch wurde verzehrt, bis heute noch in manchen Gegenden wie dem Wallis. Interessanter Fakt: Dachs heisst auf Französisch «blaireau». Dasselbe Wort bezeichnet auch den Rasierpinsel, weil dessen Borsten traditionell aus Dachsfell gefertigt wurden.

22 ausgestopfte Dachse gibt es in der Ausstellung zu sehen. Doch bevor der Besucher befürchtet, dass die Tiere für die Ausstellung ihr Leben lassen mussten, beschwichtigt Hannes Geisser: «Die Dachse sind Strassenverkehrsopfer, Totfunde oder wurden legal geschossen.» Sie stammten von verschiedenen Quellen.

Nachtaktiv und superschnell

Da der Dachs nachtaktiv ist, bekommt man ihn selten zu Gesicht. Die Fakten über das Tier, das bis zu 20 Kilo schwer werden kann, präsentiert die Schautafel im Steckbrief: Wer hätte es gedacht: Der Dachs kann von null auf 30 Stundenkilometer beschleunigen, es sieht dann aus, als flöge er. 

Hannes Geisser hatte im Wald eine Begegnung mit einem rasenden Dachs gemacht: «Er verfolgte mich. Das war sehr unangenehm, auf einmal segelte das Tier neben mir her.» Zum Glück sei der Dachs dann abgebogen.

Betrachtet man den Schädel des Dachses, fällt das Raubtiergebiss mit den spitzen Zähnen auf. «Man vermutet, dass dieses eher den Kämpfen um die Weibchen dient.» Und diese sind ziemlich heftig; die Wildtierkamera zeigt es: Da wird aus dem Nichts angegriffen, gebissen und gefaucht.

 

Ein fliegender Dachs. Die Tiere können bis zu 30 Stundenkilomter schnell werden. Bild: Elke Reinauer

Warum immer mehr Dachse die Städte erobern

Dachse sind, neben dem Uhu, der zweite natürliche Feind des Igels, erläutert Hannes Geisser. Mit ihrer Schnauze drehen sie den Igel um und finden die weiche Stelle des Tieres. Ausserdem fressen sie gerne Regenwürmer. «Sie sind Allesfresser.»

Diese Tatsache, und dass sie keine natürlichen Fressfeinde ausser dem Wolf haben, bringen sie in die Städte. «Unsere Siedlungen sind wie Fünf-Sterne-Restaurants für die Dachse», so Hannes Geisser. Immer wieder werden die Tiere in Städten gesichtet. Er bekommt öfter Anrufe von Menschen, die einen Dachsbau im Garten vermuten. «Ich rate dann, eine Wildtierkamera aufzustellen und zu beobachten, ob es sich wirklich um einen Dachs handelt.»

Was Menschen und Dachse verbindet

Der Dachsbau an sich sei eine permanente Baustelle. Aber im Vergleich zum Bau des Fuchses ist das Tier sehr reinlich und ordentlich. «Die Tiere sind extrem auf Sauberkeit bedacht.» Ihr Revier stecken sie mit ihrem Kot ab. Eine weitere Besonderheit: «Sie markieren sich auch gegenseitig. Das bedeutet so viel wie: Du gehörst zu mir.» 

Hannes Geisser hat dazu eine interessante Hypothese: «Auch Menschen, die sich zur Begrüssung Wangenküsse geben, tauschen ja Parfüm aus. Vielleicht ist das so etwas Ähnliches; die Botschaft ist die gleiche: Du gehörst in mein erweitertes Rudel.»

 

Dachs und Müllsack: Museumsleiter Hannes Geisser erläutert, dass immer mehr Dachse in Siedlungen ihre Nahrung suchen. Bild: Elke Reinauer

Lieber selbstständig als weiter Museumsdirektor: Geisser hört nach fast 29 Jahren auf

Zugehörigkeit ist wichtig, auch jene zur Arbeitsstätte. Hannes Geisser, der seit fast 29 Jahren als Museumsleiter im Naturmuseum tätig ist, wird dieses im November verlassen: «Ich wage es und mache mich mit 60 Jahren selbstständig», sagt er. Er wolle etwas Neues ausprobieren, bevor er in Pension gehe. 

Im Naturmuseum habe er gerne gewirkt, es sei eine abwechslungsreiche und spannende Tätigkeit gewesen, immer nah an Besuchern und verschiedenen Themen. Er freue sich nun auf einen neuen Lebensabschnitt: «Ich habe mich auf die Selbständigkeit vorbereitet. Und immer wenn ich davon spreche, spüre ich Vorfreude», verrät er. Doch bevor er in die Selbständigkeit startet, wird er noch einige Führungen zu «Wow…ein Dachs!» geben. 

Die Ausstellung «Wow … ein Dachs!» ist vom 8. Mai bis 29. November im Naturmuseum in der Freiestrasse 24 in Frauenfeld dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Öffentliche Führungen sind für Sonntag, 10. Mai, 10.30 Uhr und 29. November, 10.30 Uhr geplant.

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