Am 24. und 25. April 2015 fand im Lilienberg das erste «Grenzdenken» statt. 14 Referentinnen und Referenten versuchten, das Hinterfragen eigener Denkmuster zu fördern. Ein gelungener Versuch.

Sascha Erni

Der Thurgauer Internet-Unternehmer Christoph Lanter lud bei schönstem Frühlingswetter an den Untersee ein. Der Grund? «Grenzdenken». Die Idee dahinter? Andere, ungewohnte Sichtweisen zu zeigen, Denkanstösse zu geben, oder wie er es nennt: Die eigene Welt ein bisschen zu verändern, in dem man zumindest zwei Tage «quer» denkt. Der wilde Mix der Referenten machte es tatsächlich schwierig, in gewohnten Denkmustern zu verharren.

Berater – und passionierter Fliegenfischer – Karem Albash demonstriert den Widerspruch zwischen «Optimieren» und «Effizienz» mit Seil und Rute. (Bilder: Sascha Erni)

Von Scheisse, Leben auf dem Mars und abgeschafften Nationalstaaten

«Das da,» lächelt der Referent Thomas Rippel, als er auf einen projizierten Haufen Kuh-Dung zeigt, «das da ist Scheisse, ein wirklich guter Dünger.» Der Ex-Management-Student und baldige Landwirt erzählt von verfaulter Gülle, Sauerkraut, und dem Unterschied zwischen Bio und Nachhaltigkeit.

Steve Schild, den die Boulevard-Medien zum «Thurgauer Mars-Menschen» ernannt haben, berichtet von den psychologischen Tests für die "Mars-One»-Mission": Selbst die klügsten Leute scheiterten daran, weil sie nicht verinnerlicht hatten, dass es sich dabei um ein Billet Mars-einfach handelt – ohne die Möglichkeit einer Rückkehr. Am Abend zuvor antwortete der 80jährige Bestseller-Autor Erich von Däniken auf eine Zuschauerfrage, dass er nur dann mit Ausserirdischen mitreisen würde, wenn er auf der Erde sterben dürfe.

Juristen unter sich: David Dürr (r) und Valentin Landmann im Gespräch.

Auf den ersten Blick wirkt die Zusammenstellung der Vorträge chaotisch. Jedoch: Der Berner René Jaun, der sehr eindrücklich demonstriert, dass auch Blinde das Internet benutzen, passt durchaus zu David Dürr, der einen Sozialstaat für überflüssig hält. Wenn Mathias Binswanger über Glück referiert, und das Gespräch zwischen der Bergsteigerin Evelyne Binsack und Publizisten Matthias Wipf mit dem Tod eines Freundes beginnt, ist das kein Widerspruch. Dass Roland Siegenthalen die Vorträge und Gespräche mit feiner Ironie als Zeichnungen festhält, zeigt dann auch deutlich, dass Lanters Konzept aufgeht.

Denn es geht nicht darum, die rund 85 Kongressteilnehmer von Inhalten zu überzeugen. Es sind keine Seminare, keine Anleitungen, keine Produkte. Es geht nur um eines – denk mal anders als gewohnt. Dieses Ziel hat das erste «Grenzdenken» erfüllt. Auf ein zweites 2016 darf man gespannt sein.

Mindmap war gestern: Roland Siegenthaler illustriert alle Vorträge mit Stift und einer gehörigen Portion Ironie.


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Mehr zum Thema:

Denkmuster überdenken - thurgaukultur.ch vom 5.03.2015