von Inka Grabowsky, 12.03.2018

Kunst aus der Natur

Kunst aus der Natur
Sieht aus wie Kunst, ist aber Natur: Die Schwanzfedern vom Grünspecht. Eine neue Ausstellung im Bodensee-Naturmuseum zeigt die Vielfalt tierischer Federn. | © Heiko Hörster

Ab 17. März zeigt das Bodensee-Naturmuseum die Ausstellung „Ab in die Federn“. Sorgfältig arrangierte Bilder aus Vogelfedern lassen die Grenze zwischen Naturkunde und Kunst verschwimmen.

Von Inka Grabowsky

Auf dem Esstisch liegt ein Schwarzspecht – nun ja, nicht ganz: Nur die Flügel-, Schwanz- und Kopffedern hat Heiko Hörster entfettet und gegen Motten- und Milbenfrass behandelt. Jetzt ordnet er sie naturgetreu an und klebt sie auf einen grossen Papierbogen. „Wissenschaftlich exakt wäre es, wenn jede Feder einzeln nebeneinander zu sehen ist, aber ich find’s schöner, wenn der ganze Flügel in seiner Form dargestellt ist. Man erkennt dann auch gleich die Lebensweise – zum Beispiel, ob der Vogel ein Langstreckensegler oder Kurzstreckenzieher ist.“ Der unbefangene Beobachter sieht vor allem Farben, Muster, Eleganz und Ästhetik. Der Specht war gegen eine Fensterscheibe geflogen und gestorben. Und weil sich herumgesprochen hat, das in Kreuzlingen ein Fachmann wohnt, der dem tragischen Unglück noch einen Sinn geben kann, bekam er den Vogel gebracht. Den Körper übergibt er einem Museum zum Präparieren, die Federn behält er. Federn von rund 600 Vogelarten hat Heiko Hörster in seiner Sammlung – vom Zaunkönig bis zum Rotmilan. „Ich bekomme auch Federn von Zoos oder von Kleintierzüchtern. Für sie ist es Abfall, für mich ist es wertvoll.“

Heiko Hörster zeigt eines seiner Kunstwerke aus der Natur. Zu sehen sind sie in einer neuen Ausstellung im Bodensee-NaturmuseumHeiko Hörster zeigt eines seiner Kunstwerke aus der Natur. Zu sehen sind sie in einer neuen Ausstellung im Bodensee-Naturmuseum. Bild: Inka Grabowsky

Vom Sammler zum Aussteller

Die Vogelfreunde am Bodensee kennen sich. Das Wissen von Heiko Hörster, der beruflich als Tierpfleger mit Zebrafinken an der ETH Zürich arbeitet und in seiner Freizeit beim Vogelschutzverein Kreuzlingen aktiv ist, ist begehrt. Als das Bodensee-Naturmuseum in Konstanz vor zwei Jahren seine eigene Federsammlung inventarisieren und aufarbeiten wollte, wurde er um Unterstützung gebeten. Und weil man bei einer so langwierigen Arbeit zwangsläufig ins Gespräch kommt, erzählte er von seiner privaten Sammel-Leidenschaft. Sowohl die Museumsleiterin Martina Kroth als auch die Biologin Lisa Maier wurden neugierig. „Sie haben sich meine Präparate angesehen und waren begeistert“, erzählt Heiko Hörster. „Das ist ja ein Kunstwerk“, habe Martina Kroth ausgerufen und die Idee mit der Ausstellung entwickelt. „Ich mache das ja nur für mich selbst, weil es mich glücklich macht“, so der 35-Jährige. Stolz stimmte er den Plänen zu, nicht wissend, was nun an Arbeit auf ihn zukommen würde. Mit dem Fertigen der Schaubilder war bei weitem nicht alles erledigt. Der Transport zum Ausstellungsort erwies sich als besonders schwierig.

Alles unter Kontrolle

„Man darf der Natur nicht einfach etwas entnehmen, nicht einmal eine Feder“, erklärt der Vogel-Fan. Also meldet er auch einzelne Federn, die er am Bodenseeufer findet, der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons. „Im Ausland sind die Bestimmungen mitunter noch strenger. Ich brauche für jede Feder von geschützten Arten, die ich im- oder exportiere, eine CITES Bestätigung und eine Ausfuhrgenehmigung.“ Bei der Vorbereitung der Ausstellung im Bodensee-Naturmuseum in Konstanz spielte das eine grosse Rolle. „Das Museum ist nur siebzig Meter von der Grenze entfernt, aber ich habe rund vier Stunden am Zoll verbracht, bis ich den Papierkram erledigt hatte.“ Inzwischen aber sind alle Formalitäten geklärt und die Schau vorbereitet. Die Besucher können lernen, welche Aufgaben Federn haben und warum Eulen lautlos fliegen können. Vor allem aber können sie sich faszinieren lassen, wenn sie das Gefieder einer allgegenwärtigen Möwe für einmal in seiner ganzen Pracht sehen.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Anfahrt

Vernissage der Ausstellung ist am Freitag, 16. März 2018, 18 Uhr, im Konstanzer Bodensee-Naturmuseum (Hafenstrasse 9).  Insgesamt ist die Ausstellung "Ab in die Federn!" bis zum 17. März 2019 zu sehen. Die Öffnungszeiten täglich: Januar bis Juni 10 - 17 Uhr; Juli & August 10 - 18 Uhr; September bis Dezember 10 - 17 Uhr. Das Museum ist im selben Gebäude wie das Sea Life in Konstanz. Eintritt: 2 Euro, Kinder ab 4 Jahren 1 Euro. Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm für Familien und Schulen. Mehr dazu gibt es hier. 

 

 

Fasanenfeder in der Hand des Experten.Fasanenfeder in der Hand des Experten. Bild: Inka Grabowsky

So unterschiedlich können Federn sein (von links): Königsfasan, Goldfasan, Argusfasan und klein rot Diamantfasan.So unterschiedlich können Federn sein (von links): Königsfasan, Goldfasan, Argusfasan und klein rot Diamantfasan. Bild: Heiko Hörster

 

 

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