Asbestfall kostet mehrere Millionen

Asbestfall kostet mehrere Millionen
Ein Arbeiter entfernt Asbest am Palast der Republik in Berlin. Auch in Frauenfeld wird ein Gebäude nun von Asbest gereinigt werden müssen. | © Von Kuebi = Armin Kübelbeck - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2903919

Nach dem Asbestfund in einem Depot des Historischen Museums Thurgau vor einigen Monaten ist jetzt klar: Die Reinigung wird mehrere Millionen Franken kosten.

In einer Medienmitteilung vom vergangenen Freitag (7.Dezember) erklären der Versicherungskonzern Axa, die Besitzerin der Liegenschaft, und der Kanton Thurgau als Mieter gemeinsam, dass man sich über das weitere Vorgehen geeinigt habe. Demnach übernehme die Axa die Kosten für Reinigung und Transport der Gegenstände, die neue Einlagerung werde vom Kanton Thurgau finanziert. Zur Vorgeschichte: Auf den eingelagerten Kulturgütern des Kantons Thurgau im Untergeschoss der Liegenschaft Bahnhofstrasse 55 in Frauenfeld wurde im  März 2018 Asbest nachgewiesen. Insgesamt deponierte der Kanton im Gebäude über 30'000 Objekte, die nun alle aus Sicherheitsgründen gereinigt werden müssen. Die Kosten für diese Arbeiten seien schwierig abzuschätzen, aber beim Kanton geht man davon aus, dass es sich am Ende um eine Summe «im tiefen einstelligen Millionenbereich» handeln wird, hiess es in der Medienmitteilung,

Im Detail sieht die Einigung zwischen Kanton und Versicherung nun vor, dass die Axa bei verschiedenen spezialisierten Fachberatern ein Reinigungskonzept in Auftrag gegeben hatte, das nun gemeinsam mit der Fachberaterin des Kantons Thurgau (bafo GmbH) finalisiert und verabschiedet worden sei. Die Axa übernehme als Liegenschaftsbesitzerin sämtliche Kosten für die Reinigung, die Verpackung, den Transport und die Anlieferung sämtlicher Kulturgüter am neuen Standort und übergibt diese dem Kanton zur Konservierung im neuen Archiv in Frauenfeld-Ost. 

Arbeiten beginnen frühestens Anfang 2019

Die Reinigungsarbeiten finden direkt am Ort des Geschehens, also an der Bahnhofstrasse 55, statt, wo im Erdgeschoss eine spezielle Reinigungszone eingerichtet werden soll. So sei garantiert, dass kein ungereinigtes Objekt das Gebäude verlasse, hiess es weiter. Für die Reinigungsarbeiten werde nun eine spezialisierte Firma mittels Ausschreibung gesucht. Die Arbeiten könnten demnach frühestens Anfang 2019 beginnen. Ab wann das Museum auf die Exponate wieder zurückgreifen kann, dazu gab es bislang noch keine Angaben.

«Wir freuen uns, dass wir uns mit dem Kanton Thurgau auf eine konstruktive Lösung einigen konnten. Uns ist es ein grosses Anliegen, dass wir die Exponate dem Kanton Thurgau professionell gereinigt und unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen übergeben können.», wird Michael Keller, Leiter Bau & Entwicklung und Projektverantwortlicher bei der Axa, in der Medienmitteilung zitiert. Zufrieden mit der getroffenen Vereinbarung ist laut Mitteilung auch Marco Sacchetti, Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt: «Wir konnten mit der Axa eine gute Lösung erzielen und sind erleichtert, dass die Exponate alle fachgerecht gereinigt und gemäss Attest der involvierten Fachfirmen danach wieder bedenkenlos der musealen Nutzung und Forschung übergeben werden können. Es handelt sich bei den Kulturgütern um einen wichtigen Teil der Thurgauer Geschichte.» Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei die bevorstehende Reinigung zentral. «So haben sie Gewähr, dass künftig nicht mehr mit Asbestfasern auf den Kulturgütern gerechnet werden muss.»

Was der Asbestfall für das Museum bedeutet

Was bedeutet der Asbestfall für das Museum?

Mit den Objekten des Museums kann derzeit nicht gearbeitet werden. „Die Alltagsarbeit der Kuratoren und Kuratorinnen ist gegenwärtig blockiert. Externen Forschern können wir derzeit keinen Zugang zu den Beständen gewähren. Anderen Museen können keine Leihgaben zur Verfügung gestellt werden“, erläutert Museumsdirektorin Gabriele Keck die Lage. Die Situation dürfte auch Einfluss haben auf mögliche Leihgeber für kommende Ausstellungen des Historischen Museums. Kaum ein anderes Museum wird geneigt sein, Objekte zu verleihen, so lange die Asbest-Situation ungeklärt ist. 

Welche Objekte sind betroffen?

Es handelt sich um die nicht im Schloss Frauenfeld ausgestellte kulturgeschichtliche Sammlung des Kantons. Darin sind rund 30.000 Objekte verschiedenster Gattungen aus verschiedenen Materialien: Holz, Glas, Metall, Textilien, Keramik. Ganz dringend benötigt werden sie am Museum derzeit allerdings nicht: „Glücklicherweise haben wir gerade erst die Sonderausstellung «Schreck & Schraube. Weltindustrie im Thurgau» im Alten Zeughaus Frauenfeld eröffnet, so dass wir selbst keine Objekte zu Ausstellungszwecken aus dem Depot holen müssen“, sagte Gabriele Keck im April 2018. 

Grundsätzlich: Wie wichtig ist ein Depot für ein Museum?

Es ist ein zentraler Ort für ein Museum. Dazu Museumsdirektorin Gabriele Keck: „Ein Museum ist ein Sachgüterarchiv. Die Sammlung ist das Kapital eines Museums. Ohne die Sammlung an Kulturgütern gäbe es keine Ausstellungen, keine Kulturvermittlung, keine Forschung. Im Depot wird das erhaltenswürdige materielle Erbe unserer Vorfahren gelagert, es sind Zeugnisse der Thurgauer Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Objekte erzählen Geschichten und öffnen Fenster in die Vergangenheit. Mit dem Wissen über die Vergangenheit können wir die Gegenwart besser verstehen. Damit die Substanz der Objekte langfristig erhalten werden kann, sind eine fachgerechte Lagerung unter staubfreien und stabilen klimatischen Bedingungen und ein regelmässiges Monitoring (Zustandskontrolle) notwendig." (lün)

 

 

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