von Inka Grabowsky, 29.06.2021

Besser spät als nie

Besser spät als nie
6 aus 22: In der Jubiläumssaison des KiK-Festivals sind unter anderem dabei: Simone Solga, Lisa Eckhart, Lara Stoll, Oropax, Jochen Malmsheimer und Anna Mateur. | © zVg

Eigentlich sollte bereits 2020 die Jubiläumsausgabe des Festivals „Kabarett in Kreuzlingen“ starten. Wegen Corona wurde daraus nichts. Jetzt soll es aber wirklich losgehen. (Lesedauer: ca. 3 Minuten)

Es ist ein Lebenszeichen nach 18 Monaten Zwangspause – und kein besonders subtiles. Oropax ist bekannt für bunte, schrille und nicht immer ganz jugendfreie Auftritte. „Vor zwei Monaten ist die Agentur von Volker und Thomas Martins auf uns zugekommen“, erzählt der Programmleiter Micky Altdorf. „Die Brüder planten eine Sommer-Tour durch Badis unter dem Motto ‚Wasser-Fest‘, und wir können mit dem Hörnli tatsächlich mit von der Partie sein.“ Altdorf ist sichtlich stolz.

Oropax hat schon einige Male in der Kreuzlinger Badi Station gemacht, einmal war das KIK Co-Veranstalter. Nun ist der Verein federführend, unterstützt von der Genossenschaft Schwimmbad Hörnli. Der Gründer des Festivals muss aber zugeben, dass es nicht allein die Attraktivität des KIK ist, die die Comedians an den Bodensee zieht: „Volker Martins hat eine Saisonkarte fürs Hörnli. Er wohnt in Konstanz. Und die Tribüne, die sonst das Publikum der Wasserballspiele nutzt, ist ideal für die Open-Air-Vorstellung.“

Ein Drittel der derzeit zur Verfügung stehenden 300 Plätze sind jetzt schon belegt. Je nach Wetter und je nach am 8. Juli geltenden Pandemie-Schutzbedingungen werden wohl auch an der Abendkasse Tickets weggehen.

Badi-Auftritt: Oropax spielen am 8. Juli

22 Stars für 20 Jahre

Sobald die Vorstellung über die Bühne ist, konzentriert sich das Team des Kulturvereins auf die kommende Jubiläumssaison. Am 9. Juli wird auf der Festival-Website bekannt gegeben, wer ab 1. Oktober nach Kreuzlingen kommt.

„Wir hatten uns vorgenommen, für zwanzig Jahre KIK zwanzig Vorstellungen zu organisieren. Das bringt unsere ehrenamtlich arbeitenden Helfer schon dicht an die Überforderung. Nun sind durch pandemiebedingte Verschiebungen sogar 22 Auftritte zusammengekommen – und sie ziehen sich länger als sonst ins nächste Jahr hinein“, erklärt Micky Altdorf. Im Oktober/November und im Januar/Februar werden sich die Vorstellungen konzentrieren, um für ordentlich Festival-Atmosphäre zu sorgen.

Auch dabei: Christoph Sieber

Abschied vom Theater an der Grenze

Schauplätze des Festivals werden die Aula der PMS, das Dreispitz, das Dorfzentrum Bottighofen mit etwas über 300 Plätzen und auch noch einmal das Theater an der Grenze sein. Diese Kleinkunstbühne hatte Altdorf von 2007 bis 2012 in Personalunion mit dem KIK geleitet hatte. „Es tut mir weh, dass das Haus abgerissen werden soll. Wir wollen es diesmal noch ein bisschen geniessen.“

Pragmatische Gründe allerdings gibt es auch: Die Verträge mit den Künstlern sind zu einer Zeit geschlosssen worden, als die Überbauung des Theater-Grundstücks noch nicht abzusehen war. Darin wird das Haus als Auftrittsort festgelegt. „Diese Alt-Verträge arbeiten wir noch ab“, so Micky Altdorf, „danach wird sicher auch das Kult-X als Alternative für uns eine Rolle spielen.“

Eröffnet den Thurgauer Abend: Lara Stoll

Gekrönte Häupter

Einiges vom Programm verrät der KIK-Chef schon vorab. Das Festival wird am 1. Oktober mit einem Thurgauer Abend eröffnet. Lara Stoll wird dann unter anderem mit Kollegen vom Mostindien Slam auf der Bühne stehen. Enden wird es 2022 mit Christoph Sieber, dessen Vorstellung wegen Corona gleich zweimal verschoben werden musste. Dazwischen treten Kabarettisten unterschiedlichster Generationen auf, die fast ausnahmslos preisgekrönt sind. „So viele gekrönte Häupter kann sonst kaum ein Festival bieten“, meint der Programmleiter stolz.

Gleichzeitig betont er: „Bei uns treten nicht nur die Fernseh-Stars auf, die man immer sieht. Natürlich freue ich mich auf Grössen wie Urban Priol, Ursus und Nadeschkin oder Sebastian Pufpaff, aber die spannendsten Künstler sind nicht immer fernsehtauglich. Und einige engagiere ich, bevor sie jeder kennt.“ Lisa Eckhart sei vor zwei Jahren noch im Theater an der Grenze mit seinen 99 Plätzen aufgetreten. Jetzt füllt sie locker den Dreispitz. Und die Schlagzeilen um ihre durchaus umstrittenen Auftritte füllen inzwischen unzählbare Seiten - analog wie digital.

Umstritten: Die Kabarettistin Lisa Eckhart

Nachwehen der Absagen

Eckhart gehört zu jenen Künstlern, deren Auftritt wegen der Pandemie hatten abgesagt werden müssen. Immerhin konnte das KIK einen Verschiebetermin für den 10. Dezember 2021 anbieten. Bei Josef Hader hat das nicht geklappt. „Den können wir wohl erst in zwei Jahren zeigen“, bedauert Micky Altdorf. „Die Absage einen Tag vor der Vorstellung war eine dramatische Erfahrung. Es gab sehr viele Nachfragen von Zuschauern.“

Rechtlich sei die Situation klar gewesen. Die Absage war höhere Gewalt. Der Künstler bekam also keine Entschädigung, und die Käufer der Tickets bekamen von den Buchungsplattformen ihr Geld zurück. „Wir sind nur auf sehr viel vergeblich geleisteter Arbeit sitzengebleiben und auf den Gebühren für den Vorverkauf. Die haben wir den Kunden freiwillig erstattet. Ich wollte keinen Unmut beim Publikum auslösen.“

Zukunft des Fetivals ist offen

„Ob es das Festival noch einmal zwanzig Jahre gibt, wage ich zu bezweifeln“, sagt der ewige Programmleiter, der eigentlich Mathematiklehrer an der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen ist. In zwei Jahre werde er pensioniert, meint er augenzwinkernd. „Vielleicht kann ich mich dann ja ganz aufs Kabarett konzentrieren.“

Ein Nachfolger für ihn sei jedenfalls nicht in Sicht. „Man braucht ein grosses Netzwerk, um an die richtigen Künstler heranzukommen. Es nützt nichts, einfach die Adresskartei zu übergeben.“ Altdorf ist seit den neunziger Jahren im Geschäft, als er das Programm für die Löwenarena in Sommeri gestaltet. An Motivation mangelt es ihm immer noch nicht: „Ich mache weiter für die kabarettistischen Perlen, die ich präsentieren möchte.“

Bekennender Oropax-Fan: KiK-Festivalleiter Micky Altdorf. Bild: Inka Grabowsky

 

Tickets & Vorverkauf

Tickets für Oropax am 8. Juli 2021 kosten 40, ermässigt 35 Franken. Vorverkauf über www.seetickets.ch

 

Der Vorverkauf für das Jubiläumsprogramm mit 22 Vorstellungen beginnt am 16.8. über www.seetickets.ch  Die Kreuzlinger Buchhandlung Bodan wird ab 16. August ebenfalls Tickets verkaufen.

Das Programm ist ab 9. Juli unter www.kik-kreuzlingen.ch  online.

 

 

 

 

 

 

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