von Kathrin Reimann, 27.04.2026
Gratis Ayurveda für alle

Mit markanter Stimme, feinem Gespür für Melodien und spürbarer Leidenschaft begeisterte Aaron Wegmann gemeinsam mit seiner Band das Publikum im Eisenwerk in Frauenfeld. Das Abschlusskonzert des Winterprogramms wurde zu einem intimen und zugleich eindringlichen Musikerlebnis. (Lesedauer: ca. 2 Minuten)
Es war das letzte Konzert des Eisenwerk-Winterprogramms, das Aaron Wegmann mit seiner Band – bestehend aus Drummer Seraphim von Werra und Bassist Felix Müller – am 23. April in Frauenfeld spielte. In intimem Rahmen eröffnete der Gitarrist und Sänger den Abend mit seiner melodiösen, charaktervollen und dunklen Stimme und dem Song «Wrong Time». Darin thematisierte er, zur falschen Zeit geboren zu sein.
Mit dem berührenden und harmonischen Zusammenspiel der Instrumente und dem – dank Drummer von Werra – teilweise zweistimmigen Gesang wurde das Publikum unmittelbar in den Bann des Trios gezogen und lauschte den unaufgeregten, aber geschmeidigen Klängen der aus dem Raum Zürich stammenden Band.
Video: So klingt die Band
Eine gewachsene musikalische Verbindung
Die Formation interpretierte neben neueren Songs auch altbewährte Stücke. Denn die Musiker verbindet eine lange gemeinsame Geschichte: Die Berufsmusiker Wegmann und von Werra spielen bereits seit 2010 in verschiedenen Konstellationen zusammen. Die musikalischen Wege mit Bassist Müller kreuzten sich vier Jahre später – im Jahr 2014 –erstmals.
Wegmann tritt zudem regelmässig als Solokünstler auf. Sein letztes Konzert im Eisenwerk spielte er im Alleingang. «Ich weiss nicht mehr genau, wann das war: Die Zeit vergeht wie im Flug – und seitdem ich ein Kind habe, noch viel schneller», sagte er zum Publikum. Doch so sehr er seine Solo-Auftritte schätzt, geniesst er die Konzerte mit seiner Band und seinen «Jungs» umso mehr. Diese spürbare Freude am gemeinsamen Musizieren zog sich durch den gesamten Abend und spiegelte sich sowohl auf der Bühne als auch im Publikum wider.
Zwischen Blues, Folk und persönlichen Momenten
Auf den Song «Bag of Dreams», der davon handelt, Träume nicht aus den Augen zu verlieren, folgte die bluesige Nummer «Mean Woman» aus der 2014 erschienenen Veröffentlichung «Related Rooms». Wegmanns intensive Interpretation ging unter die Haut und riss das Publikum zu spontanen Jubelrufen hin.
Mit «Babylon» schlug die Band danach folkigere, poppigere und verträumtere Töne an. Einen besonders persönlichen Moment bot «Six O’Clock», ein Stück, das während Wegmanns zweiwöchiger Ayurveda-Kur mit seiner Frau entstand. «Es war eine intensive Zeit, in der ich auf vieles verzichtet habe und jeden Tag um 6 Uhr startete.» Als morgendliche Meditation habe er jeweils Gitarre gespielt – das daraus entstandene ruhige, instrumentale Stück präsentierte die Band fast schon andächtig, mit geschlossenen Augen, und bot dem Publikum damit «gratis Ayurveda für alle».
Danach folgten mit «Nothing Changes», «EYWM» und «Creepy Monsters» wieder vokale Stücke, die durch teils dadaistische musikalische Einlagen zusätzlich an Spannung gewannen.
Ein erfüllender Konzertabschluss
Dank Wegmanns ausdrucksstarker Stimme, dem souveränen Gitarrenspiel, den inhaltlich dichten Songs und der spürbaren Hingabe aller drei Musiker gelang ein stimmiger und berührender Konzertabend. Erwartbare wie überraschende Klangmomente hielten sich die Waage und entliessen das Publikum beschwingt und sichtlich bewegt in den Abend.

Von Kathrin Reimann
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