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von Brigitta Hochuli, 05.11.2013

Kunstschlüssel - Schlüssel zur Kunst

Kunstschlüssel - Schlüssel zur Kunst
Der Kunstschlüssel der werkschau tg 2013 | © ho

Brigitta Hochuli

An der werkschau tg wird auch Kunstvermittlung betrieben. Während der drei Ausstellungswochen erhalten Schülerinnen und Schüler aller Stufen Gelegenheit, eine der Ausstellungen mit einem Künstler oder einer Künstlerin zu begehen, deren Werke etwas genauer zu betrachten und im Gespräch mehr darüber zu erfahren. Während der ganzen Werkschau liegen in den beteiligten Kunsträumen „Schlüsselbünde“ von Mal- und Rätselkarten auf, die Fragen, Aufgaben und Anregungen zu den ausgestellten Werken enthalten und Familien zum Besuch der verschiedenen Ausstellungsorte anregen. Eine Verlosung der Rätselkarten gibt es allerdings nicht.

Im Neuen Shed im Eisenwerk haben sich bis jetzt vier Klassen für einen Ausstellungsbesuch angemeldet; im Kunstmuseum Thurgau bisher zwei, in der Galerie Bleisch in Arbon ebenfalls. Richard Tisserand vom Kunstraum Kreuzlingen macht eine Einführung mit 80 Studentinnen und Studenten der Pädagogischen Hochschule Thurgau.

Die Idee zum Kunstschlüssel und zu den Kunstbegegnungen haben Rebekka Ray und Brigitt Näpflin entwickelt. Rebekka Ray, die Kuratorin des Neuen Shed im Eisenwerk, berichtet im Interview von der Begegnung zwischen Kindern und der Künstlerin Ute Klein, Brigitt Näpflin, Museumspädagogin unter anderem im Kunstmuseum, von der Begegnung mit Rahel Müller. Und beide erklären, was sie unter Kunst verstehen.

***

Stösst das kostenlose Angebot der Kunstvermittlung während der werkschau tg auf Echo?

Rebekka Ray: Letzte Woche war eine Lehrerin mit ihren 5. KlässlerInnen zu Besuch, dabei war auch die Künstlerin Ute Klein. Die Begegnung von Künstlerin und Kindern schien mir für alle beteiligten sehr aufschlussreich (vielleicht fragen Sie Ute Klein selber noch). Die Kinder waren gut auf den Besuch vorbereitet und stellten spannende Fragen.
Brigitt Näpflin: Gerade hat eine Führung mit einer Klasse im Beisein der Künstlerin Rahel Müller stattgefunden. Es war ein tolles Erlebnis für alle.

Was genau wurde den Kindern geboten?

Rebekka Ray: Ute Klein nahm eines ihrer grosse Bilder von der Wand und führte den Kinder genau vor, wie sie arbeitet. So etwas ist nur in diesem Rahmen überhaupt möglich. Überhaupt bietet sich diese Art der Vermittlung für die Werkschau geradezu an, denn viele Kunstschaffende leben in der Umgebung, sodass sie tatsächlich auch dabei sein können, wenn Schulklassen kommen. Ausserdem haben alle Klassen einen beteiligten Kunstraum in ihrer näheren Umgebung.
Brigitt Näpflin: Rahel Müller vermochte einen unvergleichlich authentischen Eindruck zu geben, was es heisst Künstlerin zu sein. Die Kinder stellten …zig Fragen, was die Kunst-Begegnung bereicherte. Auch die Aussagen zu Arbeiten von Künstlerkollegen und Kolleginnen waren wertvoll.

Im „Kunstschlüssel“ mit Mal- und Rätselkarten wird unter anderem die Frage nach einer persönlichen Kunstdefinition gestellt. Was ist Kunst für SIE?

Rebekka Ray: Ich kann mir darauf zwei ganz unterschiedlichen (Kurz-)Antworten vorstellen: Kunst sind Bilder, Objekte, Texte, Ereignisse, die mehr sind als sich selbst. Im Spannungsfeld zwischen ihrer Geschichte und ihrer Gegenwart, zwischen den ErschaffernINNEn und den Betrachtenden, zwischen sich selbst und dem anderen ergeben sie Sinn und Emotion. Und: Kunst ist alles, was im Kunstkontext gezeigt und rezipiert wird.
Brigitt Näpflin: Kunst ist, was berührt, bleibende Eindrücke hinterlässt, irritiert, überrascht, Facetten aufgreift, die mit mir als Mensch in der heutigen Zeit zu tun hat, grosse Fragen stellt, zu dem was uns beschäftigt und in unkonventioneller Weise einen Ausdruck findet - zum gemeinsamen Nachdenken.

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